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Menschen-Museum Berlin : Kinder, die auf Leichen starren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das umstrittene Berliner Menschen-Museum des Plastinators Gunther von Hagens erhitzt mit „Junior-Doktor“-Kursen die Gemüter.

svz.de von
erstellt am 04.Feb.2016 | 06:00 Uhr

„So hat die Lunge auszusehen und nicht so.“ Medizinstudent Daniel steht im weißen Kittel in den abgedunkelten Räumen des Menschen-Museums von Leichenplastinator Gunther von Hagens. Vor ihm: eine Vitrine mit menschlichen Lungen. Ein Kinder-Grüppchen hängt an seinen Lippen, ebenfalls fotogen mit Arztkittel, Stethoskop und Mundschutz um den Hals. Welches der Exponate die gesunde Lunge ist, können auch Laien erkennen: die pralle, strahlend weiße neben der vom Rauchen etwas verschrumpelten, schwarz verfärbten.

Die Empörung war groß, als das umstrittene Museum ankündigte, in den Ferien „Junior-Doktor“-Kurse anzubieten. Kirchenvertreter äußerten sich entsetzt über das „schädliche“ Angebot. Ein Affront auch für den Bürgermeister von Berlin-Mitte, Christian Hanke (SPD): Er zeigte sich gegenüber mehreren Blättern schockiert, kämpft er doch seit mehr als einem Jahr erbittert gegen das Museum am Alexanderplatz.

Tatsächlich kommt der vom „Berliner Kurier“ als „Leichenfleddern“ titulierte Kurs recht harmlos daher: Der angehende Mediziner macht nach einer Einführung einen Rundgang mit den Kindern. Er zeigt etwa Knochen, Herz und Lunge. Der Großteil der 200 Einzelexponate sieht aus wie eine sehr detaillierte Nachbildung, nur etwa 20 davon sind ganze Körper. Um das Thema Schwangerschaft, in der Schau durch einen Vorhang abgetrennt, macht der Kursleiter einen Bogen. Kein Skandal, nirgends. Auch Schulklassen und Eltern mit Kindern sind im Museum unterwegs.

Das Schwangerschafts-Tabu ist dem Vater einer Siebenjährigen wichtig. „Bei dem Thema ist sie außen vor. Alles andere ist sie von klein auf gewohnt.“ Er arbeite im Rettungsdienst, seine Frau im medizinischen Bereich, die Tochter wolle Ärztin werden. Ähnlich bei einer elfjährigen Erfurterin, die sich nach den Worten ihrer Mutter für Gerichtsmedizin begeistert und zuhause Spielzeug-Skelette zusammensetzt. Den Ärger um das Museum können die Eltern nicht nachvollziehen: „Mein Gott, dann sollen sie auch den Bio-Unterricht verbieten“, sagt eine Frau, die mit ihrem Enkel gekommen ist.

Dass auch über Gesundheitsgefahren wie das Rauchen aufgeklärt wird, begrüßt sie sehr und fügt lachend an: „Die sollten auch zeigen, wie sich Spielkonsolenfinger verändern.“

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