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Ein ungewöhnlicher Pastor : „Pastor to go“

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Aus der Onlineredaktion

Seelsorger kommt auch zum Autowaschen. Für den Glauben will Steffen Paar „raus aus der Komfortzone“

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Pastor Steffen Paars Arbeits- und Dienstkleidung ist nicht nur der Talar. Der 36-jährige evangelische Theologe bindet sich auch die Küchenschürze um oder schlüpft in den Blaumann, wenn er Menschen in seiner Kirchengemeinde in Sülfeld (Schleswig-Holstein) und Umgebung besucht. „Pastor to go – Leih Dir den Pastor“ heißt die Aktion. Dabei können sich die Leute den Pastor bis zu 90 Minuten ausleihen. Er kommt dahin, wo er gebraucht wird, mäht beispielsweise den Rasen oder geht einkaufen.

Dabei gibt es aber eine Bedingung: „Ich komme nur, wenn es während oder nach getaner Arbeit ein Gespräch über Gott und die Welt gibt“, sagt Paar. Seit März 2015 ist er Gemeindepastor in Sülfeld. Er weiß, dass er nicht alle 2100 evangelischen Gemeindemitglieder persönlich kennenlernen kann. Und dass er nur einen eher kleinen Prozentsatz von ihnen im Sonntagsgottesdienst oder im Gemeindehaus antrifft, ist nicht nur für ihn, sondern für viele Kirchengemeinden Realität. Hinnehmen will Pastor Paar das aber nicht.

Wenn die Menschen nicht in die Kirche kommen, dann kommt der Pastor eben zu ihnen. „Ich muss raus aus der Komfortzone.“ So entstand seine Idee für den „Pastor to go“. Im Gemeindebrief veröffentlichte er sein Projekt. Ein weiterer Anlass ist das Reformationsjubiläum 2017. Auf das Volk zuzugehen sei ja auch Martin Luthers Devise gewesen, sagt Paar. Das Interesse bei den Menschen müsse geweckt werden. Bedingung: „Die Interessenten müssen sich melden.“ Da es sich um Seelsorge handelt, bleiben die Menschen anonym, ihr Name wird nicht veröffentlicht.

Ein älterer Mann aus dem benachbarten Borstel sprach das offenbar an. Er berichtete, dass er den Pastor eingeladen hatte, „weil ich ihn noch nicht kannte, und ich selber nicht mehr in die Kirche gehen kann“. Beide kochten zusammen das Mittagessen und setzten sich dann an den gedeckten Tisch. „Er hat mich kennengelernt und wie ich die Kirche und Gott sehe. Und das Essen hat vorzüglich geschmeckt – auch Männer können also kochen“, sagt er. Paar weiß, dass es Alterseinsamkeit auch in seiner Gemeinde gibt: „Hier wurde sie für mich sichtbar.“

Lebhaft ging es bei einer Tagesmutter zu. Die Kinder lauschten den Keyboard-Klängen des Pastor und seinen Geschichten. Ein Kind sagte danach: „Der Pastor soll morgen wiederkommen.“ Das wünscht sich wohl auch eine 45-jährige Frau aus Sülfeld, obwohl es zunächst „komisch war, mit dem Pastor das Auto zu waschen“. Sie berichtete: „Ich bin nicht in der Kirche und fand den Aufruf provozierend genug, darauf einzugehen.“ Bereut hat sie es nicht. „Mir tat es gut, über meinen Glauben reden zu können. Ob ich wieder in die Kirche eintrete, weiß ich noch nicht.“

Insgesamt sechs Besuche waren es im Dezember, drei im Januar. Paar weiß, dass er mit seinem Angebot einen eher kleinen Teil der Menschen in seiner Umgebung erreicht und auch besuchen kann. Entmutigen werde ihn das aber nicht, sagt er.

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