Mehrstündige Verspätung : Irrfahrt mit dem Flixbus: Fahrer nimmt falschen Bus

Statt acht dauerte die Tour plötzlich 14 Stunden: Für rund 40 Fahrgäste des Fernbus-Unternehmens wurde der Weg nach Berlin zur Tortur. Einige Reisende prüfen eine Klage.

svz.de von
15. August 2016, 11:49 Uhr

Die Fahrt von Mönchengladbach nach Berlin sollte mit dem Fernbus eigentlich nur acht Stunden dauern. Am Ende saßen die Kunden am Sonntag jedoch knapp sechseinhalb Stunden länger in dem Bus. Der Grund: Ihr Fahrer musste nach einem Teil der Strecke umkehren, weil er mit dem falschen Bus losgefahren war. Statt mit dem vorgesehenen kleineren Bus sei der Fahrer mit einem Doppeldecker-Bus zur Abfahrtshaltestelle erschienen, schreibt die „Süddeutsche“.

Als der Bus bereits in Niedersachsen gewesen sei, wurde er demnach zurückbeordert, da er für eine andere Fahrt von Dortmund nach Berlin benötigt wurde. Wie der WDR berichtet, hätten die Fahrgäste dem Unternehmen mehrere Optionen unterbreitet, um nicht wieder nach NRW zurückfahren zu müssen. So hätten sie unter anderem vorgeschlagen, in Hannover in einen Zug einzusteigen oder einen anderen Bus zu nehmen. Flixbus habe jedoch alle Vorschläge abgelehnt.

Der Bus fuhr wieder zurück nach Dortmund, wo die Fahrgäste in das richtige Fahrzeug einsteigen konnten. Mit einer Verspätung von sechseinhalb Stunden kamen sie schließlich in Berlin an. Als Entschädigung bekommen die Fahrgäste die Kosten erstattet und einen Gutschein für eine europaweite Freifahrt. Dennoch sind die Passagiere sauer über den Fauxpas. Laut Informationen des WDR prüfen sie eine Klage bei der Verbrauchzentrale.

Welche Rechte Fahrgäste im Fernbus haben

Busfahrer sind nicht dazu verpflichtet, auf der Strecke anzuhalten. „Es liegt im Ermessen des Fahrers beziehungsweise seiner Leitstelle, ob er eine Alternativroute nimmt oder einen Zwischenstopp einlegt“, sagt Matthias Schröter vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Zum Beispiel bei dringenden Bedürfnissen können Fernbus-Reisende den Busfahrer nur um einen Zwischenstopp bitten.

Im Zweifel sei der Fahrer auch nicht berechtigt, Fahrgäste einfach aussteigen zu lassen, sagt Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP). Denn verletzt sich ein Fahrgast beim Aussteigen, haften Fahrer oder Busunternehmen unter Umständen.

Bei Verspätungen im Fernbus gilt laut den 2013 eingeführten Fahrgastrechten für Busreisende: „Mögliche Entschädigungen greifen bei Fernbusreisen erst ab einer Wegstrecke von 250 Kilometern“, sagt Klewe. Und zwar nur, wenn der Bus an der Einstiegsstelle mehr als zwei Stunden zu spät abfährt. In diesem Fall bekommen sie den Ticketpreis erstattet. Bei höherer Gewalt wie Unwettern stehen die Busunternehmer nicht in der Pflicht.

Bei Bahnreisenden ist die Rechtslage anders: Ihnen steht ab 60 Minuten Verspätung eine Erstattung von 25 Prozent des Fahrpreises zu.

Kommt der Zug 120 Minuten oder mehr zu spät, erhält der Fahrgast laut SÖP 50 Prozent des Preises erstattet. Das gilt auch bei höherer Gewalt.

Werden sich Reisende und Fernbus-Anbieter nicht einigen, können sich Verbraucher an die SÖP wenden. Das Schlichtungsverfahren ist kostenlos.

Am Wochenende kamen Flixbus-Reisende sechseinhalb Stunden später an ihrem Ziel an. Der Grund: Der Fahrer sollte den Bus tauschen. Er fuhr deshalb die Strecke zurück. Die Fahrgäste bekommen laut einem Sprecher die Kosten erstattet und einen Gutschein für eine europaweite Freifahrt.

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