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Heute Uhr Umstellen : Neue Zeit – alte Debatte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit Jahren ist sie umstritten, nun will die FDP die Sommerzeit abschaffen

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2017 | 06:25 Uhr

Alle halbe Jahre wieder ist es so weit: Die Zeitumstellung. Erst wird im Frühjahr die Uhrzeit vor- und im Herbst dann wieder zurück gestellt. Die Sommerzeit, die morgen endet, ist seit ihrer Einführung stark umstritten. Viele Menschen klagen darüber, dass ihnen eine Stunde Schlaf fehlt. Nun wird die Zeit zum Politikum.

„Die Zeitumstellung macht etwas, das einfach sein sollte – den Überblick über die Uhrzeit zu behalten – kompliziert“, sagt FDP-Präsidiumsmitglied Michael Theurer gestern. Die FDP will sich in den Jamaika-Sondierungen für die Abschaffung der Sommerzeit einsetzen.

 

Die Umstellung sei schon für Privatpersonen ein unnötiger Aufwand, begründet Theuter den FDP-Vorstoß. „Unternehmen müssen häufig zusätzlich noch die unterschiedlichen Zeitumstellungskorridore weltweit im Auge behalten, da die Zeitumstellung in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfindet.“

Der FDP-Bundesvorstand hatte im April beschlossen, sich bei einem Wiedereinzug in den Bundestag für die Abschaffung der „unnützen“ Sommerzeit einzusetzen. „Im Gegensatz zum ursprünglichen Zweck spart die Zeitumstellung keine Energie ein. Die Kosten für die Umstellung sind hoch und Studien zeigen, dass die Anpassung zu Schlafstörungen, Krankheiten und mehr Verkehrsunfällen führt“, heißt es zur Begründung. Für die Union und die Grünen hat die Abschaffung der Sommerzeit allerdings keine Priorität. „Das sind Detailfragen, über die wir erfahrungsgemäß erst am Ende der Verhandlungen diskutieren“, sagte CSU-Vize und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

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Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab im Frühjahr, dass rund 47 Prozent der Bundesbürger Sonntagfrüh den Schlafmangel spüren. 60 Prozent würden die Umstellung gern ganz abschaffen. Die Belastung durch die Zeitumstellung betreffe außerdem auch Haus- und Nutztiere, die sich häufig an neue Fütterungszeiten – bei gleichen Tag- und Nachtzeiten – gewöhnen müssten.

Theuter wendet jedoch auch ein, dass „die Abschaffung nur dann Sinn ergibt, wenn andere Länder der EU auch mitmachen.“ 1980 war die Sommerzeit EU-weit eingeführt worden. Um sie wieder abzuschaffen, müsste die EU-Kommission die Initiative ergreifen. Diese prüfe derzeit unter Berücksichtigung aller verfügbaren Informationen den Sachverhalt, bestätigte gestern eine Sprecherin. Sobald es ein Ergebnis gebe, werde man die Öffentlichkeit darüber informieren.

Erstmals eingeführt wurde die Sommerzeit in Deutschland während des Ersten Weltkriegs. Zwischen den Weltkriegen und nach dem Zweiten Weltkrieg schaffte man die Umstellung jedoch wieder ab. Erst 1980 wurde sie mit dem Ziel, das Tageslicht besser zu nutzen, erneut eingeführt. Der Effekt ist jedoch umstritten.

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