Schweden : Luftangriff aufs Königsschloss

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Seeschwalben greifen schwedische Soldaten an. Armee will Tiere abschießen, Vogelschützer kündigen Widerstand an

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16. Mai 2017, 12:00 Uhr

Eines der schwedischen Königsschlösser steht erneut einem Angriff gegenüber. Im vergangenen Sommer waren es Pokémonjäger, die des Nachts die Königswachen zum Einsatz im Sommerschloss des Monarchen auf der Insel Öland zwangen. Zumindest musste König Carl XVI. Gustafs Nachtruhe deshalb nicht unterbrochen werden. Die jungen Eindringlinge zogen wieder friedlich ab. Diese Mal ist die Sachlage verzwickter. Es geht um sehr aggressive, aber geschützte Vögel, die im Park des Hauptwohnsitzes von König und Königin, am imposanten Schloss Drottningholm, bei Stockholm nisten.

Weil ein Teil des idyllisch am Mälarsee gelegenen Schlosses auf der Insel Lovön auch für Touristen geöffnet ist, während ein anderer Flügel das Königspaar beherbergt, muss der königliche Wachschutz dort sehr präsent sein. Regelmäßig patrouillieren die von Schwedens Armee abgestellten Soldaten im Park der Schlossanlage auf und ab.

Doch aktuell werden diese Soldaten regelmäßig aus der Luft von wütenden Seeschwalben angegriffen. Es ist bekannt, dass diese sich vor allem in der Brutphase sehr aggressiv gegenüber Eindringlingen verhalten. Die Königswache sieht sich deshalb außerstande, ihren Schutzauftrag ordnungsgemäß zu vollziehen. Gegen Vogelangriffe aus der Luft ist Schwedens Armee nicht ausgebildet. „Für die Wache ist das ein großes Problem, sie hat uns immer wieder deshalb kontaktiert. Wir müssen das nun so gut es geht lösen“, umschreibt Stefan Wirtén, Schlossvogt von Drottningholm, vorsichtig in der Zeitung „Expressen“ das Problem.

Das Boulevardblatt hat herausgefunden, dass Hof und Armee nun einen Antrag bei der kommunalen Verwaltung gestellt haben, um zehn der geschützten Vögel am Schloss mit Gewehren abzuschießen. Der Antrag zielt auf eine Schutzjagd ab, die Ausnahmen vom Artenschutz gewährt, wenn das Wohl von Menschen in Gefahr ist. Normalerweise kommt das in Schweden nur bei Wölfen zur Anwendung, die Menschen oder Vieh bedrohen. „Wir haben bereits alle anderen Methoden ausprobiert, die uns eingefallen sind, und das ist der letzte Ausweg für uns“, sagt Wirtén. Ob auch das Königspaar selbst sich von den angriffslustigen Vögeln bedroht fühlt, will er nicht kommentieren. Noch ist über den Antrag nicht entschieden. Vogelschützer wollen die flatternden Zweibeiner um jeden Preis beschützen und haben Widerstand angekündigt. „Das ist doch lachhaft, deshalb eine Schutzjagd zu beantragen. Weil einige Schwalben aggressiv gegenüber Wachen sind. Es geht hier um Vögel, die maximal 100 Gramm wiegen“, protestiert Sören Lindén, Vogelschutzbeauftragter des einflussreichen Ornithologischen Vereins Stockholms. „Das hier sind keine gefährlichen Vögel, welche die Soldaten, die das Schloss Drottningholm beschützen, zu Tode hacken“, sagt er.

Dennoch: Der amtliche Beschluss zum Schwalbenabschuss soll noch im Mai fallen.

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