Reiselust der Deutschen : Lieber MeckPomm als Côte d’Azur

An der Ostsee (l.) gibt es  keine Palmen, aber bei Traumwetter wie in diesem Jahr  ist es dort fast genauso mediterran wie an der Côte d’Azur (r.).

An der Ostsee (l.) gibt es  keine Palmen, aber bei Traumwetter wie in diesem Jahr  ist es dort fast genauso mediterran wie an der Côte d’Azur (r.).

Urlaubsgebiete an der Ostseeküste sind zu etwa 90 Prozent ausgelastet. Krisen wirken sich aufs Reiseverhalten aus.

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18. August 2015, 12:00 Uhr

Das viertliebste Urlaubsziel der Deutschen ist Mecklenburg-Vorpommern. Das Bundesland reiht sich beim internationalen Vergleich laut der Reiseanalyse 2015 des Tourismusverbandes gleich hinter Spanien, Italien und der Türkei und noch vor Kroatien und Frankreich ein. Wer an der Küste Urlaub machen will, sollte sich beeilen.

Im vergangenem Jahr kamen so viele Touristen wie noch nie. 28,7 Millionen Übernachtungen wurden an das Statistische Landesamt gemeldet. Ob dieser Rekord in diesem Jahr gebrochen werden kann, lässt sich noch nicht sagen, so eine Sprecherin des Tourismusverbands: „Nach unserer Einschätzung haben wir derzeit eine Auslastung von rund 90 Prozent, da derzeit alle Bundesländer Ferien haben.“ Momentan sei die Stimmung in der Branche trotz des sehr wechselhaften Wetters positiv. Spätentschlossene müssten an der Küste mit der zweiten oder dritten Reihe vorlieb nehmen. „Wer sich etwas Zeit für die Zimmersuche nimmt, findet noch ein Plätzchen. Die erste Reihe mit Strandblick hätte man allerdings schon etwas früher buchen müssen“, so die Sprecherin.

Wen es lieber in die Ferne zieht, der muss sich ebenfalls beeilen. Vor allem beliebte Ferienziele wie Mallorca oder auch Kroatien sind sehr nachgefragt, hat eine Umfrage unserer Zeitung unter Reisebüros aus der Region ergeben. „Es wird immer schwieriger. Die Kapazitäten sind erschöpft“, so Anna-Sabrina Prohl vom Reisebüro „Last minute und mehr“ in Laage.

Viele Urlauber weichen derzeit den sonst typischen Reisegebieten wie Griechenland, Türkei und auch Tunesien aus. Die Entwicklungen der letzten Monate verunsicherten viele Touristen.

Das spüren auch vermehrt die Reisebüros in der Region. „Ja, die Türkei wurde extrem umgebucht. Das hätten wir auch nicht gedacht“, sagt Mandy Gerber, Mitarbeiterin von „Kofahl-Reisen“, in Wismar. Am 20. Juli starben bei einem Anschlag in der türkischen Grenzstadt Suruc 30 Menschen. Seit dem 24. Juli fliegt die türkische Luftwaffe Luftangriffe gegen PKK- und ISIS-Stellungen in Syrien und im Irak. „Dies hat bisher keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Ferienregionen“, beruhigt das Auswärtige Amt. Es empfiehlt dennoch vor allem Grenzgebiete sowie belebte Plätze im innerstädtischen Bereich und Verkehrsmittel des öffentlichen Personenverkehrs zu meiden. Auch Aida Cruises reagierte direkt auf die Verschärfung der Sicherheitshinweise. Der Kreuzfahrtanbieter hat Istanbul bei einer Kreuzfahrt der „Aidastella“ im August aus dem Programm genommen. Ob weitere Fahrten betroffen sind, will die Reederei im Einzelfall entscheiden.

Ebenfalls verunsichert zeigen sich Urlauber bei Reisen nach Griechenland, weiß Gerber: „Wir hatten mehrere Umbuchungs-Anfragen.“ Meistens könnte man die Verunsicherung jedoch mit ein paar beruhigenden Worten beilegen. Vor allem auf den Inseln würde man von der Euro-Krise nur wenig mitbekommen. „Man kann da auch Geld vom Automaten holen.“

Anders sehe es da bei Tunesien aus. Der Terroranschlag auf ein Strandhotel mit 38 toten Urlaubern Ende Juni hat sich extrem auf die Gästezahlen ausgewirkt. Urlauber, die schon vor dem Anschlag gebucht haben, könnten kostenlos umbuchen. „Die Rückgänge sind dramatisch“, sagte der Sprecher des Deutschen  Reiseverbands, Torsten Schäfer. Das Minus bei den deutschen Gästen liege deutlich im zweistelligen prozentualen Bereich.

Kurzentschlossene ziehe es derzeit vor allem auf die spanischen und italienischen Inseln. Dabei gehe der Trend von Aktivurlaub wieder mehr hin zum Strandurlaub. All-inclusive-Angebote seien vor allem bei Familien mit Kindern beliebt. Diese würden auch immer mehr Kreuzfahrten buchen, sagt Mandy Gerber. „Ab Warnemünde sind viele Schiffe komplett ausgebucht.“

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