Alkohol liegt in der Luft : Im wahrsten Sinne benebelt

Gäste lassen sich, geschützt durch einen Folienponcho, in der Cocktailwolke benebeln.
Gäste lassen sich, geschützt durch einen Folienponcho, in der Cocktailwolke benebeln.

In London bietet eine Bar einen innovativen Weg zum Schwips: Gäste betreten einfach eine Cocktailwolke

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25. August 2015, 08:00 Uhr

Als ob die Briten noch nicht genug Wege gefunden hätten, sich zu betrinken. Jetzt gibt es einen neuen Dreh. Eine Bar in London präsentiert eine innovative Methode für den Feierabend-Schwips: die begehbare Cocktailwolke. „Alcoholic Architecture“ nennt sich ein Kellergewölbe nahe des angesagten Borough-Markts am Südufer der Themse, wo man kein Glas braucht, um seinen Drink zu konsumieren. Stattdessen tritt der Gast in einen Raum voll Alkoholdunst ein und lässt sich wortwörtlich benebeln: Über die Atmung, die Hautporen und die Augen wird der Alkohol aufgenommen.

Das Künstlerduo Sam Bompas und Harry Parr steckt hinter der Idee der Cocktailwolke. Seit 2007 amüsiert das Paar mit synästhetischen Food-Art-Installationen, seien es fluoreszente Eiscremes, eine Neuinterpretation von Wackelpudding oder eine Kombination von Feuerwerk mit Pfirsichschnee. Jetzt also „alcoholic architecture“: Ein Konzept, bei dem der Cocktail atembar weil gasförmig wird und den Drink „zur Dimension der Architektur explodieren“ lässt. Das Resultat ist, so Bompas & Parr, „das weltweit erste alkoholische Wettersystem, wo Meteorologie auf die Kunst des Cocktailmixens trifft“.

Und das geht so: Die Gäste werden angehalten, einen Poncho aus dünner Folie anzuziehen, um Kleider und Haare zu schützen, und dann tritt man durch einen Plastikvorhang in die „Cloud“ ein, die Alkoholwolke. Hier haben Raumbefeuchter ein Luftgemisch von einem Teil Schnapps und drei Teilen Mixer in die Atmosphäre gepustet, die Wolke lässt die Luftfeuchtigkeit im Raum auf 140 Prozent ansteigen. Zu schmecken ist das kaum, allenfalls eine leicht süßliche Note auf der Zunge ist zu bemerken. Aber Haut und Augäpfel nehmen den Alkohol auf, der unter Umgehung der Leber direkt in die Blutbahn gelangt. Das spart, so ein angenehmer Nebeneffekt, die Kalorien, die ein süßer Cocktail ansonsten mit sich bringt.

Rund 40 Minuten, haben Bompas & Parr ausgerechnet, reichen aus, um auf den Rauscheffekt eines großen Drinks zu kommen, warum die Gäste auch nicht länger als 50 Minuten in der Cloud verweilen dürfen. 12,50 Pfund, umgerechnet 18 Euro, kostet das Vergnügen. Wer in der Cloud noch nicht benebelt genug wurde, darf vor dem Plastikvorhang an der Bar seine Cocktails ganz konventionell im Glas bestellen. Dem Ort geschuldet – hier stand einst ein Mönchskloster, gleich neben der ältesten gotischen Kathedrale des Königreichs – wird das Menü von monastischen Kreationen wie Chartreuse, Bénédictine und trappistischen Bieren dominiert. Wer will, darf sich seinen Cocktail in einem menschlichen Totenschädel servieren lassen.

Nur bis zum Anfang nächsten Jahres wird die Bar geöffnet sein, immerhin handelt es sich um eine Installation und keine ordinäre Kneipe. Termine gibt es übrigens nur noch für die frühen Nachmittagsstunden.
 


Jochen Wittmann berichtet für die SVZ aus Großbritannien

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