Keime im Bier, im Wasser und auf dem Essen : Hygiene in Fußballstadien besorgniserregend

Auch im Stadion des Rekordmeisters FC Bayern München waren Snacks mit Keimen belastet.

Auch im Stadion des Rekordmeisters FC Bayern München waren Snacks mit Keimen belastet.

Getränke und Speisen in deutschen Fußballstadien enthalten häufig Keime. Das hat das Labor für Chemische und Mikrobiologische Analytik in Delmenhorst herausgefunden.

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04. Juni 2017, 15:00 Uhr

Für viele Fans gehört es zum Fußball dazu: Eine Bratwurst und ein Bier in der Halbzeitpause sind Usus in deutschen Stadien. Dass das nicht immer unbedenklich ist, zeigen Ergebnisse eines Delmenhorster Instituts.

Fäkalkeime im Fischbrötchen

Wie der Deutschlandfunk berichtet, hatte das Institut Stichproben im Weserstadion in Bremen, in der Allianz Arena in München und dem Kölner Rhein-Energie-Stadion genommen. In Bremen waren demnach verkaufte Fischbrötchen mit Fäkalkeimen und Eiterbakterien belastet. Darmbakterien wurden auch in einem Wrap, in einem Brötchen und einem Baguette nachgewiesen, die in der Allianz Arena verkauft wurden; außerdem in einem Döner aus dem Catering des Kölner Stadions.

Labor-Chef Gary Zörner macht im Interview mit dem Bayrischen Rundfunk vor allem das Verkaufspersonal dafür verantwortlich, das im Wechsel nachweislich mit Speisen und Geld von Kunden ohne Hygienemaßnahmen in Berührung kam. Auch ein Bier, welches im Rhein-Energie-Stadion verkauft wurde, enthielt auffällig hohe Verunreinigungswerte.

In München und Bremen wurde auch im Trinkwasser die zulässige Gesamtkeimzahl überschritten. Den Berichten nach hatte sich an den Perlatoren, also den Filtern in Wasserhähnen, „dicker, dunkler Schleim“ gebildet. Im Weserstadion enthielt dieser mit Staphylokokken auch potenzielle Krankheitserreger.

Gefährliche Legionellen schon seit Längerem problematisch

Legionellen, die im schlimmsten Falle sogar eine Lungenentzündung verursachen können, wurden laut DLF schon häufiger in anderen Stadien nachgewiesen: Neben der Arena in Frankfurt außerdem in Darmstadt, Mainz, Leverkusen, Hoffenheim, dem Berliner Olympiastadion, sowie in Nürnberg, Karlsruhe, Bochum und Sandhausen. In Frankfurt und Bochum, wo sich die Bakterien in alten Umkleidekabinen tummeln, sind diese Probleme noch aktueller Natur. Die Kabinen würden zwar nicht mehr genutzt, jedoch hatten sich darin noch länger Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes umgezogen, so der Pressesprecher des VfL Bochum.

Besonders Profis gefährdet

Laut des Hygiene-Experten Thomas Kistemann könnten besonders die Fußballprofis darunter leiden. Zwar seien ihm keine konkreten Fälle bekannt, in denen sich die Fußballer infiziert hätten. Jedoch seien sie durch die Entkräftung nach den Spielen beim Duschen besonders gefährdet. Das sei so, „weil gewisse Reaktionen auf der immunologischen Ebene dazu führen, dass die Immunkompetenz, also die Möglichkeit, Infektionen abzuwehren, für die Phase der Hochleistung und einige Stunden danach, sogar reduziert ist“, so der Professor vom Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Universität Bonn.

Vereine streiten ab

Labor-Chef Zörner sprach laut DLF von „Kreisklassenniveau“ der Ergebnisse. Es müsste deutlich vermehrt und strengere Kontrollen geben.

Die betroffenen Vereine reagierten auf die Untersuchungsergebnisse mit dem Hinweis auf „hohe Qualitätsstandards und entsprechende Eigenkontrollen“, die keine auffälligen Befunde ergeben hätten. Sämtliche Mitarbeiter würden regelmäßig gemäß den gesetzlichen Vorgaben belehrt.

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