Mord an Studentin : Lebenslange Haft für Hussein K.

Unter einem großen Medienaufgebot wird der zu lebenslanger Haft verurteilte Hussein K. abgeführt.
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Unter einem großen Medienaufgebot wird der zu lebenslanger Haft verurteilte Hussein K. abgeführt.

Landgericht verhängt Höchststrafe gegen Flüchtling wegen Mordes. Täter will in Revision gehen

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22. März 2018, 19:30 Uhr

An den Anblick von Hussein K. hatten sich alle gewöhnt. Der schlurfende Gang beim Weg in den Verhandlungssaal des Freiburger Landgerichts. Die klirrenden Fesseln an Händen und Füßen, die ihm in den insgesamt 25 Prozesstagen nicht ein einziges Mal abgenommen wurden. Die teigige, ausdruckslose Blässe seines Gesichtes und den zwischen den hängenden Schultern tief auf die Brust gesenkten Kopf. Und doch blieb der Mann bis zum Schluss ein Unbekannter, von seinem Innenleben drang nichts nach außen und von außen, so schien es, nichts zu ihm nach innen. „Letztlich sind Sie uns ein Rätsel geblieben“, sagt die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk gestern nach der Urteilsverkündung dem Flüchtling, der die junge Studentin Maria L. im Oktober 2016 in Freiburg vergewaltigte und zum Sterben in einen Fluss legte, wo sie ertrank.

Fakten zum Fall Hussein K.

Die Tat in Freiburg ereignete sich in der Nacht zum 16. Oktober 2016 gegen 3 Uhr. Die 19 Jahre alte Studentin, die alleine mit dem Fahrrad von einer Party auf dem Weg nach Hause war, wurde überwältigt und vergewaltigt. Sie starb am Tatort.

Festgenommen wurde Hussein K. am 2. Dezember 2016 in Freiburg. Seit dem 5. September 2017 stand er vor Gericht.

Nach Deutschland kam er Behördenangaben zufolge ohne Papiere am 12. November 2015. Als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling stand er in der Obhut des Jugendamts und wohnte in Freiburg bei einer Pflegefamilie. Dort lebte er von Ende April 2016 bis zu seiner Festnahme. Betreut wurde er im Auftrag des Jugendamts von einer privaten Jugendhilfeorganisation.

Wegen einer Gewalttat an einer Frau im Jahr 2013 auf der Insel Korfu war Hussein K. in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Nach seiner Freilassung tauchte er unter und kam nach Deutschland. Von der Tat auf Korfu wussten deutsche Behörden nichts.

Die Pflegefamilie in Freiburg hatte nach Angaben des Jugendamts keine Genehmigung zur Unterbringung von Flüchtlingen, wie sich am Rande des Prozesses herausstellte. Die private Jugendhilfeorganisation gab nach Medienberichten zu, mit den Ämtern falsch abgerechnet und zu viel Geld erhalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat nach Angaben einer Sprecherin Ermittlungen gegen die Organisation aufgenommen. Die zwei beteiligten Jugendämter haben in dem Prozess Vorwürfe zurückgewiesen. Gegen sie wird laut Justiz nicht ermittelt.

 

In klaren Worten begründet die Richterin die Höchststrafe gegen den Angeklagten, sie blickt mehrfach in seine Richtung, spricht den Mann, der nicht aufsieht, direkt an: Lebenslang lautet der Spruch der Kammer, die auch die besondere Schwere der Schuld feststellt und sich die Sicherungsverwahrung vorbehält. Die Tat zeichnet sie nochmals nach in vielen schwer erträglichen Details: Die Bisse in Marias Wange, Brust und Unterleib. Das kraftvolle, entschlossene Würgen mit Schal und Hand, die mehrfache Vergewaltigung der bewusstlosen Frau, die deutlich sichtbar noch atmete, deren Verletzungen nicht tödlich waren. Maria hätte wohl überlebt und wäre zu retten gewesen, wenn K. sie nicht zum Ertrinken durch ein Dornengebüsch ins Wasser geschleift hätte.

