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Weltraumbahnhof Wostotschny : „Kosmonauten sind Helden“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für die stolze Raumfahrtnation Russland beginnt heute eine neue Zeitrechnung: Vom neuen Weltraumbahnhof Wostotschny soll erstmals eine Sojus-Rakete abheben

Der Countdown läuft. „Wostotschny verkörpert alles, was der Mensch im 21. Jahrhundert leisten kann“, schwärmt Igor Komarow (51), Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, im Interview mit Wolfgang Jung und Thomas Körbel.

Was kann Wostotschny besser als der derzeitige Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan – abgesehen davon, dass er moderner ist?

Komarow: Baikonur ist mehr als 60 Jahre alt. In dieser Zeit hat die Raumfahrttechnologie doch ein völlig neues Niveau erreicht. Der Weltraumbahnhof ist kompakt und hat einen mobilen Kontrollturm. Diese einzigartige Einrichtung erhöht gleichzeitig die Sicherheit des Startpersonals. Zudem zeichnet sich Wostotschny durch eine ganz neue Logistik aus, die Zeit und Geld spart. Nicht zuletzt ist es der erste zivile Weltraumbahnhof in der Geschichte Russlands. Wirtschaftlich gesehen soll Wostotschny auch die Konjunktur im Fernen Osten stimulieren. Das bedeutet neue Arbeitsplätze und Verkehrswege.

Wie geht es weiter mit Baikonur, wenn von Wostotschny auch Menschen ins All starten?

Ganz einfach. Russland hat Baikonur noch bis 2050 von Kasachstan gepachtet. Wir werden von dort also auch künftig Satelliten ins All schießen, darunter mit Proton-Raketen. Denn ein Startplatz für diese Trägerraketen ist in Wostotschny nicht geplant. Bemannte Flüge werden wohl bis 2023 nur von Baikonur erfolgen.

Einmal heißt es, Russland wolle so schnell wie möglich zum Mond oder Mars, dann wiederum berichten Medien, Moskau wolle zunächst doch lieber eine eigene Raumstation. Was hat denn nun Priorität?

Wir wollen 2030 erstmals einen russischen Kosmonauten zum Mond bringen. Daneben ist der Bau einer Mond-Basis geplant, dazu erforschen wir detailliert den Südpol des Mondes. Grundsätzlich wollen wir unsere Satelliten, die sogenannte Orbitalgruppierung, bis 2025 fast komplett erneuern. Was die Internationale Raumstation ISS betrifft: Hier laufen die Vereinbarungen mit den Partnern noch bis 2024. Wir verfügen über die nötigen Module für eine mögliche Nachfolgebasis. Im Moment setzen wir aber auf das laufende Projekt. Am Bau einer neuen Raumstation werden wir uns beteiligen, ebenso an internationalen Programmen zur Erforschung des Sonnensystems.

Der twitternde Deutsche Alexander Gerst, der singende Kanadier Chris Hadfield: Im Westen werden Raumfahrer oft wie Pop-Stars präsentiert. Warum ist das in Russland nicht so?

Einspruch. In Russland sind viele Kosmonauten sehr bekannt und beliebt. Um den Beruf Kosmonaut ranken sich Legenden. Über Kosmonauten werden Filme gedreht, sie werden als wahre Helden verehrt. Kosmonauten sind perfekt ausgebildete Menschen, die in der Gesellschaft und von Medien stark gefragt sind. Aber, stimmt, hierbei unterscheiden wir uns tatsächlich von anderen Weltraummächten. In Russland sind Kosmonauten Nationalhelden. Sie sind keine Pop-Stars, sondern Stars. Echte Stars.

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