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Krebskranke mit Reiselust : Miss Norma haut ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Reise statt Klinik: Sie ist 91 Jahre alt, sie hat Krebs – und sie fährt durch die USA

svz.de von
erstellt am 21.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Norma ist nicht zu bremsen. Sie kurvt mit ihrem Rollstuhl am Grand Canyon entlang, wagt ein paar Schritte an den karibischen Stränden Floridas und schnuppert in den Rocky Mountains Höhenluft. Es ist eine Reise der besonderen Art, denn Norma Bauerschmidt aus dem US-Bundesstaat Michigan ist 91 Jahre alt. Sie hat Krebs. Die Zeit, die ihr noch bleibt, nutzt sie für das Abenteuer ihres Lebens.

Begonnen hat die große Reise der kleinen Frau im vergangenen Sommer – damals entdeckten die Ärzte ein Geschwür in ihrer Gebärmutter. Norma wusste nur zu gut, was sie erwarten würde: Operationen, Chemotherapie und Bestrahlungen. Die rüstige Dame hatte zusehen müssen, wie ihr Mann Leo in einem Hospiz langsam starb. Sie überlegte deshalb nicht lange, als ihr Arzt sie fragte, wie sie weitermachen wolle. „Ich bin 90, ich hau’ ab“, sagte Norma damals keck.

Auf Facebook verfolgen mittlerweile   schon  über   360 000 Menschen ihre große Reise. Schwiegertochter Ramie dokumentiert den ungewöhnlichen Road Trip mit Fotos und Geschichten.

Normas Sohn Tim und Ramie leben in einem Reisemobil und fahren damit kreuz und quer durch die USA. Diese wuchtigen Fahrzeuge haben in den Vereinigten Staaten oft die Größe eines kleinen Hauses – kein Problem also, darin noch einen Platz für die schmächtige Norma zu finden.

Tim und Ramie erklärten dem Mediziner, was sie mit der schwerkranken Mutter vorhaben. Die Antwort: „Ich weiß, wie eine Krebsbehandlung aussieht und kann nicht einmal dafür garantieren, dass sie die erste Operation überlebt. Haben Sie einen fantastischen Trip!“

Normas Schwiegertochter sieht diese folgenschwere Entscheidung heute ganz nüchtern. „Wir haben eigentlich nur das getan, was viele Familien getan hätten: Wir haben Norma angeboten, bei uns zu leben. Nur dass unser Haus vier Räder hat“, erklärt Ramie.

Norma begann also ihre Koffer zu packen, und kurz darauf brauste die kleine Familie schon zum Mount Rushmore. Tim und Ramie befürchteten, dass sie bald zu schwach sein würde, um zu reisen. Zumindest den berühmten Berg mit den vier in Stein gehauenen Präsidentenköpfen wollten sie der alten Dame daher noch zeigen. „Sieben Monate ist das jetzt her, und wir alle blühen mehr und mehr auf“, erklärt Ramie heute. Norma lässt sich eben nicht unterkriegen. „Ich habe es nie bereut, mitzukommen. Wir haben eine tolle Zeit“, verrät Ramie. Seither hat Norma über 11 000 Kilometer Straße hinter sich gebracht – da gab es selbst für eine 91-Jährige noch viel zu entdecken.

In Georgia gönnte die alte Dame ihren Füßen die erste Pediküre ihres Lebens, in Florida hat ihr ein kleiner Junge ihren ersten Begrüßungs-Fauststoß („fist bump“) gegeben und in Colorado unterschrieb sie sogar ihr allererstes Autogramm. In den vergangenen Tagen war sie in North Carolina.

Auf Facebook verriet Norma auch den letzten großen Traum ihres verstorbenen Ehemanns. Er wollte sich zusammen mit seiner Frau die Welt von oben anschauen, eine Ballonfahrt machen. Selbst als Leo schon im Krankenhaus lag, hoffte er, sich diesen Wunsch eines Tages noch erfüllen zu können.

Was der Vater sich so sehr wünschte, das wollten die beiden zumindest der Mutter ermöglichen. Sie entdeckten in Florida einen Ballon mit Sitzplätzen. Das ideale Weihnachtsgeschenk für die Schwiegermutter.

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