Krankheit im Alter : Jeder Zweite hat Angst vor Demenz

Demenzkranke in Deutschland
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Demenzkranke in Deutschland

Bei Krebs und Alzheimer sind Ärzte oft machtlos – viele Menschen fürchten diese Krankheiten darum besonders, wie eine Umfrage zeigt

svz.de von
26. November 2015, 18:44 Uhr

Jeder zweite Deutsche hat einer Umfrage zufolge Angst, an Demenz zu erkranken. Vor allem die über 60-Jährigen fürchten Alzheimer und ähnliche Erkrankungen, wie die Krankenkasse DAK-Gesundheit als Auftraggeberin der Studie gestern in Hamburg mitteilte. Am meisten Angst mache den Deutschen aber immer noch Krebs. 68 Prozent der Befragten äußerten in der Erhebung des Forsa-Instituts die Furcht vor einem Tumor. Bei den Jüngeren im Alter von 14 bis 44 ist diese Angst mit 73 Prozent am größten. Aids und andere Geschlechtskrankheiten lösen weit weniger Schrecken aus. Diese Leiden landeten in der Befragung auf Platz 10, noch hinter zum Beispiel Diabetes und einer schweren Lungenerkrankung.

Der weitaus größte Teil der Befragten – 86 Prozent – schätzte seinen gegenwärtigen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Das sind zwar zwei Prozentpunkte weniger als in der Vorjahresbefragung, aber noch etwas mehr als vor fünf Jahren. Vor allem die Bayern und Baden-Württemberger halten sich für gesund (90 beziehungsweise 89 Prozent). Die Ostdeutschen sind der Umfrage zufolge weniger zufrieden (81 Prozent).

Nach Angaben der Krankenkasse leiden derzeit rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland unter einer Demenz. Experten erwarteten, dass sich diese Zahl bis 2050 verdoppeln werde, hieß es. „Diese Entwicklung macht offensichtlich vielen Menschen Angst“, sagte die Leiterin des Berliner Büros der DAK-Gesundheit, Eva Walzik. Es sei eine große Herausforderung für die Politik, darauf zu reagieren. Die neue Pflegereform sei ein richtiger Ansatz, die Bedingungen für Demenzkranke und deren Angehörige zu verbessern.

Alzheimer: Die häufigste Form der Demenz

In Deutschland haben etwa 1,5 Millionen Menschen Alzheimer oder eine andere Demenzerkrankung. Unter Demenz werden verschiedene Leiden zusammengefasst, bei denen die geistige Leistungsfähigkeit sehr stark zurückgeht. Die weitaus meisten Betroffenen haben Alzheimer.

SYMPTOME:

Bei Alzheimer sterben Hirnzellen ab. Das Gedächtnis geht verloren, das Wesen wird verändert. Im fortgeschrittenen Stadium weiß ein Patient nicht mehr, wo er sich befindet und wer er ist. Viele Erkrankte erkennen ihre Angehörigen nicht mehr, manche werden aggressiv. Oft ist eine Beaufsichtigung rund um die Uhr nötig.

URSACHE:

Es ist unklar, was genau im Gehirn passiert. Eiweißfragmente (Amyloid-Peptide) lagern sich im Hirn ab. Die Zellen schaffen es nicht, diese Plaques loszuwerden. Sie stören die Reizübertragung zwischen Hirnzellen, diese werden funktionsuntüchtig und sterben ab.

THERAPIE:

Es gibt weder eine vorbeugende Impfung noch ein Heilmittel gegen Alzheimer. Medikamente haben einen nur geringen Effekt; sie können die Beschwerden allenfalls hinauszögern oder etwas lindern.

Auch kognitives Training oder etwa Musiktherapie werden angewandt.

ANSTIEG:

Nach dem Welt-Alzheimer-Bericht 2015 wird sich die Zahl der Betroffenen global bis zum Jahr 2050 fast verdreifachen. Schon heute erkranke daran alle 3,2 Sekunden irgendwo auf der Erde ein Mensch, so der Bericht der Organisation Alzheimer Disease International (ADI). Derzeit sollen weltweit etwa 47 Millionen Menschen betroffen sein.

Krankheitsverlauf

Frühstadium: Vergesslichkeit

  • Nachlassen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Schwierigkeiten, die richtigen Wörter zu finden
  • Interesse an Hobbys und Alltagsaktivitäten lässt nach

Mittleres Stadium: Deutliche Ausfälle

  • Kranke vergessen Namen und erkennen Angehörigen nicht mehr
  • Schwierigkeiten bei alltäglichen Verrichtungen
  • Verlust des Zeitgefühls
  • Persönlichkeitsveränderungen; unruhige und apathische Phasen

Fortgeschrittenes Stadium: Kontrollverlust

  • Verlust aller höheren physischen Funktionen: Essen, Laufen, Toilettenbenutzung
  • Gedächtnis kann keine neuen Informationen mehr speichern
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