Viagra für Frauen : Rosa Revolution?

Fehlende Lust  zerstört viele Beziehungen.
Fehlende Lust zerstört viele Beziehungen.

Viagra hat die Welt verändert - und Pharmafirmen bei Männern einen Milliardenmarkt erschlossen. Jetzt kommt„Pink Viagra“ für Frauen auf den Markt. Aber was kann die Pille?

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19. August 2015, 21:00 Uhr

Es ist die vielleicht politischste Pille seit der Anti-Baby-Pille: In den USA kommt Flibanserin auf den Markt, besser bekannt als „Viagara für Frauen“. Doch die rosa Pille – in Deutschland erdacht, in den USA marktreif gemacht – sorgt für Streit. Ein Kritikpunkt: Flibanserin, das als Addyi auf den Markt kommen wird, sei politisch durchgedrückt und helfe nur einem Bruchteil der Betroffenen. Das allerdings könnten Millionen sein.

Die „Pink Viagra“ könnte vielleicht tatsächlich das Leben unzähliger Frauen und ihrer Männer verändern, aber es ist eben doch kein Viagra. Die blaue Pille, die vor zwei Jahrzehnten die Gesellschaft veränderte, wirkt direkt auf den Körper: Sie hilft Männern, eine Erektion zu bekommen. Es geht rein um das Können, nicht das Wollen, weil fehlendes Lustgefühl bei Männern nicht gerade als Problem gilt.

Das ist bei vielen Frauen anders. Sie haben selten oder gar keine Lust auf Sex und wenn es dazu kommt, empfinden sie keinen Spaß. Das belastet nicht nur die Frauen selbst, sondern womöglich die ganze Beziehung.

Nun gibt es eine Pille. Sprout Pharmaceuticals, ein extra für Flibanserin gegründetes Unternehmen aus North Carolina, hatte von der deutschen Boehringer Ingelheim das Patent übernommen, nachdem die Rheinland-Pfälzer an der US-Arzneibehörde FDA gescheitert waren. Ursprünglich sollte das Präparat gegen Depressionen helfen, die luststeigernde – aber geringe – Wirkung fiel nebenbei auf. Das Unternehmen geht von etwa zehn Prozent aller von mangelnder Lust betroffenen Frauen aus, denen geholfen werden könnte – weltweit vielleicht Millionen.

Nach der Kampagne „Even the Score“ (Schafft den Ausgleich!), die Sprout lancierte hat die FDA Flibanserin zugelassen. Sprout kündigte an, das Mittel am 17. Oktober auf den Markt zu bringen. Preis: noch unbekannt.

Es gab zwar Fragen zur Sicherheit – wegen Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit, worüber jede zehnte Testerin klagte. Zweifel gibt es aber vor allem an der Effizienz. „Die Wirkung ist gering. Wer will guten Gewissens sagen, dass diese Pille verlässlich funktioniert?“, sagte der Sexualwissenschaftler Jakob Pastötter. „Viele Frauen werden sie mit großen Erwartungen nehmen und dann merken: Da passiert ja gar nichts.“ So könnte Addyi doch wieder ein bisschen sein wie damals Viagra: Die meisten Probleme können nicht mit einer Pille gelöst werden.

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