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Mallorca : Schmähparolen gegen Urlauber

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mallorcas Angst vor dem Massentourismus. Kippt die Stimmung auf der Insel?

Beim Spaziergang durch Palmas berühmte historische Altstadt könnten Urlauber in diesen Tagen den Eindruck bekommen, dass sie auf Mallorca nicht mehr erwünscht sind. „Ausländer, raus“, prangt auf Englisch in großen schwarzen Graffiti-Lettern an Hauswänden. Auf einem Bauzaun der Inselhauptstadt, deren verwinkelte Altstadtgassen jedes Jahr von Millionen Urlaubern besucht werden, schockt die auf Spanisch geschriebene Hassparole „Touristen = Terroristen“. Und an einem historischen Torbogen liest man die von einem Unbekannten in Mallorquinisch aufgesprühte Warnung: „Der Tourismus zerstört die Stadt.“

Inzwischen ermittelt die Polizei, Putzkolonnen versuchen, die Schmähungen zu tilgen. Palmas Bürgermeister José Hila verurteilte die urlauberfeindlichen Sprüche und stellte klar: „Wir sind eine touristische Stadt und der Tourismus ist unsere wichtigste Industrie.“

Doch die Schmierereien signalisieren, dass offenbar nicht alle Inselbewohner den immer weiter wachsenden Massentourismus begrüßen. Die spanische Ferieninsel Mallorca rüstet sich gerade für den größten Ansturm von Urlaubern, welchen das Eiland je gesehen hat.

Kippt nun auch noch die soziale Stimmung auf Mallorca? In Mallorcas sozialen Netzwerken haben die fremdenfeindlichen Sprüche eine heftige Debatte darüber ausgelöst, wie viel Tourismus die Insel verträgt. „Tourismus ist Fluch und Segen zugleich“, heißt es im Facebook-Forum der „Mallorca Zeitung“. Ein Insulaner warnt: „Unterschwellig brodelt es auf der Insel.“ Und: „Die Respektlosigkeit mit der manche Touristen Land und Leuten entgegentreten ist ein verständlicher Grund für so manchen Unmut!“ Oder: „Touristen sichern Arbeitsplätze auf Mallorca. Aber ich verstehe die Mallorquiner. Zu viel ist zu viel.“

Bürgerinitiativen gehen schon länger auf die Barrikaden. Etwa die Vereinigung „Asociación de Vecinos del barrio de la Seu“, in der sich Palmas Altstadtbewohner organisieren. Sie warnen vor der „touristischen Überfüllung“ und dem „Tod“ ihres Viertels, durch das sich Besucherkarawanen schieben, um die Kathedrale oder den Königspalast zu bewundern. Die Anwohner, die das Gefühl haben, in einem „touristischen Themenpark“ zu leben, fühlen sich vom Rathaus im Stich gelassen.

Ähnlichen Ärger gibt es am zur Hauptstadt gehörenden Urlauberstrand Playa de Palma, an dem das „Ballermann“-Vergnügungsviertel liegt. Auch dort laufen Anwohner Sturm gegen den „Schmuddeltourismus“. Die Bürger beklagen, dass sie nicht schlafen können, wenn auf den Straßen nächtliche Sauforgien stattfinden. Oder, dass sie am nächsten Morgen Müllberge, Erbrochenes oder Fäkalien vor ihren Haustüren finden.

Ekelige Exzesse, gegen welche Palmas Bürgermeister José Hila mit noch mehr Polizeipräsenz und härteren Strafen vorgehen will. Doch beim Bürgerverein an der Playa de Palma ist man skeptisch, dass sich wirklich etwas verbessert: „Wir warten seit Jahren auf Lösungen.“

Die Angst vor dem Massentourismus, der Überfremdung oder vor dem Immobilien-Ausverkauf auf der Insel ist übrigens gar nicht so neu: Bereits vor zehn Jahren, auf dem Höhepunkt der Spekulations- und Baublase in Spanien, zogen zehntausende Menschen durch Palma und riefen: „Schluss mit der Zerstörung“ und „Rettet Mallorca“. Geholfen hat es offenbar nicht viel - denn die Protestparolen, die jetzt wieder über die Insel schallen, klingen ziemlich ähnlich.

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