Interview : Ihre Oma ist die Coolste

Moderatorin Katrin Bauerfeind
Moderatorin Katrin Bauerfeind

Katrin Bauerfeind moderiert und schreibt Bücher mit unterhaltsamen Kurzgeschichten über das Leben einer Frau. Jetzt geht sie damit jetzt auf Tournee.

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24. März 2018, 16:00 Uhr

Die Frau ist wirklich witzig, selbst wenn sie gesundheitlich angeschlagen ist. Katrin Bauerfeind moderiert nicht nur alles weg, was sich ihr in den Weg stellt, sondern schreibt auch Bücher mit unterhaltsamen Kurzgeschichten übers Leben im Allgemeinen und das einer Frau im Speziellen. Und dann geht sie damit auf Tournee. „Alles kann, Liebe muss“ heißt das jüngste Werk – also unterhalten wir uns in einem Berliner Café über das Leben und die Liebe:

Frau Bauerfeind, Sie haben gestern Abend trotz schwerer Erkältung auf der Bühne gestanden und kneifen jetzt auch nicht beim Interview. Ist „Disziplin“ Ihr zweiter Vorname?
(lacht) Ich bin ja Schwäbin, wir legen Wert auf Disziplin. Und ich finde auch, dass Disziplin keine schlechte Eigenschaft ist. Ich würde mich immer fürs Durchziehen entscheiden.

Woher kommt das?
Ich hab mit sieben angefangen, Saxophon zu spielen, und hatte einen überaus strengen Dirigenten. Da gab’s keine Fehltage, keine Ausreden. Selbst am 18. Geburtstag musste man bei der Probe erscheinen, keine Gnade. Das fand ich natürlich wahnsinnig blöd, aber am Ende habe ich dadurch gelernt, was Disziplin ist und was sie einem bringt. Ich selbst hätte niemals die Motivation aufgebracht, mich viermal in der Woche hinzusetzen und Saxophon zu spielen, sondern hätte das gemacht, was alle 16-Jährigen machen.

Nämlich?
Ich hätte mich natürlich am Freitagabend auf eine Cola verabredet und mit Freunden schlechte Musik gehört. Stattdessen habe ich immer Saxophon gespielt. Von sechs bis zehn.

Worin hat sich die Strenge Ihres Musikdirektors denn geäußert?
Der hatte Methoden, die man heute nicht mehr gut vermittelt bekommt. Da ist auch schon mal ein Taktstock geflogen oder man hat das Oboenwasser abbekommen, wenn jemand falsch gespielt hat.

Was für ein Wasser?

Die Oboen haben ein Holzblättchen, das sehr hart ist und um es weicher zu kriegen und besser spielen zu können, weicht man es in Wasser ein. Das Wasser war in einem Filmdöschen. Und das ist manchmal geflogen. Also das Wasser, nicht das Döschen. Und im Spaß versteht sich, aber man durfte dennoch nicht zimperlich sein. Hat mich auf jeden Fall motiviert möglichst richtig zu spielen, aber es ist heute schwer zu vermitteln, dass es Zeiten gab, in denen so etwas möglich war, um Kindern Musik beizubringen.

War das Saxophonspiel denn mal eine Perspektive für Sie?

Ja, es gab Leute, die fanden, dass ich das beruflich machen sollte. Der Musikdirektor hat mir Talent bescheinigt und hat mich schon im Glenn Miller Orchestra gesehen. Am Ende war ich aber zu faul zum Üben und hab mich einfach nie genug dafür interessiert, um wirklich den musikalischen Weg einzuschlagen.

Geblieben ist davon ein kurzer Schlusssatz in Ihrem Wikipedia-Eintrag: Bauerfeind spielt Saxophon.

Ist das nicht toll? Das ist auch alles, was man über mein Privatleben wissen muss (lacht).

Bleiben wir mal bei dem, was man im Internet über Sie lesen kann. Google macht, wenn man Ihren Namen eingibt, vier Vorschläge: Mann, Rauchen, Größe, Familie. Vor allem der zweite hat mich erstaunt.
Ich hab tatsächlich unfassbar viel geraucht, zwei Schachteln am Tag. Mein Zigarettenkonsum und das Aufhören begleiten mich auch durch alle Bücher und Programme.

Ihre Oma hat ja davon profitiert, dass Sie aufgehört haben.
(lacht) Das ist richtig. Meine Oma wollte nie, dass ich rauche und hat jahrelang geschimpft. Als ich dann tatsächlich aufhörte, hab ich mir eine App runtergeladen, die einem sagt, was man sich neben dem Nikotin noch so alles reinpfeift, wann man wieder Flimmerhärchen bekommt und wie viel Geld man gespart hat. Bei mir war das in relativ kurzer Zeit ein sehr hoher Geldbetrag. Als ich meiner schwäbischen Oma den Betrag gezeigt hab, hat sie fast einen Herzinfarkt bekommen und gesagt: „Was, Katrin, so viel Geld hasch Du fürs Raucha ausgeba? Du gib’sch des Geld mir, weil Du brauschs net, und i bin reich.“ Sie hat – glaub ich – kurz drüber nachgedacht, Schloss Neuschwanstein zu kaufen.

