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DAK-Report : Pflegen bis zur Erschöpfung?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hintergründe zum DAK-Report über die Betreuung von Demenzkranken

Demenz ist nicht nur für die Betroffenen eine Last, auch die Angehörigen fühlen sich oft überlastet durch die aufzehrende Betreuung, wie aus dem gestern in Berlin präsentierten DAK-Pflegereport hervorgeht. Hintergründe von Tobias Schmidt:

Wie verbreitet ist Demenz?

Vor sechs Jahren waren in Deutschland 1,2 Millionen Demenzkranke gezählt worden, inzwischen sind es rund 1,6 Millionen. Bis 2050 erwarten Experten eine Verdoppelung dieser Zahl, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt. Heilbar ist die Krankheit bislang nicht, allerdings gibt es Medikamente, die den Verlauf zu Beginn bremsen können. Das Risiko steigt mit dem Alter.

Lässt sich Demenz verhindern?

Es gibt kein Wundermittel gegen Alzheimer. Aber geistige, körperliche und soziale Aktivität, viel Obst und Gemüse, wenig Fett und Cholesterin sowie die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes verringern das Risiko.

Was bedeutet die Erkrankung für die Angehörigen?

Knapp jeder vierte Deutsche hat schon Alzheimer-Patienten aus der eigenen Familie betreut. Wer sich intensiv um demente Angehörige kümmert, ist oft am Ende seiner Kräfte: 59 Prozent gaben dies bei der Befragung durch die DAK an. Selbst im weiteren Umfeld der Kranken sagte jeder Dritte, er sei oft erschöpft.

Was wünschen sich die Betreuenden?

Neun von zehn pflegenden Angehörigen fordern mehr Unterstützung zur Bewältigung ihrer schwierigen Aufgabe. Ganz oben steht der Wunsch nach mehr finanzieller Hilfe (86 Prozent). 66 Prozent hätten gerne mehr Unterstützung durch professionelle Dienste. 60 Prozent erwarten für sich und ihre dementen Familienmitglieder mehr Selbsthilfe- oder Informationsangebote. Den Wunsch, sich von privaten Pflegekräften unterstützen zu lassen, äußerte jeder dritte pflegende Angehörige. Die Frage nach der optimalen Betreuung für Alzheimer-Patienten offenbarte, dass jeder Fünfte Wohngruppen für die beste Betreuungsform hält. „Leider deckt sich die Realität nicht mit diesen Wünschen“, sagte Pflegeexperte und Studien-Co-Autor Thomas Klie. Nur zwei Prozent der Betroffenen leben nach seinen Angaben in ambulant betreuten WGs, denn diese seien nur in wenigen Regionen verfügbar. DAK-Chef Storm forderte daher, Krankenhäuser, die nicht mehr benötigt werden, in „Pflegekompetenzzentren“ umzuwandeln. Vor allem im ländlichen Bereich könnte die Pflege so gestärkt werden.

Wird Alzheimer rechtzeitig erkannt und richtig behandelt?

Hier offenbart der DAK-Report Defizite. Demnach werden fast zwei Drittel der Erstdiagnosen von Demenz nicht anhand adäquater Leitlinien gestellt, sind also ungenau oder falsch. Drei von vier Demenzkranken müssen im Jahr nach der Erstdiagnose im Krankenhaus behandelt werden und leiden überdurchschnittlich häufig an Austrocknung, Oberschenkelbruch und Delirium. Von „besorgniserregenden Zahlen“ sprach Experte Klie, die darauf hinwiesen, dass die Behandlung demenziell Erkrankter „nicht optimal“ sei.
 

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