Akribisch geht die Richterin auch auf das enorme Interesse der Öffentlichkeit ein, auf die scheinbare politische Dimension und die Diskussionen, die der Fall auslöste. Wie zur Untermalung ist durch die Fenster des Saales ein knappes Dutzend skandierender Rechtspopulisten zu hören. Sie stehen auf der Straße vor dem Gericht und prangern den Fall Hussein K. als Symbol für verfehlte Flüchtlingspolitik an. Wie zur absichtlichen Versachlichung betont Schenk: „Die Tat ist nicht von einem Ausländer, einem Flüchtling, einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling, einem Mann verübt worden – sondern von einem Menschen“, sagt Schenk: „Von Ihnen, Herr K.“

Blumen und Kerzen erinnern an die ermordete Studentin Maria, die im Fluss ertrank.
Patrick Seeger
Blumen und Kerzen erinnern an die ermordete Studentin Maria, die im Fluss ertrank.
 

Das Alter des Angeklagten, es war während des mehr als sechs Monate dauernden Prozesses ein Dauerthema und fachte die Empörungsdebatten immer wieder aufs Neue an. Als angeblich minderjähriger Flüchtling ohne Papiere eingereist, genoss K. die Vorteile der Betreuung von unter 18-jährigen Flüchtlingen, lebte in einer Pflegefamilie mit Taschengeld und großen Freiheiten.

Ende Dezember vergangenen Jahres soll ein ebenfalls angeblich jugendlicher Flüchtling im rheinland-pfälzischen Kandel eine 15-Jährige erstochen haben. Auch bei ihm gab es Zweifel am Alter, und die Wogen schlugen hoch. Viele stellten die liberale Flüchtlingspolitik der Bundesregierung infrage, heftige Kritik an zu laxer Handhabung der – wissenschaftlich sehr schwierigen – Altersbestimmung junger Flüchtlinge bestimmt bis heute viele Diskussionen.

Doch der Mord an der 19 Jahre alten Studentin in Freiburg „hätte auch durch kein Gesetz, keine bessere Ausstattung der Polizei, keine andere Betreuung verhindert werden können“, so das Gericht. Denn der Mord an Maria sei begründet im Charakter des Angeklagten und seiner Unfähigkeit, sich in das Leid eines anderen, insbesondere Frauen, hineinzuversetzen. Er habe die Tat geplant – und nicht, wie von ihm behauptet, betrunken im Affekt begangen. „Sie haben keineswegs bekifft und besoffen in den Tag hineingelebt“, sagt die Richterin. „Drogen, Herr K., sind nicht Ihr Problem. Es ist Ihr fehlendes Mitgefühl, Ihre starke Ichbezogenheit, die wenig Hoffnung für Therapie geben – auch nach einem langen Strafvollzug.“

Am vorläufigen Ende eines aufreibenden Mordprozesses mit vielen Lügen in spärlichen Aussagen des Angeklagten, der bereits Revision ankündigen ließ, steht ein Urteil, das an Klarheit wenig zu wünschen übrig lässt. „Das Ergebnis ist ein richtiges und ein gerechtes“, sagt Bernhard Kramer, Nebenklägeranwalt der Eltern von Maria. Sie waren wegen ihrer seelischen Verfassung an keinem der Prozesstage anwesend. Stattdessen gründeten sie die Maria Ladenburger-Stiftung, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen beistehen und die Erinnerung wachhalten soll an ihr ermordetes Kind.

Kommentar von Marion Trimborn: Was der Fall Hussein K. lehrt

Der Fall ist ein Albtraum der Asylpolitik. Der Mord an der Freiburger Studentin durch Hussein K. 2016 hat ein Schlaglicht auf die Mängel der Flüchtlingspolitik geworfen. Er belegt Schlamperei der Behörden und fehlende Zusammenarbeit zwischen den EU-Ländern.

Aus dem Fall ist einiges zu lernen. Etwa, dass es sich bei Flüchtlingen zu einem großen Teil um junge Männer handelt, die, statistisch gesehen, schon aufgrund ihres Alters häufiger straffällig werden. Die Verachtung von Hussein K. gegenüber seinem Opfer zeigt auch, dass der kulturelle Hintergrund bei vielen Flüchtlingen aus dem islamischen Raum eine Geringschätzung von Frauen mit sich bringt. Wie gut kann da die Integration gelingen?

Dass Flüchtlinge wie der damals vermutlich 22-jährige Hussein sich immer wieder jünger machen, um als Minderjährige Vorteile zu genießen, muss Konsequenzen haben. Gut, dass die Große Koalition die Altersfeststellung einheitlich regeln will und auf Ankerzentren setzt – auch wenn das drei Jahre nach der Flüchtlingskrise etwas spät kommt.

Völlig unverständlich bleibt aber, dass sich Union und SPD immer noch um eine Antwort auf die Frage drücken, ob und wie viel Zuwanderung es in Deutschland künftig geben soll.

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