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Die heiligen Drei Könige : Rätselhaftes Trio aus dem Morgenland

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sind sie nun Könige oder Weise, Magier oder Sterndeuter? Was hat es mit den Heiligen Drei Königen auf sich?

svz.de von
erstellt am 24.Dez.2015 | 15:00 Uhr

Wer zur Adventszeit eine zünftige Weihnachtskrippe aufbaut, braucht außer dem schlichten Stall ungefähr Folgendes: eine mit Stroh gepolsterte Futterkrippe samt Jesuskind in Windeln, die betende Maria, den treuen Josef, mindestens zwei Schafe, gerne auch einen wiederkäuenden Ochsen, unbedingt Marias Esel, am besten auch zwei Hirten und über allem schwebend natürlich den Stern von Bethlehem.

Doch halt, es fehlt zum Idyll noch ein unverzichtbares Trio: jene Heiligen Drei Könige nämlich, die dem wegweisenden Himmelsphänomen ja zur Krippe gefolgt sind mit ihren zum Teil etwas sonderbaren Geschenken Weihrauch, Gold und Myrrhe.

Die Frage, wer die drei Könige denn eigentlich sind und wofür sie stehen, stellt sich nicht nur beim Aufbauen der Krippe, sondern noch einmal am Dreikönigstag, dem 6. Januar. Dann nämlich ziehen die drei Sternsinger Caspar, Melchior und Balthasar – zumindest in katholischen Gegenden – von Haus zu Haus und singen gegen eine kleine Spende ein Lied oder sagen ein Gedicht auf. Womit noch nichts über die merkwürdige Geschichte und den Mythos der Heiligen Drei Könige gesagt ist.

Deren Geschichte könne man „entweder als historische Tatsache auffassen, die über die Bibel transportiert wird; oder man versteht sie als Ergänzung des biblischen Berichts, der bildhaft-symbolisch etwas ausdrücken soll, aber real so nicht stattgefunden hat“, sagt der Theologe Manfred Becker-Huberti, von 1990 bis 2006 Sprecher des Kölner Erzbistums und des Erzbischofs. Die meisten Theologen heute verstünden die Geschichte symbolisch.

Die Bibel selbst enthält weder Hinweise auf Könige an der Krippe des Jesuskindes, noch legt sie deren Zahl fest. Das Buch der Bücher berichte, so Becker-Huberti, nur von Magiern, die aus dem Osten kamen. „Alles andere kam deutlich später hinzu, auch die Namen Caspar, Melchior und Balthasar oder die Vorstellung, es handele sich bei ihnen um Könige aus dem Morgenland.“

Warum aber besuchen Magier den kleinen Jesus? „Magier sind Sternenkundige“, sagt Becker-Huberti. „Und diese wiederum galten damals als Heiden – mithin als Menschen, die ohne die göttliche Offenbarung leben müssen und sich Gott nur über die Astrologie nähern können.“ Dass Heiden, also Nichtjuden, den neugeborenen Heiland suchen und in Bethlehem finden, ist aus Sicht der Christenheit entscheidend: Denn in Gestalt der nichtjüdischen Magier standen in gewissem Sinne auch die ersten Christen an der Krippe Jesu Christi – denn auch sie waren aus Sicht der Juden schließlich Heiden. Und darin liegt ein Hinweis auf die weltumspannende und völkerübergreifende Strahlkraft des Messias.

„Dass es genau drei Magier gewesen sein sollen, kam erst später auf“, merkt der Theologe an. Das geschah vor allem, weil in der Bibel nur von drei überbrachten Geschenken die Rede ist, sodass weitere Sterndeuter unhöflicherweise ohne Geschenk erschienen wären. Allerdings gebe es auch Abbildungen aus späteren Jahrhunderten, auf denen vier oder mehr Magier zu sehen gewesen seien.

Die Dreizahl jedoch hat bis heute eine enorme symbolische Bedeutung. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten bezifferte sie die drei damals bekannten Kontinente, also Afrika, Asien und Europa. Deshalb reiten die drei Magier auch auf dazu passenden Reittieren, nämlich Elefant, Kamel und Pferd. Außerdem steht die Drei für die drei typischen Altersphasen eines Menschen: Der wie ein europäischer König gekleidete Melchior ist ein Greis, der Orientale Balthasar ein Mann in den besten Jahren und der oft dunkelhäutig dargestellte Afrikaner Caspar ein Jüngling.

Es kommen also nicht nur Juden (nämlich die Hirten) und Heiden (die Magier) zum Christuskind, sondern auch Menschen aller seinerzeit bekannten Kontinente und jeglichen Alters. Und indem die Magier zu Königen geadelt werden, beten außer machtlosen Viehhütern auch mächtige Herrscher das göttliche Kindlein an.

Und diese drei Könige bringen nun als Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe – Becker-Huberti zufolge ebenfalls eine sehr symbolische Auswahl: „Denn Gold steht für das Kostbarste auf Erden und damit für den Herrscher der Welt, Weihrauch steht für Gott, da Weihrauch in den Himmel aufsteigt wie die Gebete.“ Und Myrrhe schließlich sei der Hinweis darauf, dass der damit Beschenkte sterben muss, denn das stark duftende Harz aus dem Rindensaft eines Balsambaum-Gewächses wurde damals eingesetzt zum Einbalsamieren eines Leichnams. Zudem betäubt Myrrhe den Schmerz, und Jesus wird auf dem Weg zu seiner Kreuzigung mit Myrrhe versetzter Wein angeboten, um seine Schmerzen zu lindern.

Bleibt noch der mysteriöse, sogenannte Stern: Die drei Magier aus dem Morgenland sehen den Stern im Westen stehen und deuten ihn als das Ereignis einer Königsgeburt, die in Jerusalem stattfindet, und folglich ziehen sie dorthin, um einem ganz besonderen König zu huldigen. „In Jerusalem treffen sie den Stern dann wieder, nachdem sie mit König Herodes gesprochen haben, und erst von da an – nicht früher – zieht der Stern vor ihnen her bis nach Bethlehem, wo er über der Krippe stehenbleibt“, sagt Becker-Huberti.

Dass Jesus in einem zugigen Stall statt in einem Palast geboren wird, sei ebenfalls ein religiöses Symbol: „Die drei Magier müssen in Bethlehem erkennen, dass es sich bei der Königsgeburt um keine in Glorie handelt, sondern dass Gott sich klein macht.“ Dazu passt auffallend gut die Botschaft der Bescheidenheit, die Papst Franziskus heute aussendet.

Falls der Stern von Bethlehem als Himmelsphänomen einen wahren historischen Kern besitzt, dann darf man sich ihn keinesfalls als Kometen vorstellen. Ein solcher Schweifstern lässt sich jedenfalls für die Zeit von Jesus’ Geburt irgendwann zwischen 7 und 4 vor Christus „nicht nachweisen“, urteilt der Theologe; das habe schon der Astronom Johannes Kepler (1571–1630) erkannt. Doch es ist wohl wie so oft: Das Mysterium des Sterns von Bethlehem lässt ihn an Weihnachten vermutlich umso heller strahlen.

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