Hamburg : Osterfeuer erhitzt weiter die Gemüter

Feuerwehrleute löschen  beim Osterfeuer am Strand von Blankenese eines der vier Feuer wegen Funkenflugs.
Feuerwehrleute löschen beim Osterfeuer am Strand von Blankenese eines der vier Feuer wegen Funkenflugs.

Feuerwehr prüft, wer Löscheinsätze beim Osterfeuer in Hamburg-Blankenese bezahlt

svz.de von
19. April 2017, 08:00 Uhr

Alles sollte besser werden, vor allem klarer und sicherer beim Osterfeuer in Hamburger Stadtteil Blankenese. Doch nach der 2017er-Ausgabe des Volksfestes ist der Ärger größer denn je. Die Feuerwehr, die am Ostersonntag sechsmal anrücken musste, um Glutnester zu ersticken, erhebt schwere Vorwürfe gegen Blankeneser Bürger wegen fehlender Brandwachen. Möglicherweise, so ein Feuerwehrsprecher, müssen die Organisatoren der privaten Veranstaltung die Kosten der Löscheinsätze tragen.

Der vom Bezirksamt Altona vorab angekündigte strikte Umgang mit dem jahrhundertealten Osterbrauch hatte sich schon am Sonnabend in Rauch aufgelöst. Der Ansage der Behörde, das Fest mit mehr als zehntausend Besuchern werde bei gefährlichen Winden untersagt, folgte ein beispielloses Rumgeeier. Am Sonnabend gegen 9 Uhr verkündete das Bezirksamt zunächst die Absage. Es folgten energische Proteste von Menschen, die sich ihren Osterspaß nicht nehmen lassen wollten und die in den Tagen zuvor vier große Holzstapel am Elbufer aufgeschichtet hatten.

Die Emotionen kochten hoch, Bürger wetterten deftig gegen das Amt, in sozialen Netzwerken hieß es unter anderem: „Hamburger Beamte killen 600 Jahre Tradition.“ Aktivisten hinderten Transporter daran, das Holz abzufahren. Bei einer Demonstration zeigten Osterfeuer-Anhänger drastische Plakatsprüche wie „Ihr tötet Ostern“, „Das Bezirksamt bringt Kinder zum Weinen“ und „Kinderträume zerstört“.

Tatsächlich knickten die Bezirksverantwortlichen ein. Zunächst verschoben sie die Entscheidung auf 20 Uhr. Dann gaben sie die Feuer doch noch frei – obwohl die Feuerwehr ausdrücklich davon abriet.

Im Laufe des Abends blieb die Lage ruhig. Allerdings löschte die Feuerwehr frühzeitig einen der vier Stapel wegen Funkenflugs. Ein Reetdachhaus in der Nähe wurde vorsorglich mit Wasser besprüht.

Für Unmut bei den Brandschützern sorgte auch der Folgetag. Sechsmal, so berichtete ein Sprecher, mussten sie am Sonntag ausrücken, um schwelende Aschereste zu löschen. Entgegen der Absprachen seien keine Anwohner für Brandkontrollgänge erreichbar gewesen. Anwohner-Sprecher Alexander Drechsel weist das zurück. Er wirft den Behörden vor, eine Telefonliste mit Ansprechpartnern nicht weitergegeben zu haben. Das Bezirksamt will sich erst heute nach einer internen Aufarbeitung zu den Ereignissen äußern. Inoffiziell hieß es, die Duldung der Feuer habe der Deeskalation gedient.

Scharfe Kritik am Verhalten der Blankeneser Bürger übt auch die Hamburger Gewerkschaft der Polizei.
 

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