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Helgoland : „Purple Beach“: Frachter könnte explodieren

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Die Situation auf der Nordsee bleibt angespannt: Immer noch steigt Dampf von der „Purple Beach“ auf. Rettungsschiffe können sich nicht nähern. Es soll keine Gefahr für die Umwelt bestehen – noch nicht.

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2015 | 10:08 Uhr

Cuxhaven | Der westlich von Helgoland in Not geratene Frachter „Purple Beach“ könnte nach wie vor explodieren. Experten des Havariekommandos konnten das 192 Meter lange mit Düngemittel beladenen Schiff am Mittwochvormittag nicht betreten, weil sich Gase bildeten. Weiter unklar sind Ursache und Schwere des Schadens. Ein Messtrupp stellte Hitzeentwicklung in einem Laderaum fest. Über dem Schiff stand eine Rauchwolke. Der Wind trieb den Geruch des Düngemittels bis zu den ostfriesischen Inseln und zum Festland.

Die unter der Flagge der Marshallinseln fahrende „Purple Beach“ war am Montagabend etwa 30 Kilometer westlich von Helgoland auf Reede in Not geraten. Die Besatzung hatte den betroffenen Laderaum abgeriegelt und mit Kohlendioxid geflutet, um einen möglichen Brand zu löschen. Allerdings ist nicht klar, ob für die Rauch- und Hitzeentwicklung Feuer oder eine chemische Reaktion verantwortlich ist. Die 22-köpfige Crew und ein Brandbekämpfungsteam waren zu Untersuchungen in Krankenhäuser geflogen worden.

„Noch besteht keine Gefahr für die Umwelt“, sagte der Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven, Michael Friedrich, am Mittwochmorgen. Das würde sich allerdings ändern, sollte der Frachter explodieren oder anderweitig Dünger ins Meer geraten.

Neben Dünger soll das Schiff auch noch 1300 Tonnen Treibstoff an Bord haben. Das berichtet der NDR.

Der stark qualmende Frachter „Purple Beach“ am Dienstag in der Deutschen Bucht in der Nordsee.
Der stark qualmende Frachter „Purple Beach“ am Dienstag in der Deutschen Bucht in der Nordsee. Foto: Havariekommando/dpa Foto: Havariekommando/dpa

Zurzeit sind zwei Spezialschiffe damit beschäftigt, die Rauchwolke mit einem massiven Wassereinsatz einzudämmen. Das teilte das Havariekommando am Mittwochmittag mit. Demnach näherten sich die beiden Schiffe der „Purple Beach“ auf etwa 100 Meter an. Der Umfang der Rauchwolke konnte seither „sichtlich reduziert“ werden. Ziel sei es, die Schiffshaut zu kühlen, um Reaktionen des Düngemittels zu verhindern.

Zwei Seenotrettungskreuzer sind ebenfalls weiter am Ort der Havarie, hielten aber einen Sicherheitsabstand von fünf Kilometern zur „Purple Beach“ ein – unter ihnen auch das Mehrzweckschiff „Mellum“.

Durch die Rauchentwicklung auf dem Frachter kam es in mehreren Bereichen an der Nordseeküste zu Geruchsbelästigungen. Das Havariekommando warnte deshalb Anwohner in den Kreisen Wittmund, Friesland, Cuxhaven, Ammerland, Wesermarsch sowie in den Städten Wilhelmshaven und Bremerhaven, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe jedoch nicht, sagte Friedrich. „Wir haben die ganze Nacht weder in Cuxhaven oder in Bremerhaven, noch im Umkreis des Frachters eine Gefahrenstoffkonzentration festgestellt.“ Die Berufsfeuerwehr Wilhelmshaven gab nach Messungen der Luft am Mittwochvormittag Entwarnung. Es seien keine Gefahrstoffe festgestellt worden.

Die Messung der sogenannten Analytischen Task Force habe ergeben, dass die Situation auf dem havarierten Schiff keinen weiteren Personaleinsatz zulasse, erläuterte das Havariekommando am Dienstagabend. Chemische Reaktionen oder Explosionen seien nicht auszuschließen.

Brandbekämpfungsspezialisten wollten keine Luke öffnen, um nicht zu riskieren, dass Sauerstoff in den Laderaum gelangt und ein Feuer anfacht oder eine Explosion auslöst. Der Plan, den betroffenen Bereich zu fluten, ließ sich zunächst nicht umsetzen.

An der Außenhaut des Schiffs betrug die Temperatur zeitweise 45 Grad. „Man kann daraus aber nur wenige Schlüsse auf die Innentemperatur ziehen“, sagte Friedrich.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) schickte drei Seenotkreuzer. Ein Screenshot von „marinetraffic.com“ zeigt die Lage des Schiffes (weißer Kasten):

Der Screenshot zeigt, wo die „Purple Beach“ (weißer Kasten) sich augenblicklich befindet.
Der Screenshot zeigt, wo die „Purple Beach“ (weißer Kasten) sich augenblicklich befindet. Foto: Screenshot/marinetraffic.com
 
Das Havariekommando in Cuxhaven ist gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer. Es unterhält ein maritimes Lagezentrum, das rund um die Uhr besetzt ist. Bei schweren Schadenslagen auf See wird ein Havariestab gebildet, dessen Leiter die Einsatzkräfte von Bund und Ländern koordiniert. Bei kleineren Unfällen sind die lokalen Behörden zuständig. Das Havariekommando probt auch immer wieder den Ernstfall. Es unterstützt mit Radar- und Luftüberwachung, Lotseneinsatz sowie Notschleppern. Für den Fall einer Ölpest stehen Spezialschiffe bereit.

 

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