Seltene Grottenolme : Nachwuchs bei 60 Jahre alten „Drachenjungen“?

Zwei Grottenolme schwimmen in der Hermannshöhle.
Zwei Grottenolme schwimmen in der Hermannshöhle.

Die seltenen Grottenolme haben in einer Höhle im Harz Eier gelegt: Für Biologen ist das eine Sensation

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31. März 2016, 06:30 Uhr

Zu hören ist in der Höhle in Rübeland nichts außer einem gelegentlichen Tropfen. Aber im seichten Wasser des Grottensees mitten im Harz huscht etwas Weißliches durch den Lichtkegel der Taschenlampe. Dann zeigt sich ein augenloser Kopf unter einem Stein. Und plötzlich ist er in seiner ganzen Länge zu sehen: ein Grottenolm, rund 30 Zentimeter lang und über 60 Jahre alt.

Insgesamt sieben Exemplare der seltenen Schwanzlurch-Art leben in der Hermannshöhle. Es sind die einzigen Grottenolme Deutschlands und die am weitesten nördlich lebenden überhaupt. Die Tiere sehen aus wie eine Mischung aus Regenwurm, Aal und Albinosalamander und sind alle mindestens sechs Jahrzehnte alt. Jetzt wurden in ihrem See zum ersten Mal vier Eier gefunden, und im Harz steigt die Spannung, ob daraus in ein paar Monaten Larven schlüpfen werden.

„Wir haben wohl ein einziges Mal die Möglichkeit, das zu beobachten“, sagt Markus Mende. Der 32-jährige Verwaltungsrechtler hat die Lurche mehr oder weniger freiwillig mitadoptiert, als er vor einem Jahr Vize-Leiter des Tourismusbetriebes der nahen Stadt Oberharz am Brocken (Sachsen-Anhalt) wurde.

In seinem Büro in Rübeland zählt Mende die Fortpflanzungsprobleme der Olme auf: Die Tiere legen nur alle paar Jahre Eier. Bei Revierkämpfen in der Paarungsphase beißen sie sich gegenseitig schon mal Kiemenbüschel oder Beinchen ab. Und: Sie haben einen fatalen Appetit auf die eigenen Eier. Zwar können die Tiere schätzungsweise bis zu hundert Jahre alt werden. „Aber man hat immer diese Angst gehabt, dass die sterben könnten“, sagt Mende. Das wäre ein Verlust – nicht zuletzt, weil sie bei den Höhlentouristen beliebt sind.

Dabei dürften die Olme gar nicht im Harz sein: Der einzige natürliche Lebensraum der Amphibien sind Karsthöhlen entlang der Adria. Früher wurden sie für Drachenjunge gehalten. In den 1930er-Jahren beschaffte der damalige Rübeländer Höhlendirektor fünf Tiere aus diesem Gebiet und setzte sie als Touristenattraktion und Forschungsobjekte in dem künstlich geschaffenen Grottensee im Harz aus. In den 50er-Jahren importierte ein örtliches Ehepaar 13 weitere.

Als in den vergangenen Jahren immer mehr Tiere verendeten, kamen französische und norddeutsche Experten hinzu, die den Olmensee artgerechter ausrüsteten und die wissenschaftliche Beobachtung der Tiere anleierten. Ob am Ende tatsächlich neue Grottenolme schlüpfen werden, ist unklar, sagt der Biologe Wolf-Rüdiger Große: „Man sieht es Amphibien-Eiern nicht sofort an, ob sie befruchtet sind.“ Wenn ja, müssten die Larven im Mai oder Juni schlüpfen.

Violetta Kuhn

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