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Kinderwertemonitor : Mama und Papa sind die Besten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Sechs- bis 14-Jährigen lieben Werte und Wärme – das hat eine große Umfrage ergeben

svz.de von
erstellt am 18.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Mama und Papa sind die Besten, Oma und Opa sind auch nicht schlecht – und auf Platz drei in der Gunst von Kindern in Deutschland stehen eindeutig ihre Lehrer. Das stellt der neue „Kinderwertemonitor“ fest, für den das Kinderhilfswerk Unicef und die Zeitschrift „Geolino“ rund 1000 Mädchen und Jungen zwischen sechs und 14 Jahren ausführlich zu Hause befragen ließen.

Zwischen den ersten repräsentativen Interviews im Jahr 2006 und den aktuellen Ergebnissen, die gestern in Berlin vorgestellt wurden, wuchs die hohe Meinung der Kinder über ihre Lehrer weiter an: von 50 auf nun 80 Prozent. Und auch Eltern sind mit der Schule ihrer Kinder meist recht zufrieden. Das findet Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bemerkenswert – nach den Schocks über die miesen deutschen Ergebnisse der Pisa-Schulleistungs- studien und den Diskussionen über mangelndes Leistungsvermögen und Werteverfall bei Kindern.


Familie und Gummibärchen


Die positiven Ergebnisse könnten aber auch die natürliche Folge einer gesellschaftlichen Entwicklung sein, sagt Studienkoordinator Alexander Schwerin. Immer mehr Eltern arbeiteten, auch weil ein Gehalt für eine Familie nicht mehr reiche. Die Zahl der Ganztagsschulen wachse – und Kinder verbrächten mehr Zeit mit ihren Lehrern als früher. Und viele Pädagogen verstehen sich nicht mehr als reine Pauker.

Die wichtigsten Bezugspersonen für Kinder bleiben trotzdem die Eltern – vor allem Mama. Familie und Freundschaft, zeigt die Umfrage, sind für Kinder in Deutschland das Wichtigste im Leben. Es folgen Vertrauen, Zuverlässigkeit, Geborgenheit und Ehrlichkeit in der Werteskala – und dann kommt auch schon die Bildung. „Ich muss viele Kenntnisse besitzen, viel wissen und um gute Zensuren kämpfen, damit ich später nicht arm bin“, sagt ein neunjähriger Junge.

Für Hans Bertram, Bildungsforscher an der Berliner Humboldt-Universität, sind die guten Noten für die Lehrer Ausdruck der wachsenden Bedeutung persönlicher Bindungen. „Die Welt wird immer flüchtiger und virtueller“, sagt der Professor. „Kinder suchen nach Menschen, die auch morgen noch für sie da sind.“ Bertram rät dazu, sich nicht so viele Sorgen um die Entwicklungen der Medienwelt zu machen – sondern eher darum, dass Kinder feste Bezugspersonen haben.

Was ist das Beste an Ganztagsschulen? Das Mittagessen, antworteten die meisten Kinder in der Umfrage. Das klingt zum Schmunzeln, doch sie sagen auch, wie sie das meinen: Kontakte über den Unterricht hinaus. Viele Eltern empfinden die Betreuung am Nachmittag als positiv – und nicht als Outsourcing ihrer Pflichten. Das schlechte Gewissen berufstätiger Eltern halten Forscher ohnehin für unnötig. Denn die Kinder haben nichts dagegen, dass Mama und Papa lange arbeiten, wenn es Alternativen gibt.

Für Werteverfall, Egozentrik und Bildungskatastrophe fand der Soziologe Martin Dornes vom Frankfurter Institut für Sozialforschung wenig Belege. Was sich Kinder wünschen, spricht ohnehin für sich: eine glückliche Familie, Arbeit für Mama und Papa, gute Noten in der Schule, keinen Krieg – und immer genug Gummibärchen.


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