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Intensivstationen : Mangel auf hohem Niveau

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Aus der Onlineredaktion

Studie über die Pflege auf Deutschlands Intensivstationen. Fehlendes Personal wird zum Problem

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Noch ist die Pflege auf Deutschlands Intensivstationen „objektiv gut“. Doch das wird ohne Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel kaum auf Dauer so bleiben, warnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) in ihrem gestern in Berlin vorgestellten Gutachten „Personalsituation auf Intensivstationen“. Hintergründe zum DKG-Report von Tobias Schmidt.


Werden Patienten gegenwärtig auf den Intensivstationen der Kliniken optimal gepflegt?
Laut der Erhebung, an der 314 Kliniken teilgenommen haben, war 2015 eine Pflegekraft pro Schicht für 2,2 Patienten zuständig, Experten empfehlen ein Verhältnis von 2,0 Patienten. Drei Viertel aller Kliniken erfüllten die Fachkraftquote in der Intensivpflege. Auf zehn belegte Betten kamen 6,9 Ärzte, auch das erreicht fast die Vorgaben. „Der Fachkräftemangel hat sich auf hohem Niveau stabilisiert, die Pflege auf den Intensivstationen ist objektiv gut“, so der Befund von DKG-Präsident Thomas Reumann gestern in Berlin.

Warum schlägt der DKG jetzt Alarm?
Seit 2009 haben die Probleme der Kliniken, ihre Stellen auf den Intensivstationen zu besetzen, dramatisch zugenommen. Im Herbst 2016 hatten 53 Prozent der Kliniken Schwierigkeiten, ausreichend Personal zu finden, das waren doppelt so viele wie sechs Jahre zuvor. Große Häuser mit mehr als 600 Betten sind besonders von der Personalnot betroffen, fast 70 Prozent hatten Schwierigkeiten bei der Suche. Inzwischen sind 3150 Vollzeitstellen in der Intensivpflege deutschlandweit unbesetzt – das entspricht einem Anteil von sechs Prozent. 2011 lag der Anteil unbesetzter Stellen nur bei zwei Prozent. Alle Pflegebereiche zusammengenommen liegt die Zahl der unbesetzten Stellen bei 10 000.

Auch der Deutsche Ärztetag schlägt Alarm: Wegen des Fachkräftemangels auf Intensivstationen müssten Patienten teils früher entlassen werden als es dem Heilungsprozess zuträglich sei, und Operationen müssten verschoben werden.

Hat die Politik nicht ausreichend auf den Personalnotstand reagiert?
In der ablaufenden Legislaturperiode wurden wichtige Weichen gestellt. Die Pflegestrukturreform änderte die Personalschlüssel. Und Ende Juni beschloss der Bundestag ein Gesetz zur Einführung von Personaluntergrenzen. Ein Jahr haben die DKG und die Vertreter der gesetzlichen und privaten Kassen Zeit, sich auf Zahlen zu einigen, ab 2019 werden sie dann verbindlich eingeführt. Kliniken, die Untergrenzen nicht einhalten, werden mit Vergütungsabschlägen bestraft. Überdies beschloss der Bundestag eine Reform der Pflegeberufe, um die Ausbildung zu vereinheitlichen und den Beruf attraktiver zu machen.

Reichen die Maßnahmen aus?
Der Personalnotstand wird sich verschärfen, warnen Experten. Die DKG fordert deswegen bereits, die Untergrenzen „flexibel“ anzuwenden, um absehbare Strafen abzuwenden. Genau davor warnte jüngst der Deutsche Ärztetag. Die Krankenhäuser verlangen eine Digitalisierungsoffensive in Höhe von einer Milliarde Euro, um das Pflegepersonal durch moderne Kommunikations- und Dokumentationsinstrumente zu entlasten. Das Anliegen Nummer Eins: Ein gemeinsamer Maßnahmenkatalog gegen den Fachkräftemangel als oberste Priorität für die nächste Regierung. Ausreichend junge Menschen für die Pflege in der Intensivmedizin und anderen Bereichen zu gewinnen, ist aus Sicht von Experten allerdings nur durch deutlich höhere Löhne möglich.

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