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Deutsche Goldreserven : Schatz im eigenen Tresor

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Aus der Onlineredaktion

Hunderte Barren der deutschen Goldreserven hat die Bundesbank seit 2013 nach Hause gebracht

svz.de von
erstellt am 23.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Hier ist wirklich alles Gold, was glänzt: Vor laufenden Kameras präsentiert die Bundesbank in ihrer Zentrale Barren zum Anfassen – etwa so groß wie eine Milchtüte, aber mit rund 12,5 Kilogramm so schwer, dass man sie nur mit Mühe in die Höhe bekommt.

Wichtigste Botschaft der Zentralbank: Die deutschen Goldreserven sind echt und sie sind tatsächlich vorhanden. „Wir haben jeden Barren auf Echtheit und Gewicht geprüft. Es gab keine Beanstandungen“, sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Rund drei Jahre früher als geplant hat die Notenbank ihr Ziel erreicht und verwahrt nun gut die Hälfte der 3378 Tonnen in eigenen Tresoren auf ihrem Gelände in Frankfurt.

Jahrelang rankten sich Verschwörungstheorien um den mit rund 270 000 Barren zweitgrößten Goldschatz der Welt, der aus historischen Gründen zum größten Teil im Ausland lagerte. „Wo ist das Gold der Deutschen?“ – mit seiner provokanten Frage in der „Süddeutschen Zeitung“ traf CSU-Urgestein Peter Gauweiler im Mai 2012 einen Nerv.

Ist der Milliardenschatz im Ausland sicher? Ist das Gold überhaupt vorhanden? Noch nie – so monierte der Bundesrechnungshof im Herbst 2012 – habe die Bundesbank die deutschen Goldreserven jenseits der Landesgrenzen „körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht“ geprüft. „Holt unser Gold heim!“, forderte eine Initiative.

Seit 2013 brachte die Bundesbank Jahr für Jahr Hunderte Barren auf streng geheimen Wegen über den Atlantik und den Rhein nach Deutschland – aus den Tresoren der US-Notenbank Fed in New York und der Banque de France in Paris.

Dass das Gold, welches dem deutschen Staat gehört und von der Bundesbank verwaltet wird, über Jahrzehnte fast komplett im Ausland aufbewahrt wurde, hat eine Vorgeschichte: Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf. In den Wirtschaftswunderjahren nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der deutsche Goldschatz rasant. Der florierende Export brachte der Bundesrepublik viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht wurden.

Während des Kalten Krieges war es gewollt, deutsches Gold „westlich des Rheins“ und weit außerhalb der Landesgrenzen zu verwahren – als möglichen Puffer für Währungskrisen. Nach der Deutschen Einheit habe sich die „geopolitische Situation“ weiter normalisiert, Deutschlands Lage sei „viel sicherer“ geworden, begründete Thiele die Verlagerung des Edelmetalls.

Und die Bundesbank setzt auf Transparenz: Auf 2400 Seiten listet sie seit Ende 2015 öffentlich einsehbar jeden einzelnen Barren auf. Um letzte Zweifler zu überzeugen, präsentiert die Bundesbank immer mal wieder Gold zum Anfassen. In ihrem Geldmuseum in Frankfurt ist ein Goldbarren eine der Hauptattraktionen.

Ein Teil des Schatzes bleibt aber weiter in New York und London. Im Fall einer extremen Krise, wenn etwa niemand mehr bereit wäre, Euro zu akzeptieren, könnte dort Gold gegen Dollar getauscht werden.

London ist der größte Handelsplatz für das Edelmetall, der US-Dollar die wichtigste internationale Reservewährung.

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