Wassermangel auf Balearen-Insel : Mallorca lechzt nach Wasser

 Hinweisschild zum Wassersparen für Hotelgäste
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Hinweisschild zum Wassersparen für Hotelgäste

Weil es im Winter kaum geregnet hat, sind die Wasserreserven auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren

svz.de von
09. August 2016, 08:00 Uhr

Ein Tanklaster bringt täglich zehn Tonnen Leitungswasser nach Estellencs, um die Wasserspeicher des kleinen Dorfes an der Nordwestküste Mallorcas aufzufüllen. Das Rathaus erließ zudem eine Verordnung, die den Maximalverbrauch pro Haushalt und Tag auf 300 Liter beschränkt und den Bürgern verbietet, Trinkwasser zum Befüllen von Pools und zum Gießen der Gärten zu verwenden. „Das kontrollieren wir auch, und wer sich wiederholt nicht daran hält, dem drehen wir das Wasser ab“, sagt Bürgermeister Bartomeu Jover. Dank dieser Maßnahmen sei die Wasserversorgung weiterhin gewährleistet. Aber irgendwann im August „wird es mancherorts unangenehm werden“, befürchtete jüngst der Rathauschef.

Wenig später schlug die Regierung der Balearen für das Innere Mallorcas Alarm: Nach einer Art Vorwarnung im Juni wurde dieser Tage wegen der anhaltenden Trockenheit die Warnstufe „Alerta“ ausgegeben. Auf der erst im Frühjahr eingeführten vierstufigen Warnskala folgt nur noch die „Emergencia“, der Notstand.

Dass Wasser auf der spanischen Urlaubsinsel jetzt ein besonders kostbares Gut ist, liegt daran, dass es im Winter kaum geregnet hat und sich die Grundwasserreserven nicht erholen konnten. Im Juli waren sie im Schnitt nur noch zu 44 Prozent gefüllt, der Pegel war damit so tief gesunken, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch die zwei Stauseen im Tramuntana-Gebirge, der Gorg Blau und der Embalse de Cúber, die etwa ein Drittel des Leitungswassers für die Inselhauptstadt Palma bereitstellen, geben ein klägliches Bild ab.

Die Urlaubermassen, die in der angelaufenen Rekordsaison über die Insel hereinbrechen, dürften die Wasservorräte weiter schrumpfen lassen. Ein Tourist verbraucht schließlich im Schnitt 440 Liter Wasser, gut drei Mal so viel wie ein Einheimischer, hat Iván Murray, Geograf an der Balearen-Universität, errechnet.

In weiser Voraussicht hat die Inselregierung deshalb bereits im Frühjahr die Entsalzungsanlagen in Palma, Andratx und Alcúdia wieder hochgefahren, die zuletzt – weil man sich lieber auf den Regen verließ – größtenteils stillgelegt waren. Seitdem verwandeln sie auf Hochtouren Meer- in Leitungswasser, auch wenn das einen mitunter unangenehm salzigen Geschmack auf der Zunge hinterlässt.

Darüber hinaus hat die Insel ein weiteres Problem: Das Leitungsnetz ist löchrig wie ein Schweizer Käse, ein Viertel des Wassers geht auf dem Weg zum Verbraucher verloren. Viele Gemeinden legten daher hastig Sanierungsprogramme auf oder begannen, Lecks behelfsartig zu flicken. Doch die akute Wassernot scheint damit nicht gelindert.

Besorgniserregend ist die Lage unter anderem in den Bergdörfern an der Nordküste, wo das Wasser vor allem aus unterirdischen Quellen kommt. In Dörfern wie Deià, Valldemossa und Banyalbufar wurden Verordnungen erlassen, die Bürger zum Wassersparen verpflichten. Dennoch muss – wie in Estellencs – bei der Versorgung inzwischen mit Tanklastern nachgeholfen werden. Das Wasser auf Rädern ist jedoch um ein Vielfaches teurer, weshalb diese Maßnahme zunehmend für Unmut sorgt.

Mateu Ferrá, Bürgermeister in Banyalbufar, polterte unlängst in einem Zeitungsbericht, er müsse bereits zehn Prozent des Gemeindeetats für die Wasserlieferungen opfern. Seine Forderung: Die Regierung solle doch bitte einen Teil der Einnahmen aus der neuen Touristensteuer zur Bekämpfung des Wassernotstands verwenden. Entspannter ist die Lage derzeit noch in der Bucht von Palma – der am dichtesten besiedelten Region der Insel. Weder in Palma noch in der Urlauberhochburg Arenal werde es zu Versorgungsengpässen kommen und auch nicht zu Verbrauchsbeschränkungen, versichert Joana Maria Garau, die Leiterin des balearischen Wasserwirtschaftsamts. In zahlreichen Hotels liegen Flyer der Stadtwerke und der Inselregierung aus, die die Urlauber zum sparsamen Umgang mit dem knappen Gut aufrufen. Im Tourismusministerium ist man noch gelassen. „In den Hochburgen gibt es genug Wasser“, sagt eine Sprecherin.

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