Eberhard Vogel wird 75 : Kunstschütze und Rekordkicker

Eberhard Vogel heute: Auch mit 75 gehorcht ihm der Ball noch immer.
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Eberhard Vogel heute: Auch mit 75 gehorcht ihm der Ball noch immer.

DDR-Auswahlstürmer Eberhard „Matz“ Vogel wird heute 75, noch heute regelmäßig Ehrengast bei Spielen von Carl Zeiss Jena

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08. April 2018, 05:00 Uhr

Die Szene, die sein Fußballer-Leben prägte, kann Eberhard Vogel noch heute traumhaft sicher wiedergeben. „Dribbling halbrechts, 40 Meter Entfernung. Den Ball auf den linken Fuß und das Ding ins Dreiangel reingehauen.“ Es ist der 25. November 1970, als dem Jenaer im Länderspiel im legendären Wembley-Stadion beim 1:3 der DDR gegen England der denkwürdige Treffer gelingt. Keeper Peter Shilton hatte vor 100 000 Zuschauern gegen den gewaltigen Kunstschuss keine Chance. Es war eines von 25 Länderspieltoren, das der am Sonntag 75 Jahre alt werdende Vogel in 74 Länderspielen erzielte.

Aber es war auch nicht der einzige Treffer mit Seltenheitswert in Vogels Karriere. Beim 4:1-Sieg der DDR-Auswahl über die UdSSR-Elf am 28. Juni 1964 im Entscheidungsspiel zur Olympia-Qualifikation in Warschau hatte Vogel den russischen Torwart mit einem direkt verwandelten Eckball überrascht. „Mit dem linken Außenrist. Das war früher etwas Ungewöhnliches“, erzählt er. „Die Russen haben sich so sehr geärgert, dass der Spielball dran glauben musste. Sie haben wohl einfach reingestochen.“ Als Beweis holt er den kaputten Ball aus dem Trophäenschrank. Dort liegen auch die zwei olympischen Bronzemedaillen von Tokio 1964 und München 1972.

Wenn Vogel heute im Kreise der Verwandtschaft sein Jubiläum begeht, gehört mit Konrad Weise auch ein ehemaliger Mitspieler zu den Gästen. Zahlreiche Erlebnisse beim Thüringer Traditionsclub und mit der DDR-Nationalmannschaft verbinden. „Ich glaube, Eberhard Vogel war einer der besten Linksbeiner, die es je gab. Ich war froh, dass er von Karl-Marx-Stadt nach Jena gekommen ist und uns in der Oberliga mit seinen Toren viel geholfen hat“, sagt Weise über seinen Freund.

Ein Jahr nachdem ihn die DDR-Sportjournalisten zum Fußballer des Jahres 1969 gewählt hatten, delegierte der Verband Vogel nach Jena.

Mehr oder weniger von heute auf morgen hatte „Matz“, wie er genannt wurde, davon erfahren. Doch bereut habe er diesen Schritt nie. „Denn mit Jena habe ich 50 Europapokalspiele gemacht. Die hätte ich beim FC Karl-Marx-Stadt nicht erlebt“, berichtet der Jubilar. In der Oberliga absolvierte der Ausnahmeangreifer für den FC Karl-Marx-Stadt 198 Punktspiele (70 Tore), für den FC Carl Zeiss Jena wurde er in 242 Partien aufgeboten (118 Tore). Mehr als 188 Tore hatte nur Joachim Streich (229) erzielt. Mit insgesamt 440 Einsätzen avancierte Eberhard Vogel zum Rekordspieler in der DDR-Oberliga.

Kurz vor seinem Karriereende stand Vogel mit seinem FC Carl Zeiss vor seinem größten Triumph im europäischen Fußball. Doch im Finale des Europacups der Pokalsieger unterlagen die Thüringer am 13. Mai 1981 in Düsseldorf Dynamo Tbilissi mit 1:2. „Ich ärgere mich noch heute, dass wir es nicht geschafft haben, weil wir so nahe dran waren“, sagt der Wahl-Jenaer.

Nach der Karriere gab der Diplom-Sportler seinen Erfahrungsschatz als Trainer weiter. Unter seiner Regie wurden die DDR-Junioren 1986 Europameister und ein Jahr darauf WM-Dritter. „Wir hatten damals eine gute Truppe, aus der nicht nur Matthias Sammer seinen Weg gemacht hat“, betont Vogel. Das Ende des DDR-Fußballs erlebte Eberhard Vogel als Assistenztrainer der letzten Nationalelf an der Seite von Eduard Geyer. Bei den Heimspielen des heutigen Drittligisten Jena gehört Vogel fast immer zu den Ehrengästen.

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