Droht unseren Eichhörnchen Gefahr? : Mit oder ohne Ohrpuscheln

Eichhörnchen – niedlich, aber doch ein Wildtier
Eichhörnchen – niedlich, aber doch ein Wildtier

Die Ohrpuscheln unterscheiden das heimische Eichhörnchen von seinem Verwandten aus Nordamerika, dem Grauhörnchen.

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06. August 2015, 21:00 Uhr

Die Ohrpuscheln machen den Unterschied. Sie nämlich unterscheiden das heimische Eichhörnchen von seinem Ohrpuschel-freien Verwandten aus Nordamerika, dem Grauhörnchen.

Das sorgt auf den britischen Inseln seit längerem für Probleme: Etwas größer, robuster und von wenig Fressfeinden bedroht, verdrängt es dort das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Und indirekt rückt es ihm nun sogar in Deutschland auf den Pelz: Denn manche Eichhörnchenfreunde oder Gartenbesitzer verjagen und bekämpfen heimische Hörnchen grauer oder dunklerer Färbung –weil sie sie mit den forschen Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) verwechseln.

„Dabei können beide Arten in einem funktionierenden, ausreichend großen Biotop durchaus nebeneinander existieren“, sagt Anja Sorges vom Nabu Berlin. Ganz anders als in England und Norditalien sind Grauhörnchen in Deutschland bisher offiziell nicht nachgewiesen worden. Die hiesigen Wälder sind also reine Eichhörnchen-Zonen und auch in den Städten haben sie sich längst eingerichtet. Akute Gefahr für die kleinen Nagetiere besteht somit nicht, auch weil sie geschützt sind und in Kontinentaleuropa eine stabile Population haben.

In den nächsten Jahrzehnten könnte sich dies aber ändern. „Es ist zu erwarten, dass Grauhörnchen, die in Norditalien ausgesetzt wurden, mittelfristig die Alpengrenze überschreiten“, sagt Eichhörnchenexperte und Sachbuchautor Stefan Bosch. Er schätzt, dass Grauhörnchen wegen ihrer Robustheit und etwas anderer Lebensweise die Eichhörnchen dann in die Nadelwälder verdrängen.

Auf der Skala der beliebten Tiere stehen sie zumindest ganz weit vorn. Kein Wunder: Sie sehen putzig aus, verfügen über beeindruckende Kletterkünste, machen Männchen und bedienen auch als ausgewachsene Tiere das Kindchenschema.

„Doch was viele Menschen vergessen: Sie sind Wildtiere“, betont Anja Sorges. Weil vor allem Städter die Tierchen gerne „vermenschlichten“, könne es auch zu skurrilen Szenen kommen. So wie vor wenigen Tagen: Eine Frau ruft die Polizei, weil sie von einem Eichhörnchen verfolgt wird, das ihr partout nicht mehr von der Seite weicht. „Es ist gut möglich, dass dieses Eichhörnchen von einem Menschen aufgezogen wurde“, schätzt Sorges.

Auch das Foto eines Eichhörnchens, das in einem Gullydeckel feststeckte und von der Feuerwehr aus der misslichen Lage befreit wurde, rührte Zeitungsleser und Netzgemeinde. Getoppt noch von der Nachfolgestory, dass das Tierchen die mittels Olivenöl durchgeführte Rettungsaktion nur wenige Stunden überlebte. Grund: Stressschock.

In vielen Bundesländern gibt es Eichhörnchen-Notrufe und -Hilfsvereine. Dort kann man anrufen, wenn man ein verletztes oder aus dem Kobel gefallenes Jungtier findet und nicht weiter weiß.

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