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Zuckersteuer : Neue Steuer für alle „Zuckersüßen“?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Deutschland denkt über Zuckersteuer nach. Die Meinungen dazu sind gespalten. Positiver Effekt in manchen anderen Ländern

svz.de von
erstellt am 12.Sep.2016 | 19:00 Uhr

Es ist gar nicht so lange her, da gab es in Deutschland schon einmal eine Steuer auf Zucker – genauer gesagt auf die Zuckerrübe. Die Abgabe wurde 1841 in Preußen eingeführt, um den Konsum des weißen Goldes für die breite Masse der Bevölkerung zu erschweren – schließlich war Zucker bis dahin den Reichen vorbehalten. Die Steuer änderte nichts am Konsum der Masse und wurde im Übrigen 1993 bundesweit wieder abgeschafft.

Heute gehört der Zuckerkonsum zum Alltag – die Deutschen verbrauchen mehr vom weißen Gold, denn je. Etwa 90 Gramm pro Tag, schätzen Experten. Gleichzeitig steigt die Zahl der stark Übergewichtigen und Zuckerkranken – der hohe Konsum von Süßungsmitteln trage daran Mitschuld, sind sich Ärzte sicher. Aus diesem Grund wird nun erneut über eine Steuer auf die süße Leidenschaft diskutiert.

Nicht zur Freude der Verbraucher. Laut einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov lehnt jeder zweite Deutsche einen Preisaufschlag auf stark gesüßte Produkte ab. Dagegen würden 40 Prozent eine solche Steuer befürworten.

Sinn dieser Überlegung ist es, den Genuss ungesunder Lebensmittel unattraktiver zu machen – ähnlich wie man es bei Zigaretten beobachten konnte. Die Steuer soll ab einem Zuckerwert von fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter greifen. Vor allem die Verbraucherorganisation Foodwatch begrüßt diesen Vorschlag und empfiehlt Abgaben von 20 bis 30 Cent pro Liter.

Statt zu zuckerhaltigen Produkten sollen Verbraucher dadurch angeregt werden, sich öfter an der Obst- und Gemüsetheke zu bedienen. Vor allem Ärztegesellschaften fordern zudem, die Kosten für gesunde Lebensmittel zeitgleich zu senken – denn sie hätten durchaus eine Lenkungswirkung auf Verbraucher.

Einen solchen staatlichen Eingriff in das Verbraucherverhalten befürworten aber längst nicht alle. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) beispielsweise lehnt „Strafsteuern“ auf Lebensmittel ab. Erfahrungen in anderen EU-Ländern zeigten, dass sie in aller Regel nicht die gewünschte Lenkungswirkung hätten. Um Menschen von einem gesunden Lebensstil zu überzeugen, komme es auf Transparenz, Information und bessere Ernährungsbildung an, hatte der Minister argumentiert. Foodwatch verwies dagegen darauf, dass in Mexiko, aber auch in Finnland und Frankreich der Konsum bestimmter Zuckergetränke nach Einführung einer Steuer zurückgegangen sei. Zudem könnte das Mehr an Steuereinnahmen in Präventionsprojekte fließen.

Doch wie sollen vor allem die Zucker liebenden Jugendlichen eines Besseren belehrt werden? Immerhin sind rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig – fast zwei Millionen Drei- bis 17-Jährige.

Abhilfe könnten auf sie zugeschnittene Ernährungskampagnen schaffen, wie Studien aus den USA zeigen. Dort wurden Jugendlichen journalistische Texte vorgelegt, die über die Methoden der Lebensmittelindustrie und über das Zuviel an Zucker informieren. Tatsächlich griffen diese Jugendlichen später etwas weniger häufig zu ungesunden Lebensmitteln als die Vergleichsgruppe, die nicht informiert wurde. Man müsse dabei vor allem an die eigene Autonomie der Jugendlichen, soziale Gerechtigkeit und den sozialen Status appellieren.

Ob dieser Ansatz jedoch ausreichen wird, ist fraglich. Denn der Appell an die Vernunft des Einzelnen scheitere oft am ungleichen Kampf der Aufklärer gegen die Lebensmittelindustrie. Während diese ihre Produkte zur besten Sendezeit bewerben entwickeln sich Ernährungsgewohnheiten, die später nur schwer zu ändern seien.

 

Zuckersteuer in aller Welt

Dass zu viel Zucker ungesund ist, weiß – hoffentlich – jedes Kind. Doch weil Süßigkeiten und gesüßte Getränke trotzdem verlockend sind, erheben mehrere Länder Steuern darauf.

Finnland

Schon seit den 1940er-Jahren gilt hier eine Steuer auf Erfrischungsgetränke. Seit 2011 verlangt der Staat zudem eine Abgabe von 95 Cent pro Kilogramm auf Süßigkeiten wie Eis oder Schokoriegel. Die Steuer wird 2017 aufgehoben. Dem Staat gehen dadurch geschätzte 109 Millionen Euro jährlich an Steuereinnahmen verloren.

Großbritannien

Hier soll 2018 eine Zuckersteuer eingeführt werden, um stark gesüßte Getränke für Käufer unattraktiver zu machen. Sie soll ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter greifen.

Frankreich

Seit dem 1. Januar 2012 gilt in Frankreich eine Zusatzsteuer von 7,16 Euro pro Hektoliter, also etwas mehr als sieben Cent pro Liter, auf Getränke mit zugesetztem Zucker oder Süßstoff.

Mexiko

Auch hier wird seit dem 1. Januar 2014 eine Zuckersteuer von einem Peso (knapp fünf Cent) pro Liter auf mit Zucker gesüßte Getränke erhoben. Laut einer Studie sank der Verbrauch dieser Getränke im ersten Jahr um sechs Prozent.

USA

In den USA verlangt die Stadt Berkeley in Kalifornien seit 2015 eine Abgabe auf Getränke wie Cola, süßen Eistee und Energydrinks. Sie beträgt einen US-Cent pro Unze, was etwa 30 Euro-Cent pro Liter entspricht.

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