Fernsehen : „Raabschied“ auf Raten

Moderator Stefan Raab zeigt in seiner Show „Schlag den Raab“ beim Skispringen, Bullriding, Elfmeter-Schießen und Eiswand-Klettern vollen Einsatz. Fotos: Jörg Carstensen
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Moderator Stefan Raab zeigt in seiner Show „Schlag den Raab“ beim Skispringen, Bullriding, Elfmeter-Schießen und Eiswand-Klettern vollen Einsatz.

Stefan Raab steht ab Montag noch knapp vier Monate vor der Kamera: ProSieben sucht nach Nachfolgern

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23. August 2015, 09:00 Uhr

Der 17. Juni war in Deutschland ein milder Frühsommerabend, als eine Nachricht wie ein Gewitter hereinplatzte: TV-Entertainer Stefan Raab zieht sich zum Jahresende zurück. Der Zeitpunkt war sorgfältig gewählt, denn kurz danach reiste der 48-Jährige in die Sommerfrische.

Am Montag nun kehrt Raab mit seiner Late-Night-Show „TV total“ auf den Bildschirm zurück – vorläufig zumindest, bis zum 19. Dezember, wenn sich der Meister verabschiedet.

Was dann mit den Sendeplätzen passiert, die wie eine offene Wunde im fest strukturierten ProSieben-Programm wirken dürften, ist immer noch offen. Denn eine Antwort auf Raabs kompletten Abgang hat ProSieben noch nicht gegeben.

Zwar sprach Geschäftsführer Wolfgang Link Anfang Juli von einem „tiefen Einschnitt nicht nur für ProSieben, sondern fürs ganze deutsche Fernsehen“, aber noch lässt sich der Sender keine Details zur weiteren Planung entlocken. Was nach dem „Raabschied“ im Jahr 2016 passieren wird, will der Sender 2016 bekannt geben.

Fest steht nur: „TV total“, eine stark personenbezogene Sendung mit dem Entertainer, wird es nicht mehr geben. Nach ProSieben-Angaben werde auch keine neue Late-Night-Show folgen. Gleiches dürfte aus guten Gründen für das Spektakel „Schlag den Raab“ gelten.

Ersatz in Sicht? ProSieben meldete drei Wochen nach Raabs Ankündigung die Vertragsverlängerung mit dem Gespann Joko Winterscheidt/Klaas Heufer-Umlauf. Neu ist mit den beiden zum Beispiel das Samstagabendspektakel „Die beste Show der Welt“ im Jahr 2016.

Als weitere Kandidaten für frei gewordene Samstagabende springen Ex-Topmodel Lena Gercke (27) und Palina Rojinski (30) ein. Gercke, die die zweite Staffel von Heidi Klums Wettbewerb „Germany’s Next Topmodel“ gewann und zum publikumswirksamen Glück von ProSieben auch durch ihre Beziehung zu Nationalspieler Sami Khedira im Gespräch blieb, soll mehrere Shows bekommen, zum Beispiel „Prankenstein“, heute Abend zum ersten Mal. Das Konzept: Gemeinsam mit ihrem dreiköpfigen Team, bestehend aus Antoine Monot jr., Daniel Wiemer und Jan Stremmel, spielt das Model mit versteckter Kamera ahnungslosen Opfern Streiche.

Auch Rojinski gilt als Hoffnungsträger, auch wenn der Auftakt zur „Got to Dance“-Staffel missriet. Aber haben beide das Format, Raab das Wasser zu reichen? Raab kann sich die Entwicklung gelassen ansehen. Er wird weiter ertragreich dem Showbusiness verbunden bleiben, denn über seine Beteiligung an der Produktionsfirma Brainpool verdient er an neuen Shows mit. Die Kölner Firma stellt nicht nur TV-Formate für den ProSiebenSat.1-Verbund, sondern auch für die Konkurrenz her: zum Beispiel die RTL-II-Castingshow „Popstars“ oder auch den deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC).

Am 19. Dezember ist mit Stefan Raab Schluss. Dann läuft die letzte Ausgabe von „Schlag den Raab“, die am 12. September erstmals nach der Sommerpause zu sehen ist. Die „TV total Stock Car Crash Challenge“ folgt am 10. Oktober sowie ein „TV total Turmspringen“ im November. Von der „TV total Wok-WM“ ist keine Rede mehr.

Wer immer noch fassungslos angesichts von Raabs Entscheidung den Kopf schüttelt, darf sich gerne noch einmal ein 20 Jahre altes Video anschauen, in dem der damals etwa 30-Jährige, bereits ein Star des Musikfernsehens, ziemlich überzeugend darlegt: „In meiner Anfangszeit bei Viva habe ich mal gesagt, dass ich nicht im Fernsehen alt werden möchte.“ Raab, inzwischen Vater zweier Töchter, meinte weiter: „Ich möchte nicht meinen Kindern erzählen: ,Guck mal, das im TV  ist der Papa, der macht da den lustigen Onkel, damit er Euch was zum anziehen kaufen kann‘.“

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