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Astronautinnen in Deutschland : Mehr Weiblichkeit im All

vom
Aus der Onlineredaktion

Warum flog bis heute noch keine deutsche Frau in den Weltraum?

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Nicole Mann hat keine Angst davor, nach den Sternen zu greifen. Die 40-Jährige könnte in ein paar Jahren zu den ersten Astronauten gehören, die mit dem neuen US-Raumschiff „Orion“ ins All fliegen. „Ich werde aufgeregt sein, aber nicht nervös. Alles, was wir tun, ist ein kalkuliertes Risiko“, sagt sie an diesem Tag in Bremen zu Ingenieuren, die Teile der Raumkapsel bauen. Ja, Mann ist eine unerschrockene Frau. Und ein Vorbild.

Nach ihrem Auftritt möchten viele Zuhörer ein Foto mit Nicole Mann vor einem Modell von „Orion“ im Bremer Werk des Raumfahrtkonzerns Airbus Defence and Space – vor allem eine junge Frau knipst begeistert Selfies. Mann strahlt in ihrer blauen Nasa-Jacke in die Kameras. Aufmerksamkeit ist sie gewohnt: Eine Astronautin ist auch in ihrem Heimatland USA etwas Besonderes. In Deutschland ist sie eine Sensation.

Noch nie ist eine deutsche Astronautin ins All geflogen. Am nächsten dran war wohl Renate Brümmer, die 1993 Ersatzkandidatin für den zweiten deutschen Spacelab-Flug war. Eine Tatsache, die nicht nur Nicole Mann, sondern auch Ellen Ochoa verwunderlich findet. Die 59-Jährige leitet als Direktorin das Johnson Space Center in Houston, wo Astronauten für den Einsatz im Weltall ausgebildet werden. „Es macht keinen Unterschied, ob Mann oder Frau. Wir absolvieren alle das gleiche Training“, sagt sie. Bei der Auswahl sei nur die Qualifikation entscheidend: Gesucht sind Wissenschaftler und Ingenieure, Leute, die gut im Team arbeiten können, die fit und belastbar sind.

All das trifft auf Nicole Mann zu. Sie flog als Testpilotin Kampfflugzeuge und hat Maschinenbau studiert. Damit ist sie jedoch keine Ausnahme. In Manns Astronautenklasse waren genauso viele Männer wie Frauen. Am Ende entschied sich die US-Raumfahrtagentur Nasa für sieben Männer und fünf Frauen, die nun für einen Flug ins All trainieren.

59 Frauen sind nach Angaben der Nasa bisher von der Erde ins All gestartet. Damit liege der Frauenanteil bei etwa zehn Prozent, sagt die Managerin Claudia Kessler, die Fachkräfte in der Raumfahrtbranche vermittelt.

Allein auf die europäische Raumfahrtagentur Esa will sich Kessler jedoch nicht verlassen. Sie will 2020 die erste deutsche Astronautin auf die Internationale Raumstation (ISS) schicken. Dafür hat sie die private Initiative „Die Astronautin“ gegründet. Vorausgesetzt, die Initiative kann genug Geld – etwa 50 Millionen Euro sind nötig – einsammeln, wird eine der beiden Kandidatinnen wohl in die deutsche Geschichte eingehen.

 

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