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Fragen & Antworten : Rente mit Rekord-Anstieg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gute Nachrichten für Rentner und schlechte für die Beitragszahler? – Hintergründe zur Lage der gesetzlichen Rentenversicherung

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Deutschlands Rentner können sich freuen: Für kommendes Jahr zeichnet sich die stärkste Erhöhung der Altersbezüge seit Langem ab. Dank guter Konjunktur und Milliarden-Rücklagen ist das finanzierbar. Doch die Rentenversicherung wird auch im nächsten Jahr wieder rote Zahlen schreiben, was die Reserven schwinden lässt. Schon wird über höhere Beiträge nachgedacht und das Problem drohender Altersarmut muss auch noch gelöst werden. In Würzburg hat die Deutsche Rentenversicherung nun ihre Pläne und Prognosen vorgestellt.

Hintergründe zur Lage der gesetzlichen Rentenversicherung von Rasmus Buchsteiner:

Wie hoch wird die Rentenerhöhung 2016 ausfallen?
Offiziell wird von der größten Rentenerhöhung seit der Jahrtausendwende ausgegangen. „Sie dürfte in der Größenordnung von vier bis fünf Prozent liegen“, erklärte Alexander Gunkel, Vorstandschef der Deutschen Rentenversicherung (DRV), gestern in Würzburg. Laut DRV-Haushaltsplan für
2016 werden die Renten Anfang Juli um 4,35 Prozent (West) beziehungsweise
5,03 Prozent (Ost) steigen. Ein Rentner in den alten Bundesländern mit einer Brutto-Standardrente von 1314 Euro nach 45 Beitragsjahren würde damit monatlich etwa 57 Euro mehr erhalten. Für einen Rentner im Osten wären es nach 45 Beitragsjahren knapp 55 Euro im Monat mehr.

Weshalb steigen die Renten so stark?

Rentenerhöhungen hängen insbesondere von der Lohnentwicklung im Vorjahr ab.
In die Berechnung gehen aber auch das zahlenmäßige Verhältnis von Rentnern und Beitragszahlern sowie die Entwicklung des Beitragssatzes ein. Besonders stark steigernd wirken sich eine statistische Veränderung bei der Lohnberechnung sowie die zu Jahresbeginn erfolgte Absenkung des Rentenbeitragssatzes von 18,9 auf 18,7 Prozent aus.

Wie lange reichen die Renten-Rücklagen noch?
Noch ist die „eiserne Reserve“ groß. Ende September verfügte die Rentenkasse über eine Rücklage von 30,77 Milliarden Euro, was 1,6 Monatsausgaben entspricht. 2016 wird die Rentenversicherung allerdings wie schon im laufenden Jahr rote Zahlen schreiben. Das Defizit im kommenden Jahr dürfte
2,9 Milliarden Euro betragen. Entsprechend schwinden die Rücklagen – eine Entwicklung, die sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen dürfte. Bis 2021 wird sich das Polster unter anderem wegen der Mehrausgaben für das schwarz-rote Rentenpaket (Mütterrente, Rente mit 63 u.a.) bis auf 0,2 Monatsausgaben verringern, so der Renten-Vorstandschef Gunkel gestern.

Sind Beitragssenkungen möglich?
Normalerweise werden die Beiträge gesenkt, wenn die Rücklage mehr als 1,5 Monatsausgaben beträgt. Doch die Große Koalition dürfte nach jetzigem Stand auch im kommenden Jahr am Beitragssatz von 18,7 Prozent festhalten. Nach Einschätzung der Rentenversicherung müsste der Beitrag spätestens 2021 steigen – auf dann 19,3 Prozent.

Wie wird sich das Rentenniveau entwickeln?
Für den fiktiven „Eckrentner“ – der 45 Jahre eingezahlt hat und einen Durchschnittsverdienst vorweisen konnte – beträgt das Rentenniveau aktuell 47,5 des Arbeitnehmerlohns nach Abzug der Sozialabgaben. Das Rentenniveau wird schrittweise absinken – auf 46 Prozent im Jahr 2020 und schließlich 43 Prozent im Jahr 2030. Die gesetzliche Rente sichert demnach nicht mehr den Lebensstandard. Angesichts der aktuellen Niedrigzinsen wird der Ruf nach Reformen bei der staatlich geförderten Riester-Rente immer lauter.

Wird Altersarmut zunehmend zum Problem?
Sozialverbände warnen davor, dass trotz steigender Renten die Gefahr von Altersarmut keineswegs gebannt ist. Verantwortlich dafür sei u. a. das weiter sinkende Rentenniveau.

Nach Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums müssen Durchschnittsverdiener – 2900 Euro brutto im Monat – rund 30 Jahre für einen Rentenanspruch auf Hartz-IV-Niveau arbeiten. Ulrike Mascher, Chefin des Sozialverbandes VdK, fordert eine Anhebung des Rentenniveaus auf 50 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns: „Sonst ist auch für einen Durchschnittsverdiener die Einschränkung der Lebensqualität im Alter zu hoch.“

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