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Verrohung der Gesellschaft : Jeden Tag werden Polizisten Opfer von Gewalt

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sie werden angespuckt, beleidigt, geschlagen, sogar angeschossen. Polizeiexperten schlagen angesichts des wachsenden Gewaltpotenzials Alarm

svz.de von
erstellt am 28.Apr.2016 | 05:00 Uhr

„17-Jähriger beleidigt fünf Polizisten in 20 Minuten“, „Mehr als 50 Beamte bei Ausschreitungen verletzt“, „Patient schießt auf Polizisten“ – Meldungen wie diese häufen sich in jüngster Zeit. Jeden Tag werden in Deutschland Polizisten Opfer von Gewalt: Sie werden angespuckt, beleidigt, geschlagen, sogar angeschossen. Polizeiexperten schlagen angesichts des wachsenden Gewaltpotenzials Alarm – und warnen vor einer Verrohung der Gesellschaft. Die Politik will gegensteuern.

Die schwarz-rote Koalition in Berlin will mit einer neuen Kampagne auf die zunehmende Gewalt gegenüber Polizisten und anderen Einsatzkräften reagieren. In Stuttgart erprobt die Bundespolizei seit dieser Woche den Einsatz von Körperkameras. Ziel der Körperkameras sei es, potenzielle Angreifer durch die Tatsache, dass sie gefilmt werden, von Gewalt abzuhalten, sagt ein Sprecher des Innenministeriums in Stuttgart. Die landesweite Einführung der Körperkameras soll stufenweise erfolgen – beginnend mit den Polizeipräsidien Stuttgart, Mannheim und Freiburg. Dafür müsse das Polizeigesetz geändert werden. Die Regelung könne aber erst in der anstehenden Legislaturperiode beschlossen werden. Für die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) ist mehr Schutz für Polizisten dringend nötig. Zwar gehört es zum Job, meist dann einzugreifen, wenn Menschen in Gefahr sind – doch beobachtet die Gewerkschaft mit Sorge, dass die Bereitschaft zu Gewalt gegen Polizisten immer häufiger werde.

Weniger Respekt, mehr und brutalere Angriffe – diesen Trend verdeutlichen auch die Kriminalstatistiken. So stieg die Zahl der Attacken nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei bundesweit von 48  752 (2011) auf 55  738 (2014). Im vergangenen Jahr wurden 62  000 Beamte angegriffen. Auch in Baden-Württemberg nimmt das Gewaltpotenzial stetig zu. Nach Angaben des Innenministeriums wurde 2015 mit 3929 Fällen von Gewalt gegen Polizisten der Höchstwert aus dem Jahr 2012 (3794 Fälle) übertroffen. Rund 8000 Polizisten wurden dabei zu Opfern – ein Anstieg um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Doch die Gefahr für die Beamten sei noch größer, als es die Kriminalstatistik offenbart, sagt Polizeipsychologe Adolf Gallwitz von der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg. „Gefühlt haben die Gewalt, die Beleidigungen und die Respektlosigkeit gegenüber Polizeibeamten im Einsatz noch deutlicher zugenommen“. Dieser Wandel mache sich bereits bei nichtigen Zurechtweisungen bemerkbar – etwa wenn ein Hund seinen Kot auf dem Gehweg ablegt, beim Parken drei Plätze belegt werden oder jemand mit seinem Auto in eine Einbahnstraße fährt.

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