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Sexuelle Gewalt gegen Kinder : Misshandelt und missbraucht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jeden Tag werden 40 Kinder Opfer von sexueller Gewalt – Fachleute sind entsetzt

Das Mädchen war fünf Jahre alt, als es passierte. Es war mit den Eltern beim Camping. Abends gab es ein Lagerfeuer. Ein Freund des Vaters kam dazu, nahm die Kleine mit zum Holz sammeln, riss sie im Wald zu Boden, verging sich an ihr – und machte ihr Leben zu einem anderen. Das Kind rannte zurück zur Mutter, wollte alles erzählen. „Aber ich hatte keine Worte dafür. Ich wusste nicht, was er getan hatte“, erklärte das Opfer Jahre später. Es ist einer von vielen Tausend Fällen jedes Jahr. Auch die aktuellen Zahlen zur Gewalt gegen Kinder sind beunruhigend. Das wahre Ausmaß ist nur zu erahnen. Fachleute gehen von einer großen Dunkelziffer aus.

Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 14 395 Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder. Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik hervor. Als Kind im Sinne des Gesetzes gelten Jungen und Mädchen unter 14 Jahren. 1754 der missbrauchten Jungen und Mädchen 2014 waren sogar unter sechs Jahren.

Auch für Pornofilme und Nacktbilder werden Kinder missbraucht und gedemütigt. Im vergangenen Jahr wurden knapp 6600 Fälle registriert, in denen sich Menschen Kinderporno-Material beschafften oder verbreiteten.

„Jeden Tag werden 40 Kinder Opfer von sexueller Gewalt“, sagt der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch. Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, erklärt, jeder habe ein betroffenes Kind in seinem Umfeld. Wenn ein Lehrer in seine Schulklasse schaue, habe er dort statistisch betrachtet ein bis zwei Jungen oder Mädchen vor sich, die schon sexuelle Gewalt erfahren hätten. Die Täter sind oft nahe Vertraute.

Und die Folgen sind kaum zu ermessen. „Das ist eine biografische Wunde, die sich in ein Kind schlägt“, sagt die Rechtsanwältin Manuela Liane Groll, die viele Missbrauchsopfer vertritt.

2014 starben 108 Jungen und Mädchen, weil sie Opfer von Gewalt oder Vernachlässigung wurden. 81 davon waren jünger als sechs Jahre. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen: 2013 wurden 153 Kinder gewaltsam getötet, 2010 waren es 183, 2005 sogar 208. Münch bezeichnet den Rückgang als „positive Entwicklung“. Grund zur Entwarnung sehen Polizei und Kinderschützer aber keineswegs.

Die Deutsche Kinderhilfe verlangt u.a. ein höheres Mindeststrafmaß für Verbrechen an Kindern, Kinderschutz-Hotlines in ganz Deutschland und einen unabhängigen Kinderbeauftragten im Bund, außerdem eine bessere Aufklärung für Kinder und mehr Präventionsprojekte, um die Menschen für Anzeichen von Gewalt gegen Kinder zu sensibilisieren. Verbandschef Rainer Becker sagt: „Jedes betroffene Kind ist eines zu viel.“

 

 

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