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Bahnhofs-Auktionen : Schnäppchen neben der Schiene

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Berliner Auktionshaus versteigert seit Jahren Bahnhöfe aus Brandenburg – Insgesamt wechselten mehr als 180 in Brandenburg ihren Besitzer

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2014 | 11:44 Uhr

Schienenstationen zu Schnäppchenpreisen: Seit Jahren stößt die Deutsche Bahn ihre Bahnhofsgebäude in den ländlichen Regionen ab, indem diese meistbietend versteigert werden. Schon weit über 500 Bahnhöfe hat das Auktionshaus des Konzerns deutschlandweit vermarktet. So wurden beispielsweise im Juni gleich vier Empfangsgebäude versteigert, darunter die Bahnhöfe Wriezen und Wellmitz. Meist haben die Gemeinden selbst ein Gebot abgegeben, um endlich einen Schandfleck zu beseitigen, berichtet Mitarbeiter Sören Springer. „Aber es gibt auch Liebhaber, die dort einziehen oder eine Pension eröffnen wollen.“ Das Interesse ist trotz der baulichen Mängel groß: „Wir sind bislang jeden Bahnhof losgeworden“, sagt Springer nicht ohne Stolz. Zu den Liebhabern, die sich in Brandenburg einen verwaisten Bahnhof kauften, zählt René Noske aus Briesen (Oder-Spree). „Es war einfach ein schönes Gebäude“, schwärmt der 39-Jährige.

In dem Bahnhof, den er vor vier Jahren von der Deutschen Bahn erwarb, will er ein Gasthaus wiederbeleben, die „Kaiser-Stuben“. Der Name ist nicht übertrieben, reiste doch Kaiser Wilhelm II. in den 1890er-Jahren alljährlich in einem Zug aus Berlin nach Briesen. Nur kurzzeitig zweifelte Noske an seiner Entscheidung, das Gebäude gekauft zu haben. „Vieles war innen verschimmelt und verfault. Da kommt man schon ins Grübeln“, sagt er. Er musste komplett sanieren. Im Juli will der Unternehmer eine große Eröffnung feiern.

Nach Angaben der Deutschen Bahn wurde bereits ein Großteil der Bahnhöfe in Brandenburg verkauft: 185 Gebäude wechselten den Besitzer, 77 befinden sich noch im Eigentum des Konzerns. Sie seien für den Eisenbahnbetrieb nicht mehr notwendig, so Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Viele technische Vorgänge, für die früher Personal notwendig war, wurden automatisiert.

Der Sprecher verweist darauf, dass die Gebäude zuerst den Kommunen angeboten werden. Erst dann folgt die Ausschreibung. Ein großes Verkaufspaket landete auch bei einem Londoner Investor. Insgesamt knapp 1000 Objekte erwarb dessen deutsches Tochterunternehmen, das bei der Vermarktung wiederum mit dem Auktionshaus Karhausen zusammenarbeitet. „Von dort stammen viele Gebäude in unserem Portfolio“, betätigt Springer. Negative Folgen der Verkäufe kann Ahlert nicht erkennen. Es gebe viele Beispiele, wo alte Bahnhöfe nach der Sanierung aufgeblüht seien.

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