Terroranschlag in Istanbul : Sechs der Todesopfer kommen aus Ostdeutschland

Innenminister Thomas de Maizière und türkische Politiker bekundet seine Trauer am Ort des Attentats.  P. Kneffel
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Innenminister Thomas de Maizière und türkische Politiker bekundet seine Trauer am Ort des Attentats. 

Am Tag nach dem Selbstmordanschlag steigt die Zahl der deutschen Opfer auf zehn. Türkischer Geheimdienst rechnete mit Attentat

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13. Januar 2016, 18:30 Uhr

Eine rote Nelke an einem Geländer vor dem Obelisken des Theodosius, jener Sehenswürdigkeit in Istanbul, die die deutsche Touristengruppe am Dienstagmorgen gerade bewunderte, als der Attentäter seinen Sprengsatz zündete – eine der vielen Beileidsbekundungen für die Opfer und ihre Hinterbliebenen. Die türkischen Zeitungen erscheinen mit den Worten „Im Herzen bei Euch“ auf der Titelseite.

Am Tag nach dem Selbstmordattentat auf dem Sultanahmet-Platz stieg die Zahl der deutschen Opfer auf zehn: Zwei weitere Touristen erlagen ihren schweren Verletzungen. Sechs der Toten stammen aus Ostdeutschland, darunter auch Brandenburg. Der Attentäter hatte sich auf dem Platz unter die 33-köpfige deutsche Reisegruppe gemischt und dann seinen Sprengsatz gezündet.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sprach den Angehörigen seine Anteilnahme aus. „Wir stehen in dieser Stunde zusammen, um Trost denen zu spenden, die jetzt um ihre Lieben trauern“, erklärte Schröter: „Ich wünsche den Angehörigen aufrichtig viel Kraft, das Untragbare zu tragen.“ Brandenburg und Berlin ordneten Trauerbeflaggung an, im Berliner Dom und in der Berliner Marienkirche wurden Kondolenzbücher ausgelegt.

Innenminister Thomas de Maizière, der gestern nach Istanbul kam, sieht dennoch „keine Anzeichen, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war“. Nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Efkan Ala sagte de Maizière, beide Länder wollten eng zusammenarbeiten: „Wir wissen, wir sind beide bedroht vom Terrorismus. Deshalb muss auch die Antwort eine gemeinsame sein.“ Deutschland und die Türkei „rücken noch enger zusammen“, so der Minister. Gemeinsam mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu besuchte de Maizière Verletzte. Noch sieben Deutsche befanden sich gestern  in Krankenhäusern, fünf von ihnen auf der Intensivstation.

Als Täter haben die türkischen Behörden den 28 Jahre alten Nabil Fadli identifiziert. Er stammt aus Saudi-Arabien, besaß die syrische Staatsangehörigkeit und hatte sich der Terrormiliz IS angeschlossen. Er stand in der Türkei auf keiner Fahndungsliste, war erst kürzlich aus Syrien gekommen und hatte am 5. Januar bei der Ausländerbehörde in Istanbul Asyl beantragt. Jetzt suchen die Fahnder nach möglichen Komplizen und weiteren potenziellen Attentätern. Die Behörden meldeten am Mittwoch 13 Festnahmen. In der Touristenmetropole Antalya wurden drei Russen verhaftet, mutmaßliche Mitglieder des IS.

In den türkischen Medien gab es am Tag nach dem Anschlag nur spärliche Informationen über die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Sicherheitsbehörden. Der Grund: Ein Istanbuler Gericht hat eine Nachrichtensperre über den Fall verhängt. So viel aber sickerte durch: Offenbar hatte der türkische Geheimdienst MIT Hinweise auf geplante Attentate und gab entsprechende Warnungen an die Polizeibehörden heraus, berichtete gestern  die Zeitung „Hürriyet“.

Der MIT warnte demnach  am 17. Dezember und erneut am 4. Januar vor geplanten Anschlägen „gegen Nato-Einrichtungen, ausländische Botschaftsgebäude und Konsulate sowie auf Orte, an denen sich viele Ausländer und Touristen aufhalten.

Wer sind die deutschen Opfer des Terroranschlags in Istanbul?

  • Rheinland-Pfalz: Ein Ehepaar aus Mainz– der Mann 61, die Frau 59 –kommen ums Leben. Auch ein 73-Jähriger aus Bad Kreuznach stirbt, seine Ehefrau liegt mit schweren Verletzungen in einer Istanbuler Klinik. 
  • Sachsen: Eine 70-jährige Frau aus Leipzig sowie zwei 51 und 75 Jahre alte Männer aus Dresden sind unter den Todesopfern.
  • Brandenburg: Ein Ehepaar aus Falkensee, 71 und 73 Jahre alt, stirbt beim Anschlag.
  • Berlin: Ein Berliner wurde getötet, eine Frau schwer, ein Mann leicht verletzt.
  • Hessen: Ein 67 Jahre alter Mann aus Stadtallendorf kommt ums Leben, seine 50-jährige Frau wird bei der Attacke verletzt.
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