Größere Wohnungen erschwinglich : Kostspieliges Wohnen?

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Trotz Mietpreisbremse steigen die Mieten. Menschen können sich dennoch größere Wohnungen leisten

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15. August 2016, 20:55 Uhr

Dank der Einkommenszuwächse der vergangenen sechs Jahre können sich laut einer Studie auch viele Mieter in Mecklenburg-Vorpommern größere Wohnungen leisten. Beim Einsatz von 25 Prozent des verfügbaren Einkommens seien Haushalte in der Lage, bis zu sieben Quadratmeter größere Wohnungen zu finanzieren, ergaben Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Der Grund: Die Mieten sind seit dem Jahr 2010 mit durchschnittlich 10,2 Prozent weniger stark gestiegen als das verfügbare Einkommen der Haushalte, das um 11,5 Prozent zulegte.

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Kritik an den Berechnungen kommt vom Geschäftsführer des Landesmieterbundes, Christian Rudolph. Wegen des geringen Lohnniveaus in MV müssten eine ganze Reihe von Familien 30, manchmal bis zu 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete einsetzen, so Rudolph. Zudem würden 50 000 Sozialwohnungen fehlen. Hintergründe von Annika Grah:

Wie entwickelt sich der Mietmarkt?

Die Mieten sind laut IW in den vergangenen sechs Jahren um 10,2 Prozent gestiegen. Besonders dramatisch ist die Zunahme in Berlin mit 26 Prozent und in Hamburg mit 12 Prozent. Allerdings liegt die Durchschnittsmiete nur in 20 der 402 Kreise über 9 Euro je Quadratmeter, deutschlandweit zahlt man im Schnitt 6,90 Euro. Bezogen auf die Einkommen gibt das IW Entwarnung: Weil diese im gleichen Zeitraum um 11,5 Prozent stiegen, können sich die Menschen vielerorts größere Wohnungen leisten.

Wie entwickelt sich die Situation in MV

Laut Studie wuchs im Landkreis Rostock die mit einem Viertel des Einkommens bezahlbare Wohnfläche von 87 auf 94 Quadratmeter, im teureren Rostock selbst von 67 auf 72 und in Schwerin von 79 auf 83 Quadratmeter. In Nordwestmecklenburg ging die bezahlbare Wohnfläche sogar um 5 auf 88 Quadratmeter zurück.

Wie viel Geld sollte man eigentlich für die Wohnung ausgeben?

„25 Prozent des verfügbaren Einkommens sehen wir als vernünftiges Maß für eine Mietbelastung an“, sagt Ralph Henger, IW-Volkswirt mit dem Schwerpunkt Finanz- und Immobilienmärkte. „Kritisch wird es, wenn mehr als ein Drittel des Einkommens für die Miete verwendet wird.“

Gibt es auch Kritik?

Der Geschäftsführer des Landesmieterbundes, Christian Rudolph, äußerte sich kritisch zu den formalen Berechnungen. „Wir haben trotz der Steigerungen noch immer das geringsten Lohnniveau in ganz Deutschland. Eine ganze Reihe von Familien muss 30, manchmal bis zu 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete einsetzen“, berichtete Rudolph. Er verweis auf andere Studien, nach denen in MV etwa 50 000 Sozialwohnungen mit Mietpreisen nicht über 5,50 Euro je Quadratmeter fehlen.

Sollte nicht die Mietpreisbremse hohen Steigerungen entgegenwirken?

Erste Studien legen nahe, dass die 2015 eingeführte Regelung bisher keine Wirkung zeigt. „Die Mietpreisbremse ist in unseren Augen klassische Symbolpolitik“, sagt Henger. „Sie wirkt – wenn überhaupt – nur schwach, und dabei nicht mal in die richtige Richtung.“ Und auch beim Mieterbund sieht man keinen Effekt. „In Großstädten und Ballungszentren sind die Preissteigerungen nicht erklärbar, wenn die Mietpreisbremse greifen würde“, sagt ein Sprecher.

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