Verkauf über Amazon : Ikea geht im Netz fremd

Ikea-Filiale: Bald soll es neue Bestellmöglichkeiten geben.
Ikea-Filiale: Bald soll es neue Bestellmöglichkeiten geben.

Der weltgrößte Möbelhändler erkundet neue Wege – und will nun auch über Amazon & Co. verkaufen

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09. Juni 2017, 20:00 Uhr

Auch für alteingesessene Firmen ändern sich die Märkte im digitalen Zeitalter erheblich. Es wird immer schwerer, den sich frühzeitig etablierten Platzhirschen im Internet Konkurrenz zu machen, selbst für klassische Marktführer. Der weltgrößte Möbelkonzern Ikea hat das erkannt und will seine Vormachtstellung nun auch massiv im Internet sichern. Für Kunden, denen der Gang zu einem der Ikea-Warenhäuser zu mühselig geworden ist, weil viele Produkte inzwischen nur einen Internet-Klick entfernt sind, will der Konzern über eine Zusammenarbeit mit konzernfremden Onlinehandelprofis testen. Dies bestätigt Martina Smedberg, Sprecherin der Ikea Group gegenüber unserer Zeitung. „Wir sind offen gegenüber der Idee zu testen, Ikea-Produkte durch andere Online-Plattformen als unsere eigenen verfügbar zu machen“, sagt sie.

Das ist eine kleine Revolution. Noch nie zuvor wurden fabrikneue Ikea-Möbel außerhalb der blaugelben Kaufhäuser und der Ikea-Internetseite verkauft. Als mögliche Partner sind der Marktführer Amazon aus den USA und sein chinesischer Rivale Alibaba im Gespräch. „Ich lasse es offen, auf welchen Plattformen, aber wir werden es testen, um zu sehen, was bedeutet das, wie sieht der digitale Einkauf in der Zukunft aus und was sind digitale Shopping-Zentren?'“, sagt auch Ikea-Topmanager Torbjörn Lööf.

Der Möbelgigant baut seine Verkaufsstrategie schon seit einigen Jahren um. 2015 setzte der Konzern sich das Ziel bis 2020 den Umsatz auf 50 Milliarden Euro nahezu zu verdoppeln. 2016 hat die Ikea Group ihren Onlineverkauf um 30 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro erhöht. Das sind aber bislang nur bescheidene sieben Prozent vom Gesamtumsatz von 34,2 Milliarden Euro. „Im digitalen Bereich verkaufen wir unsere Produkte nur über unsere eigene Webseite und wir sehen, dass sich da die Wettbewerbslandschaft verändert“, so Lööf. Deshalb will Ikea ab 2018 den Vertrieb auch über Internethändler testen.

Ein Problem der Ikea-Strategie ist, dass der Warenhausbesuch ja als Kerngeschäftsidee gewünscht war, weil Kunden dann für gewöhnlich viel mehr einkaufen als geplant. Ikeas Warenhäuser sind laut Fachleuten so labyrinthartig aufgebaut, damit Kunden mehr kaufen. „Der Trick ist, dass der Kunde auf eine Weise durch das Warenhaus geführt wird, die das Zurückgehen erschwert. Wenn man etwas sieht, stopft man es in den Einkaufswagen, weil man später nicht mehr an den gleichen Ort zurückkomme“, sagte etwa der britische Architekturprofessor Alan Penn. Der Ikea-Effekt werde zusätzlich durch die Abseitslage der Häuser flankiert, im Sinne von: „Die Chance nutzen, wenn man schon mal da ist“. Das fällt im Internet eigentlich weg.

Der Konzern will aber durch virtuelle Konzepte das Erlebnis eines Warenhausbesuches mit all seinen Verführungskünsten nachkreieren. „So können Internet-Kunden etwa virtuell sehen, wie ein Möbelstück in die eigenen vier Wände passt“, sagt die Ikea-Managerin Carole Bates. Am Donnerstag gab Ikea dazu auch eine Zusammenarbeit mit dem IT-Riesen Apple bekannt. Zusammen will man an einem Online-Design mit „augmented reality“ (verstärkte Wirklichkeit) feilen. Kunden sollen Kaufentscheidungen so einfacher von zu Hause aus treffen können.

Zur neuen Strategie gehört auch eine einfachere Zusammenbautechnik. Statt zu schrauben sollen Möbel „zusammengeklickt“ werden. Und: „Wir testen gerade europaweit neue unterschiedliche Ladenkonzepte. Insgesamt sind es rund 40 Testeinheiten“, sagt Smedberg. Auch hat Ikea mehr logistische Vertriebspunkte errichtet, um im Internet bestellte Waren schneller ausliefern zu können. Auch werden in Spanien, Norwegen und Kanada zentrale Abholpunkte von Waren für Kunden getestet.

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