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Wham! : Ohrwurm für die Ewigkeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

30 Jahre „Last Christmas“. Die einen drehen das Radio lauter, die anderen schalten ab – vergeblich, es gibt kein Entkommen.

Es soll Jahresendmuffel geben, die „Dinner for One“ nicht mehr ertragen können. Ganz zu schweigen vom Ohrwurm „Last Christmas“. Gegen den Silvester-TV-Sketch könnte eine Flucht ins fernere Ausland helfen. Aber George Michaels Synthesizer-Popsong über eine enttäuschte Liebe kann man in der Adventszeit nur schwer entkommen. In etlichen Ländern der Welt ist der Hit der Band Wham! ein Weihnachtsdauerbrenner. Selbst weit oben in den tief verschneiten Alpen.

Im Schweizer Winterferienort Saas-Fee bekommt man den Ohrwurm gern zu Raclette und Weißwein serviert. Wer will, kann auch an einer „Last-Christmas-Fackelwanderung“ teilnehmen. Oder sich in eine „spaßintensive“ Fete im Stil der 80er Jahre stürzen – mit „Netzli-Shirts und Stonewashed Jeans“. Gern auch mit der epochalen Frisur von George Michael: Vokuhila (vorne kurz, hinten lang).

Vor 30 Jahren stand halb Saas-Fee Kopf. Dort wurde das Video zu „Last Christmas“ gedreht. Am 15. Dezember 1984 kamen Single und Video auf den Markt. Seitdem sind sie aus den Winter-Charts nicht mehr wegzudenken. Zum alljährlichen Ritual gehört in Saas-Fee auch, dass Touristen wie Journalisten die Einheimischen mit der Aufforderung bedrängen: „Erzählt doch mal, wie das so war mit dem George und der Filmcrew.“

Charly Schmidt zum Beispiel. „Ich wusste überhaupt nicht, wer dieser George Michael ist“, erzählte er der Schweizer Zeitung „20 Minuten“. Eines Morgens sei sein Vorgesetzter gekommen und habe gesagt, es werde jetzt mal ein Video gedreht. „Da habe ich gesagt: Ja klar, Chef.“ Beachtet wurde Charly Schmidt wohl kaum. Er war der Kabinenführer jener Luftseilbahn, aus der George Michael und seine ebenfalls blonde Video-Freundin telegen ausstiegen. Philippe Zurbriggen, Inhaber der Holzschnitzerei „Woodpecker“, wurde als Chauffeur für die Filmcrew angeheuert. Über den angehimmelten „Last Christmas“-Schöpfer verriet er der Zeitung „Die Welt“: „Der fläzte seine Schuhe immer aufs Armaturenbrett und rauchte merkwürdig süße Zigaretten.“ Letzteres, orakelte Zurbriggen, sei wohl der Grund dafür, dass er von George Michael „morgens beim Abholen nie erkannt“ worden sei.

Geraunt wird in Saas-Fee vieles. Auch von unschönen Szenen zwischen Michael und Bandpartner Andrew Ridgeley. Nicht nur im Video seien die beiden schönen Männer spinnefeind gewesen, hört man. Gut zwei Jahre nach dem Dreh löste sich Wham! trotz etlicher Hits auf. Dass ausgerechnet „Last Christmas“ der bis heute kommerziell erfolgreichste Wham!-Song wurde, entbehrt nicht einer gewissen Ironie und Tragik. Andrew spielt im Video den Lover jener attraktiven Brünetten, der George letztes Jahr zu Weihnachten sein Herz geschenkt hatte, wie es im Liedtext heißt („Last Christmas I gave you my heart“). Um die Rührstory attraktiv in Szene setzen zu können, scheute die Produktionsfirma keine Kosten, samt Bergvilla und rauschenden Partys. George Michael – heute 51 Jahre alt – kann sich darüber stets aufs Neue freuen. Sobald ein Sender „Last Christmas“ auflegt, klingelt die Tantiemen-Kasse.

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