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Italien : Neue Not im Erdbebengebiet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach den Schneefällen in Mittelitalien bringt eine neue Serie von Erdstößen die Menschen endgültig ans Limit

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2017 | 19:00 Uhr

Er war ein Symbol für die Erdbebenkatastrophe in Mittelitalien: der Uhrenturm von Amatrice. Er hatte der schweren Erdbebenserie von letztem Jahr wacker standgehalten und erhob sich wie ein Mahnmal inmitten von Trümmern. Nun ist auch er eingestürzt.

Eine neue Serie von Erdstößen hat ihm den Rest gegeben. Auch wenn es nach ersten Einschätzungen so aussieht, als sei kein Mensch ums Leben gekommen: Es ist der seit nunmehr fünf Monaten andauernde Erdbeben-Horror, der den Menschen jede Hoffnung auf Besserung nimmt.

Gestern schlug die Natur wieder besonders heftig zu: Binnen einer Stunde wackelte es dreimal mit einer Stärke von mehr als 5. Auch im 150 Kilometer entfernten Rom rannten Menschen auf die Straße, Büros und Schulen wurden evakuiert, die Metro zeitweise geschlossen. Am Nachmittag kam ein weiterer starker Erdstoß dazu.

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Das Problem in der Erdbebenregion ist dieses Mal allerdings vor allem der Schnee, der im Apennin-Gebirge teils meterhoch liegt. Und es ist bitterkalt. Eine weiße Mauer hat die Menschen in einigen Orten quasi umzingelt. Der Zivilschutz spricht von einer „komplizierten Lage“. „Ich weiß nicht, ob wir irgendetwas angestellt haben, ich frage mich das seit gestern, zwei Meter Schnee und jetzt noch das Erdbeben. Was soll ich sagen? Mir fehlen die Worte“, sagt der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, im TV. In seinem Ort und in der Umgebung kamen bei dem Erdbeben am 24. August fast 300 Menschen ums Leben.

Von einem wirklichen Wiederaufbau kann immer noch kaum die Rede sein. Viele Überlebende beschweren sich, dass der Staat sie vergessen habe.

Die neue Bebenserie wirft jetzt ein Schlaglicht darauf. Einziger, trauriger Trost: Da viele Orte sowieso schon zerstört und verwaist waren, konnten die neuen Beben wohl nicht viel mehr Schaden anrichten.

Nicht das neue Erdbeben sei nun das größte Problem, sondern der Schnee, so Pirozzi. Es müssten mehr Räumfahrzeuge her, viele Menschen seien von der Außenwelt abgeschnitten. Seit Beginn des Jahres schneit es in dem Regioneneck zwischen den Abruzzen, Latium, den Marken und Umbrien mehr oder weniger heftig.

Chronologie:

  • Das Beben von Messina (Sizilien) 1908 gilt als eine der schwersten Naturkatastrophen in Europas jüngerer Geschichte. Rund 100 000 Menschen kamen damals schätzungsweise ums Leben. Doch auch heute ist die Erdbebengefahr in Italien groß.
  • Oktober 2016: Das stärkste Beben seit 1980 trifft Mittelitalien und macht Tausende obdachlos. Die Erdstöße mit der Stärke 6,5 zerstören historische Ortschaften in der Apennin-Gebirgsregion, Tote gibt es nicht.
  • August 2016: Ein Erdbeben der Stärke 6,2 legt den Norden der italienischen Provinz Rieti in Trümmer. 298 Menschen sterben, mehr als 3000 sind obdachlos.
  • Mai 2012: Schwere Erdstöße und Hunderte Nachbeben erschüttern Nordostitalien. Bilanz: mehr als 25 Tote und ein Milliardenschaden.
  • April 2009: Ein Erdbeben verwüstet die Stadt L'Aquila. Es gibt 309 Tote, rund 70 000 Menschen werden obdachlos.
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