Haben Sie ihr das Geld denn gegeben?
Ich hab im Sommer aufgehört zu rauchen und es bis Weihnachten für sie gesammelt. Und dann habe ich noch eine Postkarte gefunden, auf der draufstand „Meine Oma hat’s verdient“. Die hat sie dann zusammen mit dem Geldumschlag zu Weihnachten bekommen. Ich hab gedacht, die schwäbische Seele legt’s für schlechte Zeiten zurück – aber nein, Oma hat sich einen neuen Sessel und ein Boxspringbett gekauft.

Erzählen Sie mal weiter von Ihrer Familie, die scheint ja interessant zu sein.
Wir erfüllen alle Kriterien einer schwäbischen Familie: Sparsam, Kehrwoche… Ich hab ja ein gespaltenes Verhältnis zu meiner Heimat. Ich liebe sie, aber wir sind auch speziell. Ich bin also von Aalen raus in die Welt und wenn ich mal wieder zu Hause bin, werde ich gefragt: „Und Katrin, was machsch Du so?“ – Ich sage: Ihr werdet’s nicht glauben, aber ich hab neulich Michail Gorbatschow interviewt.“ Da sagt mein Gegenüber völlig unbeeindruckt: „Ja, woisch, der Karl-Heinz hat jetzt auch Krebs.“ Und weil im Schwabenland aber das Elend in ganz anderen Einheiten gemessen wird, schiebt er nach „Und die hen grad erscht a neue Einbauküche kauft!“ Krebs okay, aber doch nicht, wenn du grade ’ne Einbauküche gekauft hast.

Okay…
Ich habe mir dann erlaubt, diese Geschichte aufzuschreiben und in mein Programm einzubauen, weil ich dachte, in New York würde mir das wahrscheinlich nicht passieren, aber in Aalen. Und dann bin mal wieder da, gehe auf den Markt, da brüllt der Bürgermeister über acht Obststände hinweg: „Frau Bauerfeind, das finde ich aber nicht okay, was Sie da neulich im Fernsehen über Aalen gesagt haben.“ Viele sind echt beleidigt mit mir, weil ich gesagt habe, dass Aalen nun nicht das Zentrum der Welt ist. Manchmal kommen die Leute nach drei Bier auf mich zu, als hätten sie sich Mut angetrunken, und fragen: „Katrin, was hosch Du eigentlich gega Ola?“ (lacht). Ich hab gar nichts gegen Aalen, ich find nur die Geschichte gut.

Sie haben mal geschrieben, als Mädchen sei Mädchensein für Sie überhaupt kein Thema gewesen.
Alle Mädchen in meinem Alter sind ja nicht wirklich Mädchen-Mädchen gewesen. Merkt man schon an den Namen: Steffi, Katrin, Nadine. Nix süß dran. Wir haben mit Autos, Playmobil und Lego gespielt, ich hatte nie eine Puppe, nie etwas Pinkes.

Süß zu sein war also nicht Ihr Ziel?
Ich bin mal nach Hause zu meinem Vater gekommen und hab ihm erzählt, dass es in der Schule einen Jungen gibt, der total blöde zu mir ist und mich auch manchmal haut. Da hat er gesagt: Von mir hast du das nicht, aber wenn Dich einer haut, dann kannst Du zurückhauen.

Haben Sie zurückgehauen?
Ja klar (lacht). Man kann sich ja nicht alles gefallen lassen. Ich fand es immer toll, stark oder in irgendwas gut zu sein. Aber ich wollte nie süß, nett oder brav sein. Das fand ich langweilig.

Ihr neues Buch und das Bühnenprogramm handeln jetzt von der Liebe. Und da heißen alle Ihre verflossenen Jungs und Männer Markus. Wann gab’s den ersten Markus – mit zwölf, so wie im Buch?

Ich war auf jeden Fall noch echt jung. Tatsächlich erinnere ich mich heute noch an diesen Moment, in dem ich dachte: Boah, der Markus. Und ich weiß noch genau, wie ich so rübergucke und denke: Könnte mir vorstellen, dass ich den später heirate. Und wie ich mit ihm im Kino saß, mit verschwitzten Händen in „Cool Runnings“, einem Film ohne jede Liebesszene, und ich dachte: Krass, das ist das Aufregendste, was ich je gemacht habe. Wie zart, zerbrechlich und besonders die Liebe in diesem Alter ist, so unverstellt.

