Beliebte Baby-Vornamen im Wandel : Neymar statt Karl

Wandbild vor dem Spielzimmer in Mecklenburg-Vorpommerns zentraler Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Horst bei Boizenburg
Wandbild vor dem Spielzimmer in Mecklenburg-Vorpommerns zentraler Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Horst bei Boizenburg

Mit der Migration wächst die Namensvielfalt: Aber nicht nur Einwanderer bringen neue Vornamen mit

svz.de von
08. März 2016, 08:00 Uhr

Mia und Ben, Emma und Jonas – die langjährigen Spitzenreiter der Vornamen-Ranglisten sind bestens bekannt. Doch zu den beliebten Modenamen kommen immer mehr neue hinzu. Denn dass Zuwanderer das Land Tag für Tag ein Stück vielfältiger machen, spiegelt sich auch in den Geburtsurkunden wider: Jedes Jahr werden in der Bundesrepublik rund 1000 Vornamen eingetragen, die es bei uns vorher nicht gab. „Mit der Migration kommen neue Namen zu uns“, sagt Gabriele Rodríguez. Die Wissenschaftlerin arbeitet in der Namensberatungsstelle, die es seit den 1960er Jahren an der Universität Leipzig in Sachsen gibt.

Rund 3000 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet melden sich hier jedes Jahr mit ihren Fragen. Allein 2014 registrierten die Forscher 41 514 unterschiedliche Vornamen. Seit vorigem Jahr bemerkt Rodríguez in ihren Daten auch den verstärkten Einfluss durch Flüchtlinge.

In England habe es der Prophetenname Mohammed gar an die Spitze der Namencharts geschafft, erläutert der Freizeit-Namensforscher Knud Bielefeld. Er sei bei Eltern, deren Familien aus Indien und Pakistan stammen, überaus beliebt. In der Bundesrepublik allerdings rangiere Mohammed unter ferner liefen. Hier lebten vor allem türkischstämmige Muslime, erklärt Bielefeld. Bei ihnen spiele der Name keine so große Rolle.

Neu sind Namen aus dem arabischen, türkischen, kurdischen oder persischen Raum in Deutschland aber keineswegs. Schließlich stammen viele Kinder aus Familien, die in den vergangenen Jahrzehnten in die Bundesrepublik eingewandert sind. Im Laufe der Zeit verwischen die Grenzen dann auch. „Jasmin etwa ist ein persischer Name, der mittlerweile ganz normal als deutscher Name empfunden wird“, erläutert Rodríguez.

Doch nicht nur die Migration lässt die Anzahl der Vornamen steigen. „Es gibt auch einen Trend zur Individualisierung“, weiß die Wissenschaftlerin. „Viele Eltern wollen ausgefallene Namen, die nicht jeder hat.“ So bekomme inzwischen nur jedes zehnte Kind einen Namen, der in dem Geburtsjahr häufiger als zehnmal eingetragen wird. 66 Prozent der Sprösslinge können sich demnach sogar sicher sein, in ihrem Jahrgang ein Unikat zu bleiben. Oft handelt es sich hier allerdings um Kombinationen aus mehreren Rufnamen.

Einige Paare zeigen sich durchaus kreativ. Xantippe, Anakin, Neymar, Sequoia, Godsgift, Buckminster, Schnuckelpupine, Prinz-Gold – alles Namen, die kürzlich auf deutschen Geburtsurkunden erfasst wurden.

Wenn ein Vorname noch nicht in den Büchern der Standesämter vermerkt ist, wenden sich die Eltern an Rodríguez. Sie untersucht, ob die Wunschsilben als Name geeignet sind und schreibt eine Empfehlung für die Behörden.

Manchmal fällt ihr Urteil auch negativ aus. „Hauptkriterium ist, ob der Name das Kind lächerlich machen würde“, erläutert Rodríguez. „Superman, Wikileaks, Waldmeister – das geht gar nicht.“

Dass traditionelle Namen aussterben, braucht aber niemand zu befürchten. Denn auch altdeutsche und germanische Namen gewinnen seit Jahren an Beliebtheit. Ob Karl oder Otto – Jungen werden wieder öfter nach ihren Großvätern benannt.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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