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Spielregeln einhalten : Mit Humor im Büro ist nicht zu scherzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer zu Karneval mit einer roten Pappnase zur Arbeit kommt, macht alles richtig – meinen zumindest die Gelotologen (Humorforscher), die sich für mehr Spaß bei der Arbeit einsetzen. Ihrer Meinung nach fördert der Humor sogar die Produktivität. Allerdings nur dann, wenn er sich an bestimmte Spielregeln hält.

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Sagt der Kunde zum Juwelier: „Ich hätte gerne einen Diamantring für meine Frau.“ Antwortet der Juwelier: „Tut mir Leid, wir machen keine Tauschgeschäfte.“ Und wenn das nun kein Witz wäre? Gelotologen, also professionelle Humorforscher, sind sich einig darüber, dass Humor nicht nur in einem Kundengespräch das erste Eis brechen kann und zu einer gelösten, angenehmen und positiven Kaufatmosphäre beiträgt. Während im Management heute vielerorts noch nach dem Motto „Zuerst die Arbeit und dann das Vergnügen“ gewirtschaftet wird, halten die Gelotologen gerade das genaue Gegenteil für richtig: Spaß bei der Arbeit fördere die Produktivität, helfe negativen Stress abzubauen, motiviere, rege die Kreativität an, sei dem Teamgeist zuträglich und mache darüber hinaus auch noch sympathisch und beliebt.

Aber wer hat denn nun Recht? „Beide“ könnte man sagen, wenn man den Experten für Business-Humor Glauben schenken darf, wie etwa der Schweizerin Yvonne Villiger. Denn entscheidend ist demnach, den richtigen Ton zu treffen. „Meiner Meinung nach“, sagt Villiger, „sollte Humor in der Arbeitswelt respektvoll sein, authentisch und konstruktiv.“ Wer sich die gute Arbeitsatmosphäre nicht verscherzen möchte, macht also besser um respektlose Witze, wie den folgenden, einen großen Bogen. Fragt der Chef den Angestellten: „Wie lange arbeiten Sie eigentlich schon für uns – morgen nicht mitgerechnet?“

Zum Weitererzählen: Noch mehr Witze aus dem Arbeitsleben

> Der neue Lehrling steht mit einem dicken Aktenordner am Dokumentenvernichter. Eine Sekretärin kommt hinzu und sagt: „Ah, Sie sind der neue Lehrling. Ich zeige Ihnen, wie das funktioniert.“ Dann nimmt sie ihm die Akten ab und schreddert sie. Fragt daraufhin der Lehrling: „Und wo kommen jetzt die Kopien raus?"


> Sagt der Angestellte zum Chef: „Sie haben mir mehr Geld versprochen, wenn Sie mit mir zufrieden sind." Antwortet der Chef: „Wie kann ich mit jemandem zufrieden sein, der mehr Geld will?"


> Fragt der Chef seine Sekretärin: „Wo ist denn eigentlich der neue Kassierer?" Antwortet die Sekretärin: „Auf der Pferderennbahn." Ärgert sich der Chef: „Wie bitte? Während der Arbeitszeit?" Sagt die Sekretärin: „Er sagte, das sei die einzige Möglichkeit, die Bücher wieder in Ordnung zu bringen."


> Sagt ein Beamter zum anderen: „Beeil dich mit dem Frühstück, gleich ist Mittag."


> Fragt einer den anderen: „Wo arbeitest du jetzt eigentlich?" Antwortet der andere: „In der Automobilfabrik." Fragt der Erste nach: „Am Band?" Antwortet der Zweite: „Nein, wir dürfen frei herumlaufen."


> Ein Beamter möchte im Zoogeschäft ein Schneckenterrarium umtauschen. Fragt der Verkäufer: „Warum möchten Sie das denn zurückgeben?" Sagt der Beamte: „Die Tiere bringen zu viel Unruhe ins Büro."


> Fragt der Kunde den Juwelier: „Gibt es diese Taucheruhr auch mit Datumsanzeige?" Antwortet der Juwelier: „Meine Güte, wie lange wollen Sie denn unten bleiben?"

Villiger nach fördert also respektvoller Humor durch das Miteinanderlachen den Teamgeist und den Gemeinschaftsgedanken, wohingegen Scherze auf Kosten anderer Wertschätzung und Feingefühl vermissen lassen und somit nicht gerade zu einer positiven Arbeitsatmosphäre beitragen. Aber auch in der Chefetage selbst könnte mehr gelacht werden, meint zumindest der Humor-Coach Emil Herzog, der sich sicher ist, dass souveräne Firmenlenker sogar über sich selbst lachen könnten: „Humor (der Chefs) braucht Größe, Gelassenheit und innere Distanz. Nur wer wirklich top ist, kann sich auch eine gelassene Heiterkeit leisten“, meint der Schweizer Humorexperte. Auf diese Weise wirkt der Humor des Chefs nicht wie mit dem Holzhammer verabreicht, sondern ist vielmehr authentisch, ja fördert sein Ansehen und macht ihn vielleicht sogar beliebt.

Ein guter Chef-Witz geht also so: „Warum arbeiten Sie nicht? Haben Sie mich denn nicht kommen sehen?“ Konstruktiv ist dieser Witz ja auch noch, und schon sind die wichtigsten Regeln des Business-Humors erfüllt, und alles ist gut. Soweit die Theorie. Nur eines darf man bei all dem Regelwerk natürlich nicht vergessen: Von einem guten Witz wird in erster Linie erwartet, dass er auch wirklich witzig ist, und genau hier hapert es im Berufsalltag gerne einmal, wenn man es wirklich allen Recht machen will und gar keinem auf die Füße treten.

Der ungekrönte König des Business-Humors geht deshalb auch einen ganz anderen Weg: Der Comic-Autor und -Zeichner Scott Adams wurde nämlich nicht umsonst mit seinen „Dilbert-Comics“ weltberühmt. Respektlos anarchisch und in keinster Weise konstruktiv lassen seine Figuren keine Gelegenheit aus, sich vor der Arbeit zu drücken und Kollegen in die Pfanne zu hauen.

Natürlich steht gerade das Management ganz oben auf der Liste derjenigen, denen es eins auszuwischen gilt, und auch die Chefetage selbst mobbt zurück, so gut sie nur kann. Alles in allem also ein Riesenspaß – der allerdings ganz reale Wurzeln hat, sagt Adams: „Am häufigsten höre ich den Kommentar: Das ist ja genau wie in meiner Firma.“ Und das bei aller Absurdität der Geschichten. So habe ihm ein Leser einmal berichtet, dass ein Lagerarbeiter die Herausgabe eines Ersatzteiles mit der Begründung verweigerte, es sei das letzte Ersatzteil dieser Art, und wenn er das nun herausgebe, habe er schließlich keines mehr für spätere Ersatzteilanforderungen übrig.

Scott Adams Fazit über den Spaß bei der Arbeit ist dann auch verheerend: „Unsere Dummheit tritt zwar nicht nur im Arbeitsleben zutage, aber hier bemerken wir sie vielleicht am häufigsten.“

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