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Prüfbericht : Organspenden transparenter?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Skandal wurde Prüfkommission eingesetzt – Gestern erster Bericht vorgelegt / Verstöße in einigen Fällen

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Eine von der Bundesärztekammer, der Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband des Gesetzlichen Krankenversicherung eingesetzte Prüfkommission hat nach den vor zwei Jahren bekannt gewordenen Organspendeskandalen die Transplantationen aus den Jahren
2010 bis 2012 untersucht, und gestern dazu einen Zwischenbericht vorgelegt.

„In den weitaus überwiegenden Fällen gab es keine Fehlallokationen (Zuordnung von beschränkten Ressourcen zu potentiellen Verwendern - d.Red.)“, sagte die Vorsitzende der Prüfkommission, Anne-Gret Rinder, in Berlin. In einigen Fällen sei es aber zu Verstößen gekommen. Beginnen die Reformen bei der Organspende zu greifen? Gibt es wieder eine größere Bereitschaft zur Organspende? Hintergründe zur Debatte um die Transplantationsmedizin von Antje Schroeder.

Welche Ergebnisse liefern die Prüfer?

Die Experten gaben im wesentlichen Entwarnung. Bei Nierentransplantationen seien einige Dokumentationsfehler, aber keine Anhaltspunkte für systematische Manipulationen festgestellt worden. Auch bei der Transplantation von Bauchspeicheldrüsen und Herzen gab es keine Auffälligkeiten – mit Ausnahme der Vorgänge beim Deutschen Herzzentrum Berlin. „Es gab 14 Verstöße, die den Schluss auf ein systematisches Vorgehen nahelegen“, sagte Rinder. So seien in Berlin in sechs Fällen vor einem Antrag auf besondere Dringlichkeit hochdosierte Medikamente verabreicht worden, ohne dass es dafür eine medizinische Indikation gegeben habe. Es besteht der Verdacht, dass die Patienten dadurch in der Warteliste nach vorne rutschen sollten. Gegen das Deutsche Herzzentrum ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Totschlags. Die Experten werten die Ergebnisse als Beleg dafür, dass die Regelverschärfungen für mehr Transparenz in der Transplantationsmedizin greifen.

Wie arbeitet die Kommission?

Die Kommission war nach den im Juli 2012 bekannt gewordenen Organspendeskandalen an der Göttinger Universitätsklinik eingesetzt worden, um systematisch zu überprüfen, ob es jenseits der bekannt gewordenen Fälle weitere Verstöße gab. Anders als zuvor dürfen die Experten auch unabhängig von einem konkreten Verdacht die Vorgänge in den Transplantationszentren und Entnahmekrankenhäusern unter die Lupe nehmen. Die 15 ehrenamtlichen Prüfer haben für den Bericht 1090 Krankenakten in 33 Transplantationszentren für den Zeitraum 2010 bis 2012 geprüft. Insgesamt wurden in dem Zeitraum 7596 Organe verpflanzt.

Was fordern Patientenschützer?

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert, dass die Prüfung der Transplantationen in staatliche Hände gehört. Insgesamt seien die Vergaben von Organen immer noch „nichts anderes als undurchsichtige Gnadenakte“.

Steigt die Bereitschaft zur Spende wieder?

Nein. Die Bereitschaft zur Organspende geht weiterhin dramatisch zurück. 2013 spendeten laut der Stiftung Organtransplantation nur noch 876 Menschen ihre Organe. Ihnen stehen 11 000 schwerkranke gegenüber, die dringend auf ein Spenderorgan warten.

 

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