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Neue Pisa-Studie : Krasses Schulversagen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fast jeder fünfte Schüler scheitert schon an leichtesten Aufgaben. Die Kultusminister-Präsidentin spricht von einem guten Ergebnis

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 20:00 Uhr

Eine neue Pisa-Auswertung nimmt Deutschlands Problemschüler in den Blick. Demnach gilt fast jeder fünfte Jugendliche in der Bundesrepublik als extrem leistungsschwach. Sie würden bei einfachsten Leseaufgaben versagen, „bei denen es wirklich nur darum geht, einen Sinn zu verstehen oder einfachste Informationen zu extrahieren“, erklärte Andreas Schleicher, Pisa-Koordinator. Hintergründe zur Debatte über die neue Pisa-Auswertung von Rasmus Buchsteiner.

Welche Schüler stehen bei der neuen PISA-Auswertung im Fokus?
Es geht um Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren, die bei den Pisa-Studien mit ihren Leistungen unterhalb der von den Forschern definierten Kompetenzstufe 2 liegen. Diese wird gleichgesetzt mit der Fähigkeit, „vollständig am Leben in einer modernen Gesellschaft teilnehmen zu können“. Die neuesten Daten in der Studie stammen von 2012.

Bei welchen Aufgaben scheitern diese Schüler?
Zu den Aufgaben zählt das gezielte Auswerten von Tabellen, das Umrechnen von Geldbeträgen von Euro in Dollar oder das Lesen und Verstehen einfacher Texte. 18 Prozent – etwa 140  000 Schüler – gelten in Mathematik als besonders schwach, 14 Prozent beim Lesen und zwölf Prozent in den Naturwissenschaften. Neun Prozent gelten als besonders leistungsschwach in allen drei Bereichen. Mit diesen Werten liegen Deutschlands Schüler jedoch teils deutlich oberhalb des Durchschnitts der OECD-Länder.

Wie hat sich die Zahl der „Schulversager“ in Deutschland entwickelt?
Es gibt deutliche Verbesserungen. Bei den besonders leistungsschwachen Mathematik-Schülern ist seit 2003 ein Rückgang um vier Prozentpunkte zu verzeichnen. Der Anteil der Jugendlichen mit erheblichen Schwächen im Lesen und beim Textverständnis nahm im gleichen Zeitraum um acht Prozentpunkte ab. „Die Richtung stimmt“, erklärte der Berliner Bildungsforscher Klaus Hurrelmann gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

Worauf führt die OECD die Verbesserungen zurück?
Auf einen Mix von Maßnahmen – vor allem auf den Ausbau der vorschulischen Bildung in Kitas sowie frühkindliche Sprachtests und Förderung. Allerdings: Auch die neue Auswertung zeigt unverändert „Risikofaktoren“. Bei Kindern aus sozial schwachen Schichten ist es wahrscheinlicher, dass sie zu besonders leistungsschwachen Schülern werden, als bei Kindern aus wohlhabenderen Schichten.

Wie bewerten die Kultusminister die Ergebnisse der Studie?
Die fühlen sich bestätigt. Die Daten der neuen Pisa-Auswertung würden zeigen, „dass Deutschland im internationalen Vergleich gut da steht und wir in vielen Punkten über dem OECD-Durchschnitt liegen“, so Claudia Bogedan (SPD), Bildungssenatorin in Bremen und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz.


Wie gross ist die Gefahr, dass Flüchtlingskinder zuSchulversagern werden?
Bildungsforscher und Lehrerverbände haben wiederholt darauf hingewiesen, dass zehntausende neue Lehrer benötigt werden. Experte Hurrelmann hält das deutsche System pädagogisch-didaktisch allerdings für gerüstet. „Wir haben gelernt, dass es wichtig ist, von früh an festzustellen, was ein Kind kann und was nicht – vor allem bei der sprachlichen Kompetenz.“, so der Bildungsforscher.

 

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