IG MEtall Tarifrunde : „Kein Geld fürs Nichtstun“

Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie könnte dieses Mal härter werden als im Vorjahr.
Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie könnte dieses Mal härter werden als im Vorjahr.

Metall-Tarifrunde im Norden unter schwierigen Vorzeichen: Gesamtmetall-Präsident gegen Arbeitszeitverkürzung

von
13. November 2017, 21:00 Uhr

Rote Fahnen, Trillerpfeifen und starke Worte vor maritimer Kulisse im Hamburger Hafen: So beginnen morgen die Tarifverhandlungen für die 150 000 Beschäftigten der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. Die Positionen der IG Metall Küste und des Arbeitgeberverbands Nordmetall liegen weit auseinander. Tobias Schmidt sprach mit Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger über die Entgelt- und Arbeitszeitforderungen der Gewerkschaft:

Neben mehr Lohn fordert die IG Metall die 28-Stunden-Woche mit einem sogenannten Teillohnausgleich. Eine berechtigte Forderung?
Dulger: Die IG Metall weckt völlig falsche Erwartungen, die sie nicht erfüllen kann. Die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung ist eine Kopfgeburt. Die Beschäftigten selbst wollen Flexibilität – nach oben und nach unten! Darüber sprechen wir gerne. Aber kürzere Arbeitszeiten bei Lohnausgleich: Das ist eine Stilllegeprämie für Fachkräfte, die zu einer flächendeckenden 28-Stunden-Woche führen würde. Dem können wir nicht zustimmen. Wer kürzertreten will, kann dies auch heute schon tun, aber natürlich ohne Lohnausgleich. Mehr Geld fürs Nichtstun wird es mit uns nicht geben!

Mehr Zeit wird von Arbeitnehmern inzwischen oft höher bewertet als mehr Geld. Wie reagieren Sie auf diese Wünsche?
In der Metall- und Elektroindustrie wird im Westen 35 Stunden pro Woche gearbeitet. Das ist eine der kürzesten tariflichen Arbeitszeiten weltweit! Wir werden unseren Wohlstand nicht erhalten können, wenn wir immer weniger arbeiten als die Generation vorher. Das wird auch gar nicht gewünscht. Selbst in der Umfrage der IG Metall haben 70 Prozent der Befragten angegeben, dass sie mit ihrer Arbeitszeit zufrieden sind. Nur viereinhalb Prozent sind wirklich unzufrieden. Und 30 Prozent der Befragten würden gerne mehr arbeiten.

Kürzere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich: Könnten sich die Arbeitgeber denn darauf einlassen?
Wir sind nicht gegen mehr Flexibilität. Aber wenn jemand weniger arbeitet, muss ein anderer die Lücke schließen und mehr arbeiten. Außerdem sind die Regeln zur Arbeitszeit in Deutschland viel zu starr. Wir brauchen hier dringend eine fortschrittliche und zeitgemäße Lösung. Dafür würde es reichen, die ausgewogene EU-Arbeitszeitrichtlinie hierzulande endlich anzuwenden. Unsere Arbeitszeitbestimmungen stammen noch aus der Zeit von Telex und Wählscheibe. In Zeiten von Internet, Laptop und iPad wollen die Menschen zu Recht ihre Arbeitszeit individueller gestalten.

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Gehalt. Was spricht also gegen einen kräftigen Zuschlag?
Natürlich wird es auch 2018 eine angemessene Beteiligung unserer Beschäftigten am Wachstum geben.

Was heißt angemessen?
Es ist zu früh, um über Zahlen zu reden. Der Branche geht es momentan gut. Wir sind aber noch nicht so produktiv, wie wir vor der Wirtschaftskrise gewesen sind. Es geht vielen Unternehmen besser, aber wir müssen große Herausforderungen schultern, in Digitalisierung und die Elektrifizierung der Automobilbranche investieren. Das geht nicht ohne Rücklagen.


 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen