zur Navigation springen

Rechtschreibung : Noch immer eine Gratwanderung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zehn Jahre Rechtschreibreform an Schulen – ist jetzt alles erlaubt? Welche Fehler die Deutschen trotzdem immer wieder machen

Die Rechtschreibreform von 1996 sollte uns das Leben eigentlich leichter machen. Inzwischen gilt im Zweifel aber häufig: Alles kann, nichts muss. „Schifffahrt“ statt „Schiffahrt“ – die Rechtschreibreform brachte einige Änderungen mit sich. Vor gut zehn Jahren – am 1. August 2005 – wurden an Schulen überarbeitete Neuregelungen eingeführt. Welche Fehler die Deutschen immer trotzdem wieder machen, erklärt der Leiter der „Duden“-Redaktion, Werner Scholze-Stubenrecht, im Interview mit Antonia Lange .

Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Scholze-Stubenrecht: Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat eine Arbeitsgruppe „Schulen“. Die berichtet, dass es Lehrer im einen oder anderen Fall noch schwierig haben, mit den neuen Regeln klarzukommen. Im Großen und Ganzen scheint das aber gut zu funktionieren. Die Diskussion ist ziemlich eingeschlafen.

Haben sich die Deutschen also weitgehend umgewöhnt? Die Jüngeren haben überhaupt kein Problem damit. Man muss bedenken, dass es keine Schuljahrgänge mehr gibt, die noch nach alten Regeln unterrichtet werden. Die meisten wissen, dass man Mikrofon mit „ph“ oder mit „f“ schreiben kann - und es ist ihnen ziemlich egal, dass das früher nur mit „ph“ erlaubt war.

Seit der Rechtschreibreform sind in vielen Fällen mehrere Varianten erlaubt. Ist das wirklich hilfreich?

Wir Wörterbuchmacher hätten es lieber, wenn möglichst viel Einheitlichkeit herrscht. Wir haben auch den Eindruck, dass diejenigen, die den Duden kaufen, lieber nur eine Möglichkeit haben wollen. Je eindeutiger, desto besser.

Ein Beispiel ist „dir“ oder „Dir“. Wie halten Sie es da?

Ich halte mich in diesem Fall an die alte Regelung. Es sieht ein bisschen höflicher aus. Aber es ist in der Tat so: Vor der Reform musste es groß geschrieben werden. 1996 hat man gesagt, das muss klein. Inzwischen ist beides erlaubt.

Welche Fehler werden noch häufig gemacht?

Ein Beispiel ist der Ausdruck „kopfstehen“. Der wurde vor der Reform in einem Wort geschrieben. Danach hat man es in zwei Wörtern geschrieben, also „Kopf stehen“. 2006 hat man das aber wieder zurückgedreht. Das hat nach unserer Beobachtung aber keine große Wirkung gehabt. Die meisten schreiben es weiter in getrennter Form.

Was sind denn generell gängige Fehler?

Ein Beispiel ist das Wort „brillant“. Das wird gern mit einem „i“ nach dem „ll“ geschrieben. Bei „Gratwanderung“ wissen viele nicht, dass der Grat auf dem Berg gemeint ist – also mit „t“ geschrieben wird.

Wenn man sich Kommunikation bei WhatsApp und Co anschaut, hat man den Eindruck, Rechtschreibung verliert an Bedeutung. Ist das so?

Es ist so, dass man bei bestimmten Textsorten gerade in der digitalen Welt den Eindruck hat, manchen ist es nicht mehr besonders wichtig.

Insgesamt ist diese Kommunikation eher der Mündlichen angenähert. Daher spielt die Orthografie eine untergeordnete Rolle. Im geschäftlichen Rahmen wird darauf aber durchaus noch Wert gelegt.

Hat uns die Rechtschreibreform das Leben nun leichter gemacht?

Ich persönlich habe es in bestimmten Bereichen als Erleichterung empfunden. Früher hat man zum Beispiel „Auto fahren“ getrennt und „Rad fahren“ in einem Wort geschrieben.

Jetzt wird das gleich behandelt und beides getrennt. Ich persönlich hätte aber mit etwas weniger Aufwand und etwas weniger Änderungen gut leben können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen