Hilfe für ADS-Kinder : Kiloschwere Sandweste soll Schüler ruhig halten

Unruhige Kinder haben oft Schwierigkeiten, sich auf den Unterricht oder ihre Hausaufgaben zu konzentrieren.

Unruhige Kinder haben oft Schwierigkeiten, sich auf den Unterricht oder ihre Hausaufgaben zu konzentrieren.

An 13 Hamburger Schulen werden die bis zu fünf Kilogramm schweren Westen bereits eingesetzt, um unruhigen Kindern zu helfen.

DSC_0125.JPG von
07. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Hamburg/Kiel | Wahrnehmungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite (ADS) und Konzentrationsschwäche sind Probleme mit denen viele Kinder zu kämpfen haben. Eine recht neue und unkonventionelle Behandlungsmethode könnte einigen Abhilfe leisten: eine zwei bis fünf Kilogramm schwere Sandweste.

Was sich im ersten Moment suspekt anhört, scheint zu funktionieren. Das Prinzip ist einfach: Gewicht und Druck wird gleichmäßig und flächendeckend auf die Muskel- und Belastungssensoren verteilt, um so die kognitive Leistungsfähigkeit zu steigern. Je nach Gewicht und Größe, kosten die Westen um die 145 bis 165 Euro. 

Am Mittwoch berichtete das Hamburger Abendblatt über die Anwendung der Sandwesten in 13 Hamburger Grund- und Stadtteilschulen. Lehrer, Eltern und Schüler sind von der zwei bis fünf Kilogramm schweren Sandweste begeistert. Die Weste habe eine beruhigende Wirkung, berichten viele Kinder. Eine Lehrerin vergleicht die Sandweste mit einem „behutsamen Handauflegen, das guttut“. Eine Schulleiterin erklärt, dass die Westen keinesfalls stigmatisierend wirkten, sondern den Schülern helfe „runterzukommen“. Sie wünsche sich viel mehr Exemplare für ihre Schule. Allerdings tragen die Schüler die Weste sie nicht länger als 30 Minuten, sonst könnte ein Gewöhnungseffekt einsetzen.

Diplom-Psychologin Michaela Peponis, Referatsleiterin bei der Schulbehörde teilte mit, dass Sandwesten in Einzelfällen eine Unterstützung für Kinder im Schulalltag sein können. „Gleichwohl liegen derzeit keine empirisch oder wissenschaftlich abgesicherten Ergebnisse dafür vor.“ Der Rückschluss, dass die Westen allgemein bei Kindern eine Steigerung der Konzentration oder Verminderung körperlicher Unruhe bewirken, sei daher nicht zu belegen. Dennoch begrüße die Behörde den Ansatz, in Einzelfällen diesen Weg zu wählen, wenn einzelne Schüler positiv reagierten.

Das „Abendblatt“ berichtete von einer Sonderpädagogin einer Harburger Schule, die in ihrer Lehrzeit in den USA diese Methode kennengelernt hatte und sich für die Anschaffung von Westen an ihrer Schule einsetzte. Durch den Druck und das Gewicht der Weste würden über die Rezeptoren der Haut und die Propriozeption (Eigenwahrnehmung) dem Gehirn neue Impulse geben, wodurch ein Mensch letztlich Halt bekomme und sich um andere Dinge wie Lesen oder Schreiben kümmern könne, heißt es bei einem Westen-Hersteller, der ebenfalls einräumt: „Wissenschaftliche Untersuchungen über die Wirkungsweise unserer Gewichts-Produkte gibt es nicht.“

Anders als in Hamburg, ist der Einsatz der Sandweste weniger bekannt. Nach Angaben von Thomas Schunk, Pressesprecher des Bildungsministeriums in Kiel, wisse das Ministerium von keiner Schule in Schleswig-Holstein, die mit der Sandweste arbeitet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen