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Gerhirnforschung : Schenken macht glücklich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sind Sie großzügig, spenden Sie und geben Bettlern Geld? Das sollten Sie! Forscher blicken uns ins Gehirn und erklären, warum

svz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Denken Sie jetzt nicht nach! Gehen Sie zu Ihrem Kleiderschrank, nehmen Sie alles heraus, das Sie seit mindestens einem Jahr nicht mehr getragen haben. Bringen Sie es zu einem Altkleidercontainer. Nehmen Sie etwas Geld mit. Falls Sie unterwegs einem Bettler oder Bedürftigen begegnen, geben Sie ihm das Geld. Besorgen Sie eine Kleinigkeit für Ihren Partner. Geben Sie viel Trinkgeld, wenn Sie essen gehen.

Sie fragen, warum Sie das alles machen sollten? Ganz einfach: Weil es Sie glücklich machen wird. Das hat ein internationales Forscherteam um So Young Park von der Universität Lübeck soeben wissenschaftlich bewiesen. Großzügige Handlungen wie Schenken oder Spenden lösen im Gehirn Glücksgefühle aus, lautet das Fazit ihrer Untersuchung. Mit Hilfe von Funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) konnten sie zeigen, welche neuronalen Verknüpfungen dabei eine Rolle spielen.

Das in Zürich durchgeführte Experiment, bei dem sich jeder selbst überprüfen kann: Die Forscher versprachen zunächst jedem von 50 Probanden, ihm in den kommenden vier Wochen jeweils 25 Schweizer Franken (etwa 24 Euro) zu schicken. Die eine Hälfte der Probanden musste versprechen, das Geld für andere Menschen auszugeben, indem sie zum Beispiel einem Freund ein Geschenk machen. Die andere Hälfte musste hingegen versprechen, das Geld ausschließlich für sich selbst auszugeben. Das habe ausgereicht, um die Gehirne der Probanden in gewisser Weise auf großzügig oder eben weniger großzügig zu polen, sagt Park.

Geben ist seliger denn nehmen? Etwa fünf Milliarden Euro spenden die Deutschen im Jahr für humanitäre und gemeinnützige Zwecke, für die Opfer von Naturkatastrophen, für arme Kinder und Flüchtlinge in aller Welt. Eine gewaltige Summe. Aber der Obdachlose in der eigenen Stadt erscheint den meisten eher suspekt. Jeder zweite spricht sich für ein Bettelverbot aus. Immerhin jeder Dritte steckt Obdachlosen etwa in Fußgängerzonen hin und wieder etwas Geld zu. Zwei Drittel lehnen Almosen aber grundsätzlich ab. Eine Fehlentscheidung, wenn man den Forschern glaubt.

Was haben die Probanden im Experiment mit dem Geld gemacht? Sie haben es nie gesehen, denn direkt im Anschluss an ihr Versprechen wurden sie gebeten, an einer weiteren Untersuchung teilzunehmen. Sie sollten Entscheidungen fällen, bei denen Großzügigkeit wiederum eine Rolle spielte. Die Forscher beobachteten dabei ihre Hirnaktivität. Dabei stellten sie fest, dass Menschen aus der Gruppe der zuvor auf großzügig gepolten Probanden auch in diesem Experiment großzügigere Entscheidungen trafen. Nach der Aufgabe gaben sie zudem an, glücklicher zu sein als die Kontrollgruppe. „Wir konnten somit bestätigen, dass es einen Zusammenhang zwischen generösem Verhalten und Glücksgefühlen gibt. Darüber hinaus konnten wir aber auch zeigen, wie unser Gehirn diese Verknüpfung herstellt“, so die Forscher. In Fachchinesisch: Im „temporo-parietalen“ Übergang ließ sich eine erhöhte Aktivität feststellen, auch die Verbindung mit dem „ventralen Striatum“ veränderte sich – zuständig für das wohlige Glücksgefühl.

Ob eine Essenseinladung an einen Freund, ein Geschenk für den Partner oder eine Spende an einen Bettler – die Studie legt den Schluss nahe, dass das Gehirn Großzügigkeit mit Glücksgefühlen verknüpft. Das könnte nach Auffassung der Autoren weitreichende Folgen für die Gesellschaft haben. Die Erkenntnisse könnten genutzt werden, um persönliche Glücksgefühle zu fördern. Also: Sind Sie schon unterwegs? Mit einem Sack voller Kleidung und etwas Geld in der Tasche?

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