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Bart-Weltmeisterschaft : Mit viel Liebe frisiert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Männer mit Bart haben viel zu tun - nicht nur beim Frisieren. Auch an der Akzeptanz ihrer Gesichtshaare müssen sie hart arbeiten.

Zwei Probleme begleiten jeden Bartträger. Wie frisiere ich ihn? Und: Werden die Leute ihn akzeptieren? Toleranz für haarige Gesichter war allerdings an diesem Wochenende kein Thema bei der 12. Bart-Weltmeisterschaft im österreichischen Leogang. Ohne Bart oder Schnauzer gehörte man dort eher zu den Außenseitern. Doch solche Wettbewerbe sind die Ausnahme. Der ganz normale Bartträger hat im täglichen Leben oft mit Ablehnung zu kämpfen, besonders auf der Arbeit.„Es gibt noch immer viele Vorurteile. Man musst glatt rasiert sein, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Viele Leute müssen sich für die Arbeit rasieren. Das ist immer schade zu hören“, sagt Jared „Mac“ MacDonald aus Austin im US-Bundesstaat Texas. Er ist zum zweiten Mal bei der Meisterschaft - in der Kategorie „Kinn- und Backenbärte“. „Aber man bekommt auch viele Komplimente. Leute wollen Fotos machen und sagen, dass du einen coolen Bart hast. Frauen wollen ihn immer flechten. Im Großen und Ganzen ist es schon positiv. Aber es wird auch viel verurteilt.“ Die Pflege seines langen, dicken tiefsitzenden Seitenbartes sei sehr „arbeitsintensiv“, sagt MacDonald.„Früher bin ich Motorrad gefahren. Da musste ich das Ding jeden Tag zusammenbinden, um es nicht ins Gesicht zu bekommen. Aber sonst trage ich ihn offen.“ Zwar brauche er nicht jeden Morgen Stunden im Bad, sagt MacDonald. Aber er gibt zu: „Eigentlich denkst du jeden Tag, dass du das Ding einfach abschneiden solltest.“ Mike Donner hat seinen Bart seit 15 Jahren nicht mehr geschnitten. Er bewirbt sich in der Kategorie „Vollbärte“. Allerdings muss auch er zugeben, dass sein Bart ständig im Weg wäre, wenn er ihn nicht aufrollen würde. „Ich könnte nicht mal ein Bier aufmachen oder ein Glas Honig. Wenn ich den Bart immer offen hätte, könnte ich im täglichen Leben gar nicht funktionieren“, sagt Donner, der ungefähr 30 Sekunden braucht, um seinen 120 Zentimeter langen Bart aufzurollen.

Der Norweger Einar Eilertsen will seinen Bart wieder wachsen lassen, nachdem er ihn vor drei Jahren abgeschnitten hatte. „Das habe ich immer wieder bereut“, sagt Eilertsen, der zum ersten Mal bei der Meisterschaft dabei ist - in der Kategorie „Vollbärte“. „Er hält mich im Winter warm, und in Norwegen haben wir sehr kalte Winter.“ Normalerweise brauche er fünfzehn bis zwanzig Minuten am Morgen für seinen Bart. Wenn er sich für eine Meisterschaft fertig macht, sind es aber auch schon mal 30 bis 45 Minuten.

Am ehesten würden Bärte noch in der Hipster-Gemeinde akzeptiert, meint Eilertsen. Er habe regelmäßig Ärger mit Leuten in seiner Umgebung. „Meine Eltern mögen ihn nicht, und meine Freunde sagen auch dauernd, ich soll mich rasieren. Aber meine Freundin mag ihn, und ich mag ihn auch“, sagt Eilertsen. Er lässt seinen Bart schon seit anderthalb Jahren wachsen. Inzwischen ist er fünfzehn Zentimeter lang. „Er wird noch größer. Ich freue mich schon darauf, ihn wachsen zu lassen. Rasieren ist so lästig.“ Der Amerikaner MJ Johnson gründete den Minneapolis Bart- und Schnauzer-Club im Staat Minnesota, um für Bart-Toleranz am Arbeitsplatz zu werben. „Ich habe immer schon gedacht, dass das eine wichtige Sache ist“, sagt Johnson. Er ist zum zweiten Mal bei der Weltmeisterschaft. 2013 gewann er den zweiten Platz in der Kategorie „Kinn- und Backenbärte, kaiserlich“. Sein Bart besteht aus langgewachsenen, aufgebauschten Koteletten, die nach oben gezwirbelt sind. Da steckt viel Liebe drin.„Das dauert schon ein paar Stunden. Man muss ihn ausdünnen und dann richtig rasieren. Das sieht lange Zeit wirklich furchtbar aus, bis es dann irgendwann alles zusammenkommt“, sagt Johnson. Er trägt seinen Bart alle sieben bis zehn Tage so, damit er beim Frisieren nicht aus der Übung kommt. Zu viele Geheimnisse wollte er aber nicht verraten.

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