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Flughafen Frankfurt : Schnüffeln nach Bettwanzen

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spürhunde finden nicht nur Sprengstoff, Rauschgift und Elfenbein, sondern auch Ungeziefer in Hotels und Flugzeugen

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Cora steckt ihre Nase in jede Nische und schnüffelt an jeder Ritze in der Boeing 747. Nach rund 50 Sitzen braucht die Altdeutsche Schäferhündin eine Pause. Wann Cora die Lust an ihrer anstrengenden Arbeit verliert, merkt Larry Hansen vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport ganz genau. Er ist der Hundeführer der Bettwanzen-Spürhündin und ein Pionier auf diesem Feld in Europa. Bettwanzen erobern weltweit Hotels, Wohnungen und Verkehrsmittel – denn die winzigen Blutsauger reisen als blinde Passagiere in Koffern, Kleidern und Kisten um den Globus.

Hansen hat bei der Hundestaffel der Fraport viele Jahre Erfahrung mit Sprengstoff-Spürhunden gesammelt. Als sein Hund in Rente ging und der Bedarf an diesen Spürnasen am größten deutschen Flughafen mehr von der Polizei übernommen wurde, kam er auf die Idee mit den Bettwanzen. „In den USA gab es solche Hunde schon“, erzählt der Hundeliebhaber. Kurzerhand machte er in Florida den Ausbilderschein. Eine Anfrage bei Fluggesellschaften und Hotels ergab: „Der Bedarf ist da.“ Ein Hotel habe sofort geantwortet: „Wenn ihr das macht, bin ich euer erster Kunde.“

Bettwanzen sind wenige Millimeter große Insekten - und seit Jahren auf dem Vormarsch. Besonders verbreitet sind die nachtaktiven Sechsbeiner nach Einschätzung von Fachleuten in den USA, Kanada und Australien. „Überall, wo Menschen sind, können Bettwanzen sein, auch in der U-Bahn oder im Kino“, sagt Hundeführerin Marisa Manzano aus Hansens Team.

Arlette Vander Pan vom Umweltbundesamt sagt: „Jeder Geschäftsreisende kann Bettwanzen bekommen.“ Mit mangelnder Hygiene habe dies nichts zu tun. Einige Menschen reagierten auf einen Stich sofort, andere erst sieben und mehr Tage später. „Die Reaktion und der Juckreiz können sehr unterschiedlich ausfallen, von einigen Punkten über flächigen Rötungen und riesige Pusteln bis zu enormen Entzündungen.“ Gefährlich seien die Blutsauger aber nicht: „Bettwanzen übertragen außerhalb des Labors keine Krankheiten“, sagt die Wissenschaftlerin.„Sie drücken eher auf die Psyche.“ Viele Menschen hätten Angst vor dem Problem. „Das Übernachtungsgewerbe spricht auch nicht so gerne darüber.“

Das Geschäft im Kampf gegen die kleinen Tierchen wächst. Der Geschäftsführer des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbands, Andreas Beckmann, sagt: „Wir haben zunehmende Einsätze mit steiler Verlaufskurve.“

Hansens Team bekommt gut ein Jahr nach dem Start so viele Anfragen von Fluggesellschaften und Hotels, dass es mit seinen inzwischen drei Bettwanzen-Spürhunden nicht mehr nachkommt. „In Hotels gehen wir nur noch, wenn es die Auftragslage zulässt“, sagt Hansen. „Wir hoffen, dass das wieder besser wird, wenn wir die Ausbildung unseres vierten Hundes abgeschlossen haben.“ Vier bis sechs Monate dauert die Ausbildung für Mensch und Tier – bei täglichem Training. Kosten: etwa 10 000 Euro.

Hansen macht sich als Mitglied des Vorstands der nicht-kommerziellen Bed Bug Foundation (Bettwanzenstiftung) für die Zertifizierung der Ausbildung von Bettwanzen-Spürhunden in mehreren europäischen Ländern stark. Damit soll ein einheitlicher Standard geschaffen werden. „Eine tolle Idee“, findet Vander Pan vom Umweltbundesamt.

Schädlingsbekämpfer Beckmann hält es ebenfalls für wichtig, „dass der Hund richtig trainiert wird“. Eine Erfolgsquote von mehr als 90 Prozent, wie sie Hansen sieht, sei möglich – „wenn alles funktioniert“. Die Vorteile der tierischen Schädlingsbekämpfer gegenüber dem Menschen beschreibt Beckmann so: „Wir brauchen deutlich länger.“ Zudem müssten Kammerjäger bei ihrer Suche etwa Teppiche rausreißen und Fußleisten abmontieren.

Hansen sagt, seine Hunde erkennen nicht nur Wanzen aus Deutschland, sondern auch aus anderen Ländern. Sein Team habe das mit Insekten von verschiedenen Kontinenten getestet, inzwischen züchten sie die Winzlinge sogar selbst.

Ein bis drei Flugzeuge schaffen Hansens Bettwanzen-Spürhunde pro Tag. In den Flugzeugen werden die Hunde jedoch nur ganz selten fündig: „Die Airlines machen das präventiv, damit sie kein Problem bekommen“, sagt Hansen. Vor allem in Flugzeugen aus Nordamerika und Kanada ließen einige nach den Blutsaugern suchen. „Wenn sich was im Sitzbezug findet, brauchen sie nur den Bezug auszutauschen.“

In der Maschine aus Kanada findet Cora nichts. Damit sie motiviert bleibt und trotzdem Erfolgserlebnisse hat, versteckt ihr Führer zum Schluss ein Röhrchen mit selbstgezüchteten Bettwanzen. Cora zeigt an. Zur Belohnung wird gespielt.

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