Rekord bei Wohnungseinbrüchen : Schutzlos gegen Langfinger?

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Hintergründe zum neuen Rekord bei Wohnungseinbrüchen

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31. März 2016, 07:30 Uhr

Alle drei Minuten wird in Deutschland eingebrochen: 2015 ist die Zahl der Einbrüche auf einen neuen 20-Jahre-Höchststand gestiegen. Die Gewerkschaften führen die Entwicklung auf Personalabbau bei den Ordnungshütern zurück. Hintergründe zum neuen Rekord bei Wohnungseinbrüchen:

Wie hat sich die Zahl der Einbrüche in letzter Zeit entwickelt?

Nach vorläufigen Angaben aus den Ländern wurden im vergangenen Jahr 167 136 Wohnungseinbrüche registriert – 9,9 Prozent mehr als im Vorjahr. 2014 waren es noch 152 123 Fälle gewesen. Besonders groß war der Anstieg in Hamburg (plus 20,2 Prozent), in Nordrhein-Westfalen (plus 18,1 Prozent) und Niedersachsen (plus 13,1 Prozent). Allein in Nordrhein-Westfalen sind im vergangenen Jahr 62362 Wohnungseinbrüche registriert worden. Diebstahldelikte machen rund 40 Prozent aller Straftaten aus.

Gibt es insgesamt mehr Straftaten?

Insgesamt zählten die Behörden in den Ländern im vergangenen Jahr 6,33 Millionen Straftaten – 4,1 Prozent mehr als 2014. Die Aufklärungsquote lag bei 56,3 Prozent und damit 1,4 Prozent höher als im Vorjahr. Die Zahl der nicht-deutschen Tatverdächtigen stieg im vergangenen Jahr um 47,7 Prozent.

Eine Erklärung könnte der Flüchtlingszustrom sein: Bei vielen der von Ausländern begangenen Delikte handelt es sich um Verstöße gegen das Aufenthalts- und Freizügigkeitsgesetz. Allerdings: Unter den Einbrechern gibt es überproportional viele Ausländer. 48,5 Prozent der Tatverdächtigen in Nordrhein-Westfalen waren im vergangenen Jahr Nicht-Deutsche.

Wie groß ist der Schaden bei den Einbrüchen?

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hatten die Hausratsversicherer zuletzt Einbruchschäden von rund 500 Millionen Euro pro Jahr übernommen. Die durchschnittliche Schadenssumme betrug 3250 Euro je Einbruch.

Worauf führen Experten die Zunahme der Straftaten zurück?

Immer mehr Einbrüche gehen nach Angaben aus Sicherheitskreisen auf das Konto international operierender Banden, die arbeitsteilig vorgehen. Während die einen Täter mögliche Objekte ausspähen, verüben andere den Einbruch, wieder andere kümmern sich um Abtransport und Verkauf des Diebesguts.

Die Polizeigewerkschaften weisen darauf hin, dass als Folge des Personalabbaus der letzten Zeit kaum noch Streifenpolizisten in Wohngebieten präsent sind und das Risiko, auf frischer Tat ertappt zu werden, für Einbrecher sehr gering ist.

Wie gehen Bund und Länder gegen Einbruchskriminalität vor?

Innenminister de Maizière setzt vor allem auf eine bessere Kooperation der Polizei – über Ländergrenzen hinweg und unter Federführung des Bundeskriminalamtes. In der Politik wird derzeit auch über höhere Mindesthaftstrafen für Einbrüche – bisher sechs Monate – sowie eine Ausweitung der Telefonüberwachung bei Tatverdächtigen debattiert. Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr ein 30-Millionen-Euro-Förderprogramm für einen besseren Einbruchsschutz aufgelegt.

Wie funktioniert die Förderung?

Die Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist für Eigentümer und für Mieter bestimmt. Wer seine Wohnung oder sein Haus gegen Einbruch sichern möchte, erhält je nach Höhe der Investitionskosten mindestens 200 Euro, höchstens 1500 Euro. Werden die Maßnahmen gegen Einbruch mit einem altersgerechten Umbau der Wohnung verbunden, sind bis zu 5000 Euro Zuschuss möglich.

Geld gibt es für einbruchshemmende Haus- und Wohnungseingangstüren, Türspione, Mehrfachverriegelungssysteme, Einsteckschlösser, Rollläden, Gitter und Fenster-Nachrüstungen.

Wird das Programm angenommen?

Seit dem November 2015 sind bereits 3900 Anträge gestellt und Bewilligungen mit einem Gesamtvolumen von 2,3 Millionen Euro erteilt worden. Durchschnittlich betrug der Zuschuss 580 Euro. „Das Programm wird gut angenommen. Wir wollen damit alle unterstützen, die sich vor Einbruch schützen wollen, nicht zuletzt auch Mieterinnen und Mieter“, erklärte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Die große Nachfrage zeigt, dass es da einen Bedarf gibt. Jeder soll sich in seiner Wohnung sicher fühlen.“
 

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