Spülmittel „Fit“ : Kein Schaumschläger

Der Geschäftsführer der fit GmbH, Wolfgang Groß, ist Chef von 250 Mitarbeitern.
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Der Geschäftsführer der fit GmbH, Wolfgang Groß, ist Chef von 250 Mitarbeitern.

Zehn Millionen 500-Milliliter-Flaschen des Spülmittels kommen pro Jahr aus Sachsen

svz.de von
12. August 2018, 05:00 Uhr

„Fit“-Flasche drängt sich an „Fit“-Flasche. Die vollautomatische Abfüllanlage läuft im Akkord. Jährlich verlassen zehn Millionen grüne 500-Milliliter-Flaschen mit dem zwischen Sassnitz und Suhl wohl beliebtesten Geschirrspülmittel das Werk in Hirschfelde. Parallel wird auf einer weiteren Anlage ein Weichspüler der Marke „Kuschelweich“ abgefüllt. Wolfgang Groß nickt zufrieden: „,Kuschelweich’ ist inzwischen unser größter Umsatzbringer. In seinem Rucksack tragen wir ,Fit’ mit in die westdeutschen Discounter“, sagt der Geschäftsführer der fit GmbH.

Wie frisch gewaschene Wäsche

Die Luft in der Werkhalle riecht wie frisch gewaschene Wäsche. Der promovierte Chemiker erinnert sich gut an seine erste Begegnung mit dem einstigen Ableger der VEB Leuna-Werke und den Geruch nach Ruß. Ostern 1992 stand der gebürtige Badener vor dem Werk. Schnee versteckte riesige Kohleberge unter zartem Weiß. Die „Fit“-Produktion aber faszinierte Groß. „Die Fertigung war intelligent aufgebaut“, sagt er. Seit 1967 wurde das einzige Spülmittel der DDR in Hirschfelde produziert.

Den damaligen Ruf des „Wundermittels“ für Geschirr, Fenster, Fahrräder und sogar für die Untersuchung von Blutspuren bei der Kripo kannte Groß seinerzeit nicht. Noch war er Angestellter eines internationalen Chemiekonzerns in Westdeutschland. „Ich hatte nur eine Idee. Ich wollte mich mit Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln selbstständig machen“, erzählt er. Mit seinem Konzept und ganz viel Geduld überzeugte er die Verantwortlichen bei der Leuna, der Treuhand und einer Bank. Sechs Millionen Euro wollte er investieren, damit die damals 60 Mitarbeiter weiter ihren Lebensunterhalt verdienen konnten.

Jeder Arbeitsplatz in der Region zählte. Denn Tausende Jobs hatte die Wende fortgeweht. 25 Jahre ist dieser Anfang inzwischen her.

Inzwischen verlassen 300 Artikel das Werk bei Zittau. Dahinter stehen 85 000 Tonnen pro Jahr, davon allein 25 000 Tonnen „Fit“. Das Spülmittel sorgt längst nicht mehr allein für den Jahresumsatz.165 Millionen Euro waren es nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr. Zum Portfolio des Mittelständlers gehören die einst westdeutschen Marken „Rei“, „Sanso“, „Kuschelweich“ und „Sunil“. Dazu übernahm die fit GmbH noch „Gard“ und „fenjal“. „Im Kosmetikbereich ist die Gewinnspanne größer als im Waschmittel- und Reinigungsbereich“, sagt Groß.

Das Unternehmen will weiter wachsen

Mit Schönheit und Sauberkeit will der langjährige IHK-Vize-Präsident Groß sein Unternehmen in Hirschfelde weiterwachsen lassen. Gerade ist eine neue Halle für eine Abfüllanlage fertig geworden. Bis 2019/20 will der Chef von mittlerweile 250 Mitarbeitern nochmals rund 16 Millionen Euro am Standort investieren. Bereits 170 Millionen Euro sind seit 1993 in neue Anlagen und Produktionsneubauten geflossen. Parallel dazu wird in den Forschungslaboren permanent an neuen Trends getüftelt.

Ortsbürgermeister Bernd Müller freut diese Entwicklung, denn „die Investitionen bedeuten Zukunft für Hirschfelde“, sagt der 75-Jährige. Als Bauingenieur hat er zwischen 1967 und 1974 das „Fit“-Werk – damals hieß es VEB Fettchemie – mitaufgebaut. Neben der Spülmittel-Produktion befand sich auf dem Areal ein Kraftwerk. Bis zu 5000 Menschen fanden dort bis 1989 Arbeit. „Es ist schön, dass eine Tradition fortgeführt wird. Ohne den Mut von Dr. Groß wäre es nicht gegangen“, sagt der Ortsvorsteher. In Hirschfelde an der Neiße leben 1600 Einwohner.

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