Das scheint Sie heute noch zu faszinieren.
Ja, tut es. Danach fängt man an, sein ganzes Leben lang zu sammeln: Vorsichtsmaßnahmen, Mechanismen, Sprüche, um in jeder Situation möglichst souverän zu sein. Am Anfang war man genau das Gegenteil, jeder von uns. Das ist doch total bezaubernd. So eine erste große Liebe sollte man ernst nehmen, auch weil sie einen für den Rest des Lebens begleitet.

Nach allem, was Sie mir jetzt erzählt haben, finde ich es umso erstaunlicher, dass Sie dann Maskenbilderin werden wollten.
Das hat damals ein Berufseignungstest ergeben. Ich dachte ja eigentlich, dass ich Bundeskanzlerin, Hollywoodstar oder Model werde. Und dann kommt bei diesem Berufseignungstest heraus, dass ich eine Friseurausbildung machen und anschließend Maskenbildnerin werden soll. Da waren wir alle sehr überrascht (lacht) und dachten: Mmmh, ist die Katrin doch gar nicht so klug wie wir angenommen haben? Und dennoch war es eigentlich ganz passend, denn es ist bis heute eine Leidenschaft von mir.

Was?

Bis heute müssen Freunde für Gesichtsmassagen und Beauty Treatments herhalten und wenn man mich lässt, schneide ich auch jedem die Haare, obwohl ich es nicht wirklich empfehlen kann.

Sie hatten auch mal eine Phase, in der Sie Theologie studieren wollten. Wie ernsthaft war das?
Ich hab alles ernst gemeint in meinem Leben (lacht). Religion war in der Schule mein absolutes Lieblingsfach. Und ich hatte immer denselben Religionslehrer, von der fünften Klasse bis zum Abitur. Den fand ich toll. Es ist doch interessant, was der Glaube mit Menschen machen kann.

Nämlich?
Der Glaube ist so eine unglaubliche Kraft im Leben von so vielen Menschen. Ich habe Religion dann als schriftliches Abiturfach genommen – vermutlich als Einzige im ganzen Ostalbkreis. Ich saß da mit zwei Lehrern in meiner Prüfung, und immer wenn ich aufs Klo musste, waren die beiden arbeitslos. Und dann habe ich gedacht, ich könnte ja Theologie studieren. Ich könnte dann was mit dem Glauben machen, von einer Kanzel predigen, die Kirche revolutionieren und – wenn das alles nicht funktioniert – immer noch Lehrerin oder Journalistin werden.

Und dann?
Bin ich nach Tübingen gefahren, hab mir das angeguckt und gesehen, dass man da im Sommer nur Stocherkahn fahren kann. Und da wusste ich: Sorry, Leute, ich kann das nicht. Heute bin ich froh, dass ich mich für eine andere Bühne entschieden habe.

Würden Sie sich heute denn als gläubig bezeichnen?

Null. Ich bin aus der Kirche ausgetreten und habe gar nichts mehr damit am Hut. Ich bin nicht gläubig und halte Religion mittlerweile für ein wahnsinnig schwieriges Thema. Den Aspekt, dass der Glaube Menschen etwas gibt, das ihnen hilft und Hoffnung macht, finde ich immer noch gut. Aber alles, was Religion an Krieg und Leid über die Menschheit gebracht hat, ist doch fürchterlich.

Der Titel Ihres Buches „Alles kann, Liebe muss“ klingt auch ein bisschen nach einer Sackkarre voller Sendungsbewusstsein. Was wollen Sie Ihren Lesern damit sagen?
Ich schreibe keine Ratgeber, mache keine Lebenshilfe, es ist nichts Fiktives, sondern es sind lustige Kurzgeschichten. Da draußen in der Welt ist grade viel Hass. Die Wut und der Hass gelten immer als sehr ernst, die Liebe wird oft als bloß kitschig abgetan. Dafür lieben aber selbst Supermärkte ihre Lebensmittel. Ich wollte die Liebe aber nicht dem Zynismus, der Werbung und dem Schlager überlassen. Deswegen dieses Buch und sein Titel.

Sie haben früher von verflossenen Liebhabern Ihre Liebesbriefe zurückverlangt. Warum?

Damit später mal keiner was gegen mich in der Hand hat, wo man mit Kumpels beim Bier zusammensitzt und nochmal lacht. Fand ich damals eine richtig gute Idee.

Hat sich mal einer geweigert?

Das hat sich keiner getraut. Ich hab das auch nicht nur einmal gesagt, wenn ich sie nicht zurückbekommen habe, sondern schon jeden Tag mal nachgebohrt, mehrfach. Ich hab so lange genervt, bis ich sie hatte. Klingt sehr sympathisch, merke ich grade.(lacht).

Wem werden Sie heute noch sagen, dass Sie ihn lieben?
(lacht) Dem Publikum natürlich.

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